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Lernatlas

Revierstädte schneiden bei Bildungsranking schlecht ab

21.11.2011 | 10:29 Uhr
Revierstädte schneiden bei Bildungsranking schlecht ab
In Bayern und Baden-Württemberg sind die Bildungschancen besonders gut, der Norden und Osten Deutschlands sowie NRW schneiden eher schlecht ab.Foto: dapd

Hamburg.  In Bayern und Baden-Württemberg finden Schüler und Studenten die besten Lernbedingungen, NRW steht von allen Flächenländern in Westdeutschland am schlechtesten dar: Der "Lernatlas" der Bertelsmann-Stiftung Studie zeigt ein großes Gefälle. Vor allem im Ruhrgebiet gebe es große Probleme.

Bei den Bedingungen für gute Bildung hängt der Süden Deutschlands den Norden klar ab. Die schlechtesten Regionen in Baden-Württemberg und Bayern sind immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dies zeigt laut "Spiegel" der "Deutsche Lernatlas 2011" der Bertelsmann-Stiftung. Der FDP-Bildungsexperte Heiner Kamp forderte angesichts der Ergebnisse, die Bildungspolitik müsse besser koordiniert werden.

Die Studie untersucht, wie gut es sich in den rund 400 Kreisen und kreisfreien Städten der Republik lernen lässt. Dabei wird nicht nur das Lernen in Schulen, Hochschulen oder Betrieben betrachtet, sondern auch das persönliche und soziale Engagement der Bürger. Den besten Gesamtwert erzielt der Landkreis Main-Spessart, den schlechtesten die Stadt Wismar. Schlusslicht unter den Bundesländern ist Bremen, die Bestnote bekommt Bayern.

NRW "das Mecklenburg-Vorpommerns des Westens"

Betrachtet man gezielt die westdeutschen Flächenländer, gibt es laut "Spiegel" vor allem einen Verlierer: Nordrhein-Westfalen , das "das Mecklenburg-Vorpommern des Westens" sei. "Ausgerechnet das Bundesland mit der größten Einwohnerzahl hat die größten Probleme", heißt es im Nachrichtenmagazin.

Alle NRW-Städte mit mindestens 100.000 Einwohnern fänden sich in den unteren Hälften der entsprechenden Tabelle; lediglich Bonn und Münster bildeten Ausnahmen. Im Ruhrgebiet seien die Bedingungen besonders schlecht.

Vier Einzeluntersuchungen

In die Gesamtwertung flossen die Ergebnisse von vier Einzeluntersuchungen ein. Beim "schulischen Lernen" ging es unter anderem um die Frage, wie gut Grundschüler lesen können und wie viele Hochschulabsolventen eine Region zählt. Hier schnitten vor allem Kreise in Bayern gut ab, den höchsten Wert unter den Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern erzielte Dresden.

Das "berufliche Lernen" umfasst vor allem Möglichkeiten zur Aus- und Weiterbildung. Erfasst wurden unter anderem die Chancen von Jugendlichen, in einer Region einen Ausbildungsplatz zu finden, und die Angebote von Volkshochschulen. Beste Großstadt ist München. Auch alle anderen Sieger in den verschiedenen Kategorien, darunter Klein- und Mittelstädte sowie ländliches Umland, liegen in Bayern.

Untersucht wurden zudem die Bedingungen für das "soziale Lernen" . Gemeint sind Faktoren wie die Quote der Parteimitglieder, Einrichtungen für die Jugendarbeit und die Zahl der Bürger, die sich sozial engagieren. Hier zeigt die Studie ein klares West-Ost-Gefälle. "Nach der Wende und der Auflösung der staatlich organisierten Engagementstrukturen der DDR entwickelte sich in den neuen Bundesländern nur langsam eine neue, eigenständige Engagementkultur", zitiert der "Spiegel" aus der Studie.

Beim "persönlichen Lernen" stehen viele Großstädte gut da. Untersucht wurden unter anderem Zahlen zu Museums- und Theaterbesuchen und zum Leseverhalten. Spitzenwerte erzielen hier auch viele Regionen im südlichen Bayern und Baden-Württemberg.

