„Rente mit 70 muss sich lohnen“

Hagen..  Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, plädiert für eine flexiblere Rente. Er sprach sich dafür aus, finanzielle Anreize für Beschäftigte zu schaffen, die erst mit 70 Jahren in Rente gehen wollen. „Wir sollten über Modelle nachdenken, die dazu beitragen, dass die Menschen länger im Arbeitsleben bleiben wollen und dafür natürlich angemessen honoriert werden“, sagte Grillo. „Auf motivierte Mitarbeiter sollten wir nicht verzichten müssen. Es gibt auch solche, die erst mit 70 Jahren in Rente gehen wollen.“

Zugleich kritisierte der BDI-Chef die von der Großen Koalition beschlossene Rente mit 63. „Sie sendet das falsche Signal und stellt manche Betriebe vor riesige Probleme. Oft gehen wertvolle Fachkräfte verloren, deren Erfahrung nicht leicht zu ersetzen ist.“

Grillo verwies auf den hohen Fachkräftebedarf und sprach sich dafür aus, mehr qualifizierte Zuwanderer ins Land zu holen. „Uns fehlen allein bis 2020 unter anderem durch das Altern der Bevölkerung sieben Millionen Arbeitskräfte“, sagte er. „Zuletzt haben wir in Deutschland knapp 440 000 Zuwanderer pro Jahr gezählt, die dauerhaft bleiben. Das ist erfreulich, wird aber bei weitem nicht ausreichen, um unseren Wohlstand zu sichern.“ Möglicherweise seien Modelle von Ländern, die Kriterienkataloge für eine gesteuerte Zuwanderung erarbeitet haben, auch auf Deutschland übertragbar.

Der BDI sieht auch den Mindestlohn kritisch. „Zu Beginn der Großen Koalition ist viel passiert, was der Wirtschaft nicht gefallen hat“, sagte Grillo. „Der Mindestlohn wird die deutsche Wirtschaft nicht vor die Wand fahren, aber er ist schon ein erheblicher Bremsklotz.“ Die Situation unterscheide sich allerdings je nach Branche und Region sehr. Grillo kritisierte, durch den gesetzlichen Mindestlohn werde das Erfolgsmodell der Sozialpartnerschaft in Frage gestellt. „Das Land ist bisher gut damit gefahren, Löhne und Gehälter durch Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitgebern auszuhandeln.“