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Sozialabgaben

Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung

18.06.2009 | 10:40 Uhr
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung

Berlin. Der neuerliche Eingriff in die Rentenformel kostet die Rentenkasse zusätzlich Milliarden. Den Beitragszahlern droht eine kräftige Erhöhung der Beiträge. Der Rentenexperte Raffelhüschen sagt bis 2011 einen Beitragssatz von 21,1 Prozent voraus. Andere Studien malen ein noch düsteres Bild.

Rentenexperten befürchten angesichts der geplanten gesetzlichen Garantie gegen sinkende Altersbezüge zusätzliche Kosten in Milliardenhöhe. Der Freiburger Ökonom Bernd Raffelhüschen sagte in einem am Mittwoch veröffentlichten Gutachten mittelfristig Mehrausgaben von 46 Milliarden Euro voraus. Der erneute Eingriff in die Rentenformel erzwinge somit einen Anstieg des Beitragssatzes von heute 19,9 Prozent auf 21,1 Prozent ab 2011. Der Deutsche Gewerkschaftsbund wies die Prognosen als «Panikmache der Versicherungslobbyisten» zurück.

210 Euro mehr für Durchschnittsverdiener

Die Bundesregierung will mit einer Schutzklausel ausschließen, dass die Renten in konjunkturell schwachen Zeiten sinken. Raffelhüschen rechnet daher in der Studie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft damit, dass der Durchschnittsverdiener mit einem Jahreseinkommen von 30.000 Euro im nächsten Jahr durch Beitragssteigerungen um zusätzlich 90 Euro belastet wird. Ab 2011 steige die Mehrbelastung auf 210 Euro. «Der Gleichbehandlungsgrundsatz zwischen Rentnern und Erwerbstätigen wird mit den Plänen von Arbeitsminister Olaf Scholz außer Kraft gesetzt», kritisierte er.

Mit Blick auf die bereits vorgenommenen Eingriffe ins Rentensystem fügte er hinzu: «Die Nachhaltigkeit der Rente wird leichtfertig aufs Spiel gesetzt.» Bereits durch das Aussetzen der sogenannten Riestertreppe in 2008 und 2009 sowie durch das Aussetzen von Rentendämpfungen 2005/2006 entstünden Mehrausgaben von 27 Milliarden Euro. «Die Bugwelle nicht realisierter Rentendämpfungen wird immer höher und kann erst bis zum Jahr 2017 nachgeholt werden», rechnete der Rentenexperte vor.

Noch düstere Voraussagen

Der Mannheimer Rentenexperte Axel Börsch-Supan geht sogar von einer noch deutlicheren Erhöhung aus. Laut einer schriftlichen Stellungnahme Börsch-Supans für den Bundestag könnte der Beitrag 2010 um bis zu 2,3 Prozentpunkte auf dann 22,2 Prozent steigen. Ein Durchschnittsverdiener wird demnach um bis zu 240 Euro im Jahr belastet. «Dies bedeutet eine deutliche Umverteilung von Jung nach Alt», heißt es in seiner Expertise.

Der Stellungnahme zufolge muss der Rentenbeitrag wegen der Wirtschaftskrise im kommenden Jahr um 1 bis 1,5 Prozentpunkte erhöht werden. Die Regierungsgarantie, die Renten nicht mehr zu kürzen, führe zu einem Anstieg um weitere 0,8 Prozentpunkte. «Für die jüngere Generation wird die gesetzliche Rentenversicherung daher deutlich unattraktiver.» Damit werde, entgegen der ursprünglichen Absicht des Kürzungsverbots, die gesetzliche Rentenversicherung destabilisiert.

Kritik vom DGB

Der DGB kritisierte diese Prognosen scharf. «Niemand kann heute seriöserweise sagen, ob die Schutzklausel für die Renten im nächsten Jahr überhaupt greift, wie stark die Wirtschaftskrise durchschlägt und ob Beitragserhöhungen nötig sein werden», sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.

Sie warf der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vor, mit «Horrorzahlen über völlig ungewisse Entwicklungen» angeblich unvertretbare Belastungen für die jungen Generationen zu erfinden. Letztlich gehe es den «Wirtschaftslobbyisten» darum, die Beiträge künstlich zu deckeln, «um die Arbeitgeber zu entlasten und das Leistungsniveau weiter abzusenken, damit der Druck auf eine private Zusatzvorsorge noch größer wird». Der Bundestag stimmt am Freitag über die Renten-Garantie ab. (ddp)

DerWesten

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Kommentare
23.06.2009
16:00
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von liberté toujours | #38

