Das aktuelle Wetter NRW 13°C
UN-Gipfel

Rio plus 20 - der unglückliche UN-Nachhaltigkeitsgipfel

23.06.2012 | 11:16 Uhr
Rio plus 20 - der unglückliche UN-Nachhaltigkeitsgipfel
Neue Ansätze sind nach dem Minimalkonsens von Rio gefragt.Foto: ap

Rio.  Nur die versammelten 100 Staats- und Regierungschefs sprechen von einem Erfolg des UN-Gipfels von Rio. Am Ende war es bloß eine Konferenz, auf der die Notwendigkeit weiterer Konferenzen festgestellt wurde. Die Erwartungen sind enorm gesunken.

Niemand ist glücklich nach dem großen UN-Gipfel zur Nachhaltigkeit 20 Jahre nach dem wegweisenden Erdgipfel von Rio. Nicht die übernächtigten Delegationen aus 188 Ländern, die vergebens in Zeiten einer nachhaltigen Finanzkrise den Durchbruch zur Rettung von Klima und Umwelt des Planeten suchten. Nicht die Tausenden von Aktivisten, die den am Freitag (Ortszeit) beendeten Gipfel schon zu dessen Beginn als Totgeburt bezeichneten. Und noch nicht einmal der Leiter der Konferenz, UN-Untergeneralsekretär Sha Zukang.

"Das ist ein Ergebnis, das niemanden glücklich macht", bilanzierte er. "Mein Job war es, alle gleichermaßen unglücklich zu machen." Am Ende war es bloß eine Konferenz, auf der die Notwendigkeit weiterer Konferenzen festgestellt wurde.

Für die 100 Staats- und Regierungschefs, die sich immerhin nach Rio bemühten, war das ein Erfolg. Das kann man im Zusammenhang einer Entwicklung, in der Klima- und Umweltpolitik angesichts globaler wirtschaftlicher Konferenzen in die hinterste Reihe durchgereicht wurde, so sehen.

Um ein völliges Scheitern zu verhindern, wurde ein Schlussdokument des kleinsten gemeinsamen Nenners gezimmert. Es war schon fertig, bevor der Gipfel offiziell am Mittwoch begann. Darin gibt es praktisch keinen Fortschritt über das hinaus, was bereits beim Erdgipfel in Rio vor 20 Jahren vereinbart wurde. Da wird beteuert und bekräftigt - das englische Wort "reaffirm" taucht 59 mal in der 49-seitigen Erklärung auf.

Stark reduzierte Erwartungen

"Wir sind in unseren Erwartungen so tief gesunken, dass die Bekräftigung dessen, was wir vor 20 Jahren gemacht haben, als Erfolg betrachtet wird", sagte der Direktor des Genfer Süd-Zentrums und Mitglied des UN-Komitees für Entwicklung, Martin Khor.

Unter dem Motto "Die Zukunft, die wir wollen" wird bekräftigt, dass alle Nachhaltigkeit wollen - aber nicht gesagt, wie diese erreicht werden soll. Die Verpflichtung wird unterstrichen, internationale Zusammenarbeit zu stärken - nur nicht unbedingt gerade jetzt. Und ebenso wird die Notwendigkeit bekräftigt, wirtschaftliche Stabilität zu erreichen - ohne zusätzliche Hilfen für die ärmsten Länder zur Verfügung zu stellen.

Kaum etwas von dem, was Umweltaktivisten wichtig war, taucht im Dokument auf. Ein Aufruf, Subventionen für fossile Brennstoffe einzustellen - Fehlanzeige. Ein Absatz, der das Selbstbestimmungsrecht von Frauen unterstreicht - Fehlanzeige. Ein paar Worte zum Schutz der Meere - Fehlanzeige.

"Alles, was in der frühen Fassung wichtig war, wurde eines nach dem anderen gestrichen", kritisiert Greenpeace-Direktor Kumi Naidoo. "Was übrig bleibt, ist das deutliche Gefühl, dass die Zukunft, die wir wollen, nicht die ist, die unsere Regierungen liefern können." Die Umweltschützer müssten nun "die Verärgerung der Menschen überall in der Welt in kreative, bedeutungsvolle und durchdachte Aktionen umsetzen".

Die Gruppe der 77 ärmsten Staaten zog eine enttäuschte Bilanz. "Alles wird seit ein paar Jahren vor sich hergeschoben, wir müssen auf die Formalisierung nachhaltiger Entwicklungsziele und den Übergang zu einer grünen Wirtschaft warten", sagte ein führender Unterhändler der Gruppe, Muhammed Chowdhury. "Das ist kein gutes Szenario." Nachfolgend die Erläuterung des Minimalkonsens im Detail:

  1. Seite 1: Rio plus 20 - der unglückliche UN-Nachhaltigkeitsgipfel
    Seite 2: Institutionen
    Seite 3: "Grüne Wirtschaft"
    Seite 4: Nachhaltigkeitsziele
    Seite 5: Meeresschutz
    Seite 6: Energie
    Seite 7: Finanzen

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7



Kommentare
Aus dem Ressort
Polizei streitet über Einsätze beim Fußball
Fan-Gewalt
Nach Krawallen in Gelsenkirchen spaltet die Frage, wie viele Beamte bei Fußballspielen gebraucht werden, die Polizei. Die Polizeigewerkschaft DPolG stützt die Linie von NRW-Innenminister Jäger, zu Nicht-Risikospielen weniger Polizei zu schicken. Die Gewerkschaft GdP hält das Projekt für gescheitert.
Weniger Hausaufgaben – G8-Schüler sollen entlastet werden
Schule
Der Runde Tisch, der von Ministerin Sylvia Löhrmann im Frühjahr einberufen worden ist, schließt die Abkehr vom Turbo-Abitur aus. Dafür soll es in Zukunft für die Gymnasiasten weniger Hausaufgaben und weniger Nachmittagsunterricht geben. Doch es gibt auch Kritik an den Vorschlägen.
Secret Service stoppt Eindringling am Weißen Haus
Weißes Haus
Schon wieder ungebetener Besuch für US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus: Ein Mann ist über den Zaun geklettert. Anders als bei dem Vorfall vor einem Monat gelangte er aber nicht ins Gebäude, sondern wurde von Sicherheitskräften abgefangen und in Handschellen abgeführt.
Duisburger hat am Gesetz zur Gifttier-Haltung mitgearbeitet
Giftige Tiere
Im kommenden Jahr soll die Haltung von giftigen und gefährlichen Tieren erschwert werden. Der Duisburger Norbert Zajac hat an dem Gesetzentwurf der NRW-Landesregierung mitgearbeitet. Zajac selbst verkauft seit 35 Jahren keine Giftschlangen mehr. Der Händler erklärt die Neuerungen.
Mutmaßlicher Anschlag in Jerusalem – Sicherheit verstärkt
Nahostkonflikt
In Jerusalem ist ein Baby gestorben, nachdem ein Mann mit seinem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle gerast war. Mehrere Menschen wurden verletzt. Die Polizei vermutet einen Terroranschlag. Während Israel unter Schock steht, appelliert das US-Außenministerium an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren.
Umfrage
Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

Um die verkürzte Schulzeit besser zu meistern, sollen G8-Schüler weniger Hausaufgaben bekommen. Richtig so?

 
Fotos und Videos