Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Gift in Süßigkeiten

Warum Adventskalender ein Risiko sein können

26.11.2012 | 19:02 Uhr
Steckt Mineralöl in diesem Schoko-Nikolaus?Foto: dapd

Essen.   Stiftung Warentest hat Mineralöle in der Schokolade von Adventskalendern entdeckt. Aldi-Nord und Arko nahmen daraufhin ihre Produkte vom Markt. Drei Hersteller bezweifeln indes den Vorwurf der Gesundheitsgefährdung.

Für viele Kinder ist es die schönste Zeit des Jahres und ohne Adventskalender unvorstellbar. Doch nun trübt ein Test von Stiftung Warentest die vorweihnachtliche Stimmung: In 24 Kalendern wurden Rückstände von Mineralöl und ähnlichen Substanzen festgestellt. Die Stoffe stammen vermutlich von den aus recyceltem Altpapier hergestellten Kartons. Bei neun Kalendern rät Stiftung Warentest sogar vom Verzehr der Schokolade ab. Die darin enthaltenen Substanzen könnten krebserregend sein.

Mehrere Schokoladen-Hersteller und Lebensmittel-Discounter, darunter auch Aldi-Süd, zweifeln die Untersuchung von Stiftung Warentest an, nach der die Schokoladen von 24 Adventskalendern mit Rückständen von Mineralöl und ähnlichen Substanzen belastet sind. In einer gemeinsamen Erklärung, die der  WAZ-Mediengruppe vorliegt, kritisierten etwa die Bremer Firma Hachez Chocolade und Feodora Chocolade den Test, da man ausschließlich Packmaterial aus Frischfasern und Farben benutze, die frei von Mineralölrückständen seien.

"Wir werden mit Stiftung Warentest in Kontakt treten, um die Untersuchungs-Methode zu hinterfragen", heißt es in der Erklärung. Rückstände in den Schokoladen ihrer Firmen könne es nicht geben. Auch Aldi-Süd hatte gegenüber der WAZ-Mediengruppe erklärt, man verwende für die Adventskalender ausschließlich Frischfasern und mineralölfreie Druckfarben. "Nach den uns vorliegenden Erkenntnissen ist der Verzehr der Schokolade aus unseren Adventskalendern unbedenklich", sagt Kirsten Geß, Leiterin der Kommunikation von Aldi-Süd.

Welche Adventskalender sind von der Warnung der Stiftung betroffen, nur Discounter-Ware oder auch hochwertige Produkte?

Unter den neun Kalendern, bei deren Schokoladen erhebliche Mengen kritischer Mineralölbestandteile festgestellt wurden, befinden sich sowohl günstige als auch hochwertige Produkte.

Rückruf
Lidl ruft Haselnusskerne wegen Salmonellen zurück

Der Discounter Lidl ruft Haselnusskerne des Herstellers Märsch Import zurück. Die Ware könnte mit Salmonellenkeimen verseucht sein und sollte auf...

Besonders stark belastet sind drei Kalender von Arko, Confiserie Heilemann (Tisch-Adventskalender) und Rausch. Aber auch von jenen von Riegelein (Simpsons), Feodora (Vollmilch-Hochfein-Schokolade), Hachez (Schöne Weihnachtszeit), Lindt (für Kinder) und Friedel Adventskalender rät Warentest ab. Kritisch sind demnach auch jene von Aldi-Nord (Reichsgraf), Aldi-Süd (Wintertraum) und „Die Schlümpfe“.

Lichterglanz in Essen

Wie gelangen denn die Mineralöle in die Schokolade?

Einmal geht es um Schmieröle aus den Produktionsmaschinen, vor allem aber um die Farben auf der Verpackung und den Karton aus recyceltem Papier, das ebenfalls häufig mit mineralölhaltigen Farben bedruckt war. Durch längere Lagerung gelangen die Stoffe offenbar in die Schokoladen-Stückchen. Stiftung Warentest rät der Branche, die Verpackungen nur mit mineralölfreien Farben zu bedrucken oder aber Barrieren gegen die Öle einzubauen, etwa Innenbeutel oder Folien aus mineralöl-undurchlässigen Materialien.

Welche Gesundheitsrisiken werden befürchtet?

Unterschiedliche. Ein Teil der Substanzen steht im Verdacht, krebserregend zu sein, ein anderer könnte sich im Körper anreichern und hat bei Tierversuchen Leberschäden ausgelöst.

Rückruf
Hepatitis-A-Erreger in Natreen Erdbeerschnitten?

Der Nahrungsmittelhersteller Aerzener Brot warnt vor dem Verzehr seines Produkts "Natreen Erdbeerjoghurtschnitten". Der Kuchen könne mit...

Und was sagt die Verpackungs-Branche zu dem Test?

Für die Verpacker ist die Thematik nicht neu, schließlich gab es schon bei Reis, Nudeln und Haferflocken ähnliche Probleme. Wie hoch die Gesundheits-Gefährdung durch Mineralölrückstände konkret sei, ließe sich laut Bundesamt für Risikobewertung nicht einschätzen, so Winfried Batzke, der Geschäftsführer des Deutschen Verpackungsinstituts.

Wittener Weihnachtsmarkt eröffnet

Hayke Lanwert

Kommentare
28.11.2012
21:54
Warum Adventskalender ein Risiko sein können
von Vaping_Rursus | #3

Seltsam ist nur, dass das BfR in diesem Fall innerhalb von kurzer Zeit Entwarnung geben konnte und alles relativiert... Bei der E-Zigarette haben sie...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
AfD-Landeschefs warnen vor Rechtsruck nach Henkel-Rücktritt
Parteien
Nach dem Rücktritt von Parteivize Hans-Olaf Henkel ist der Druck von Rechtsaußen bei der AfD offenbar immens. Nun melden sich die "Realos" zu Wort.
Laut Gerüchten soll Finanzminister Varoufakis gehen
Finanzen
Opfert Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Finanzminister? Laut Gerüchten steht Gianis Varoufakis kurz vor der Entlassung.
EU will Steuerschlupflöcher für Unternehmen schließen
EU
Die EU drängt auf mehr Transparenz bei Steuerabsprachen einzelner Länder. Damit sollen Steuerschlupflöcher für Unternehmen geschlossen werden.
Ukraine bittet Europa um Geld für Tschernobyl-Sarkophag
Atomkraft
615 Millionen Euro fehlen noch für den Beton-Sarkophag über den Katastrophen-Meiler in Tschernobyl. Bis 2017 soll die Schutzhülle fertig sein.
Türkei rügt Gaucks Völkermord-Aussage als unverzeihlich
Armenier-Massaker
Es knirscht zwischen der Türkei und Deutschland, weil der Bundespräsident die Massaker an Armeniern vor 100 Jahren als Völkermord bezeichnet.
article
7332584
Warum Adventskalender ein Risiko sein können
Warum Adventskalender ein Risiko sein können
$description$
http://www.derwesten.de/politik/risiko-adventskalender-id7332584.html
2012-11-26 19:02
Weihnachten, Weihnachtsgeschenke, Weihnachtsmarkt Dortmund, Weihnachtsmärkte, Süßwaren
Politik