Entgegen der obigen Darstellungen ist die Universität Freiburg, an der ich selbst studiert habe, wahrscheinlich nach Bremen und Siegen die politisch am weitesten links stehende Uni in Deutschland. Das hat mich als eher konservativ-liberal denkenden (damaligen) Studenten aber nicht wirklich gestört, weil auch die eher linken Professoren der Feiburger Universität sich der Tradition und Lehre der sog. Freiburger Schule verbunden fühlen, auf der die soziale Marktwirtschaft aufgebaut wurde. Eine solche Grundhaltung muss natürlich heutigen Sozialromantikern und Berufs-Transferleistungsbeziehern als ganz furchtbar neo-liberal vorkommen. Deutschland wurde aber nach dem Krieg nicht durch Umverteilen wieder aufgebaut, sondern weil den Menschen Leistung in Freiheit und Eigenverantwortung ermöglicht wurde. Und die Leistung wurde von Unternehmern, Arbeitern und Beamten erbracht, nicht von Gewerkschaftsfunktionären oder Personalräten.

18.06.2009
19:22
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von goeast | #37

#Ruhry

Du hälst es also für erstrebenswert , daß es die Einheitsrente wie in Holland gibt ? Dann erzähl mal einem Rentner, daß er statt 1500Euro nur noch 800 Euro bekommt. Genau so viel wie einer der niemals in seinem Leben gearbeitet hat.
Der Arbeitnehmer in Holland zahlt ebenfalls in die Rentenkasse und zwar knapp 20% ohne Arbeitgeberanteil.

18.06.2009
14:43
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von 7eleven | #36

#35 falsch, das hat die SPD schon in ihrem Programm, z.B. keine Wiedereinführung der Vermögenssteuer,

18.06.2009
14:14
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von RoteSocke | #35

Wenn die Westermerkelwelle an die Regierung kommen, gibts wieder eine Regelung, die die Entlastung der Unternehmen bei gleichzeitiger Belastung der Arbeitnehmer vorsieht.

18.06.2009
12:41
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von LongRider61 | #34

Da habe ich auch lange über den Minister Blüm geschimpft, musste aber nach dem ich einen Bericht bei Phönix gesehen habe feststellen das der Mann recht hatte. Die Mär von der Unterversorgung ist von der Versicherungswirtschaft geschürt worden. Und eigentlich sind die Auszahlungen der Privatversicherungen unsicherer als die der gesetzlichen
England bietet dafür sehr erschreckende Beispiele

18.06.2009
12:02
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von 7eleven | #33

Die Durchschnittsrente liegt unter 1.000 Euro. Damit fliegt man nicht 3 x im Jahr auf die Kanaren.
Anders ist es bei den Beamten-Pensionen. Ein Studienrat bezieht über 3.000 Euro Pension.

18.06.2009
10:43
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von Ruhry | #32

Schafft dieses ganze System endlich mal ab!!! Und vor allem den Verwaltungsmoloch der dahinter hängt und die Beiträge und verwendung von Unmengen Papier von der rechten Schreibtischschublade in die Linke packt. Schafft eine steuerfinanzierte (damit auch endlich mal jeder einzahlt) Grundrente und den Rest muß eben jeder privat machen. Das System Bismarck hat sich überholt. Was in holland und der Schweiz funktioniert kann ja wohl auch hier funktionieren wenn man bereit ist auf den entsprechenden Behördenapparat zu verzichten. Wenn ich schon den jährlichen Bescheid der BfA mit ihren gelogenen Zahlen sehe wird mir übel und ich muß an den spruch des Dicken denken: Leistung muß sich wieder lohen! Wie alt ist der jetzt? Es ist aber immer schlimmer statt besser geworden. Und die Rentnerfraktion soll sich mal schön geschlossen halten. wir werktätigen werden von unserer Rente nicht mehr dreimal im Jahr auf die Kanaren fliegen können.

18.06.2009
09:37
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von Sozialerdemokrat | #31

zu 27: der Beitrag ist sehr naiv. Steuersenkungen wird es nicht geben, dafür aber Steuererhöhungen, selbst unter Merkel und Westerwelle. Wenn die Regierung die Rentenformel wieder in Kraft setzt, bedeutet das Rentenkürzung.

18.06.2009
08:54
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von Graf Lappe | #30

Und wer von den sogenannten Experten spricht denn mal von den ausufernden Pensionen.

Die Pensionslasten gehen in die Milliarden, tendenz weiter steigend.

Und das alles Beitragsfrei für den Bezieher.

Die kleinste Pension ist immer noch doppelt höher als die Durchschnittsrente.

Noch fragen, nein, gut dann lasst uns mal den Oskar wählen!!

18.06.2009
08:44
Rentenexperten prophezeien kräftige Beitragserhöhung
von stephan... | #29

das ist nicht die einzige minderheit, die dich regiert, supply.

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