Revier empfiehlt sich als Modell für Stadtregionen weltweit

Essen..  Rund 300 Wissenschaftler aus Europa, Asien und Nordamerika verglichen am Wochenende bei einer Konferenz auf der Zeche Zollverein in Essen die Zukunftschancen verschiedener Stadtregionen. Ihr Forschungsobjekt war das Ruhrgebiet mit seinen rund fünf Millionen Einwohnern. Professor Christa Reicher, Raumplanerin an der TU Dortmund, glaubt: Das Revier taugt als Vorbild für Zentren wie Peking oder London.

Frau Reicher, welche Eindrücke nehmen Ihre Forscherkollegen aus dem Ruhrgebiet mit?

Christa Reicher: Sie sind beeindruckt. Die Teilnehmer haben zum Beispiel zum ersten Mal von der „Radautobahn“ gehört. Dieses Projekt ist weltweit einzigartig. Meine Kollegen sind auch überrascht davon, dass es hier noch bezahlbaren Wohnraum gibt, denn davon kann man in Shanghai oder London nur träumen. Und davon, dass man hier gemeinsam Großprojekte durchführt wie die IBA, die Kulturhauptstadt oder die Klima-Expo. Außerdem haben wir an der Ruhr die größte Forschungs- und Bildungslandschaft der Welt.

Was war denn der Anlass für dieses Forscher-Treffen in Essen?

Wir im Ruhrgebiet blicken ja meist nach außen, aber die Welt schaut nicht auf uns. Es ist wichtig, die internationale Perspektive hierhin zu holen. Dabei erfahren wir, dass das Revier spannender und fortschrittlicher ist als viele andere Regionen.

Warum?

Weil unser Modell – Stadt neben Stadt – viel zukunftstauglicher ist als ein starkes Zentrum mit viel Umland. Mehrere Zentren nebeneinander ermöglichen eine nachhaltigere Entwicklung der ganzen Region. Allerdings nur dann, wenn sich die Städte nicht als Konkurrenten sehen, sondern als gute Nachbarn.

Also ist alles gut im Revier?

Natürlich nicht. Eines der ungelösten Probleme ist die Mobilität. Da ist noch zu viel auf die einzelne Stadt bezogen.