Remmel fordert Fleisch-Mindestpreis

Berlin..  Nordrhein-Westfalen macht sich zur Speerspitze im deutschen Tierschutz. Landwirtschaftsminister Johannes Remmel (Die Grünen) hat die Bundesregierung zu einer Kehrtwende in ihrer Politik zum Schutz von Nutztieren aufgefordert. „Wir brauchen endlich eine nachhaltig ausgerichtete Nutztierhaltung, die sich am Wohl der Tiere orientiert. Das Schreddern von Eintagsküken zeigt, welche Fehlentwicklungen Einzug gehalten haben. Das System muss grundlegend geändert werden“, sagte der Minister unserer Zeitung und ergänzte: „Wir brauchen einen Mindestpreis für Fleisch. Niedrigpreise gehen zu Lasten von Tier, Umwelt und Landwirten.“

Konkret fordert Remmel die Einsetzung einer Ethikkommission für Tierhaltung auf Bundesebene. Diese solle festlegen, wie eine artgerechte Haltung und Zucht von Nutztieren auszusehen habe. Zudem plant das Ministerium zwei Bundesratsinitiativen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Puten und zum Verbot des Tötens männlicher Küken.

Das Verbraucher- und Landwirtschaftsministerium hat ein Handlungspapier zur „nachhaltigen Nutztierhaltung“ entwickelt, das unserer Zeitung vorliegt. Darin werden fünf Bereiche zur Kurskorrektur benannt – bei der Haltung, Zucht, dem Antibiotika-Einsatz, einer umweltgerechten Modernisierung und der Einkommenssicherung für Betriebe. Oberstes Prinzip sei es, die „Haltung den Bedürfnissen der Tiere anzupassen und nicht umgekehrt“, sagte Remmel. Dazu gebe es aktuell Fortschritte. So habe das Land eine Erklärung mit Einzelhändlern, Tierschutzorganisationen und Landwirtschaftsverbänden unterzeichnet, wonach die Geflügelwirtschaft bis Ende 2016 auf das Schnäbelkürzen bei Legehennen und Puten in NRW verzichten will. Das Kürzen wird europaweit in der konventionellen Haltung angewendet, um ein gegenseitiges Federpicken der Tiere zu verhindern.