Kamp beklagt "ideologischen Ballast"

Kamp, FDP-Obmann im Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, warnte vor einem "Auseinanderbrechen der Republik". Es fehle an einer gemeinsamen Richtung aller Bundesländer und am Willen, "gemeinsam Verantwortung für gute Bildung zu tragen", sagte Kamp der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

"Föderalismus kann nicht heißen, dass jeder Seins macht", mahnte der Abgeordnete. So würden bestimmte Bundesgebiete einfach abgehängt. Es gebe "zu viel ideologischen Ballast" in der Bildungspolitik. Kamp forderte "ein neues, übergeordnetes Koordinierungs-Instrumentarium, mit Bund und anderen gesellschaftlich verantwortlichen Akteuren, um das ewige kleinkrämerische Geschacher zu überwinden." (dapd)

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Kommentare
21.11.2011
20:02
...........
von MalNachgedacht | #27

Bertelsmann- Studie...Da weiß man wenigstens, was man bekommt.

Nämlich, dass alle dumm sind, staatliche Schulen nix taugen und man unbedingt noch viel viel mehr privatisieren muss.

Jedes Mal das Selbe und es wird auch noch kritiklos abgedruckt. Naja, es glauben ja auch die meisten Medien, dass IW/DIW/ifo etc. Forschung betreiben.^^

21.11.2011
18:49
aha#24/25
von dummmberger | #26

@24 Es ist dieser Denkfehler, einfache Arbeiter als "dumm" zu bezeichnen. Die Kriterien für das Messen von Intelligenz werden ja von den Theoretikern festgelegt. Von daher schneiden Malocher dabei immer schlechter ab.

@25
Jetzt kommen Sie bitte nicht mit Einzelfällen. Die absolute Mehrheit der Migrantenkinder leben hier, sprechen aber kein Deutsch, weil ihre Eltern kein oder nur gebrochenes Deutsch sprechen und sie kaum Umgang mit deutschen Kindern haben. Das ist ein Riesenproblem, da muss man ran, aber dass die Kinder plötzlich deutsch sprechen, nur weil man das Kindergeld kürzt, ist doch eher unwahrscheinlich.

Was die Zusammenlegung von Real- und Hauptschulen angeht, gibt es angesichts der aktuellen Entwicklung einfach keine Alternative. Den Hauptschulen gehen die Schüler aus, zudem haben Hauptschüler auf dem Arbeitsmarkt so gut wie keine Chancen.

21.11.2011
18:07
@ dummberger #20
von a_ha | #25

Es soll Kinder geben, die bis zum Schulbeginn in anderen Ländern bei den Großeltern wohnen, während ihre Eltern hier Kindergeld beziehen. Das kam raus, als der Sprachtest für Vierjährige eingeführt wurde. Auch finde ich den parallelen Anstieg von Kindergeld und Kinderzahl problematisch. Hier ist eine andere Steuerung denkbar. Zusammen mit der Herdprämie sollten stattdessen KiTa-Plätze für förderungsbedürftige Kinder eingerichtet werden.
Das Zusammenlegen von Haupt- und Realschule wird den Hauptschülern nicht gerecht: Besser fände ich alle 6 Jahre zusammenlassen und dann die, die elementare Schwierigkeiten haben, in praxisbezogene Werkstattschulen unterzubringen. Rechnen, Lesen, Musik, Handwerk, Sport, Kinderpflege und Ernährung sind nicht die schlechtesten Themen.
Besser als spätrömische Provinzen...

21.11.2011
17:55
@ dummberger #15
von a_ha | #24

Sie schrieben:
"Schon mal drüber nachgedacht, dass die "Stammländer der Sozis" die waren, in denen der Anteil einfacher Arbeiter höher war?"

Heißt, SPD-Wähler sind - frei nach Schlecker - dumm?
Das finde ich schon recht vereinfacht.

21.11.2011
17:44
von xxyz | #20
von dummmberger | #23

Fangen wir mit dem Positiven an: Überschrift und erster Satz sind vollkommen richtig.

Aber dann gehts los.
- Zum einen haben Schulen nicht die Aufgabe, Zulieferer für die Wirtschaft zu sein. Bildung bedeutet mehr als Wissen zu vermitteln, dass man vielleicht irgendwann im Beruf gebrauchen kann.

- Dann würde mich interessieren, wie durch Kürzung des Kindergeldes die Sprachfähigkeit der Kinder erhöht werden kann.

- Wir haben in NRW keine Gleichmacherei. Wir haben in NRW immer noch ein ge- bzw zer-gliedertes Schulsystem. So ziemlich alle guten Schüler besuchen das Gymnasium. Inwiefern werden deren Leistungen beeinträchtigt, wenn die anderen statt auf Real- und Hauptschule auf eine Gesamt- oder Sekundarschule gehen? Das sind doch alles leere Floskeln.

- Wenn uns die Menschen fehlen, die "die ganzen Sozialhilfe-Karrieren bezahlen können", sollte man sich mal eher Gedanken machen, warum Zweier-Abiturienten daran gehindert werden, ein Studium aufzunehmen. Da wird immer über die Null-Bock-Generation geschimpft, aber Tausende junger motivierter Leute werden ausgebremst.

21.11.2011
17:30
Fakt ist,
von adeD | #22

dass die Integration in Bayern oder Baden-Württemberg besser funktioniert hat als etwa im Ruhrgebiet. Wer sich selber ein Bild von den Leistungen der Schüler hierzulande machen möchte, sollte doch z.B mal einfach eine Schule in Duisburg oder anderswo besuchen. Ich glaube, viele Mitbürger können sich gar nicht vorstellen, was da abgeht.

21.11.2011
17:16
Da hat sich Bertelsmann
von meigustu | #21

so bemüht, klar zu machen, das Bildung nichts mit Geld zu tun hat, das kostenloses Engagement wichtig ist und in den Kommentaren wird das ganz unter den Teppich gekehrt. Dabei ist das unbedingt notwendig, um die Einkommensschere weiter zu öffnen.

21.11.2011
17:09
Bildung muss endlich höchste Priorität haben!
von xxyz | #20

Hier hilft nur fördern und fordern. Lehrer müssen wissen, dass sie Kinder für eine globalisierte Welt ausbilden. Das ist natürlich schwer, wenn man selber das ganze Leben im Biotop Schule verbracht hat. Hier helfen bspw. Koorperationen zwischen Schulen und Firmen, damit die Schüler und Lehrer erkennen, in welchen Bereichen Wissen benötigt wird.

Kinder, die in D aufgewachsen sind, müssen die Landessprache sprechen können. Falls die Eltern nicht in der Lage sind, dies sicherzustellen, muss eben auch das Kindergeld etc gekürzt werden und auf Gutscheine zurückgegriffen werden.

Ohne Bildung gibt es keinen Aufstieg. Die ewige Gleichmacherei auf niedrigstem Niveau in NRW ist eine Katastrophe. Wir müssen mind. Europa-Liga spielen, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen. Kreisklasse reicht nicht.

Irgendwann fehlen einfach die Menschen, die noch die ganzen Sozialhilfe-Karrieren bezahlen können.

21.11.2011
17:04
Äpfel mit Birnen vergleich.
von heidelbergensis | #19

Solche Studien kann man da hinkloppen wo Sie hingehören,in der Sondermülltonne.

21.11.2011
16:24
Bildung, Lernen, Deutsche Sprache?
von lupo | #18

In wie weit wurde in der Studie berücksichtigt, dass im Ruhrgebiet viele bildungsferne Familien mit Migrationshintergrund aus ganz Europa leben denen die deutsche Sprache und deutsche Kultur trotz aller Angebote zur Integrationshilfe mehr als nur fremd ist?
Wie soll ein auf "normal" ausgelegtes Bildungssystem mit all diesen besonderen Herausforderungen fertig werden?
Kinder, die bis zu ihrer Schulpflicht in den real existierenden Parallelgesellschaften in unseren Städten aufwuchsen, sitzen am ersten Schultag mit leuchtenden Augen in der Klasse und verstehen kein einziges Wort!

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