Regierung will Schüler besser auf Arbeitswelt vorbereiten

Was wir bereits wissen
Arbeitsminister Guntram Schneider wirft Schulen vor, sich zu wenig um die Berufsvorbereitung der Schüler zu kümmern. Mehr Praktika sollen helfen.

Düsseldorf.. NRW will mehr Schüler ohne Warteschleifen in eine Ausbildung oder ein Studium bringen. Im kommenden Schuljahr werden bereits 340.000 Schüler der Klassen 8 bis 10 in Betriebspraktika und gezielter Beratung bei der Berufsorientierung unterstützt.

NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) kritisierte, dass immer noch bis zu 20 Prozent der Jugendlichen in NRW ohne Berufsabschluss bleiben: „Nur noch 13 Prozent aller Jobs können aber ohne Qualifikation besetzt werden.“ Schneider sprach von einer „großen Baustelle“. Oft blieben gerade Migranten und Behinderte ohne qualifizierten Berufsabschluss.

Ausbildung Als erstes Bundesland hat NRW vor drei Jahren das flächendeckende Konzept „Kein Abschluss ohne Anschluss“ eingeführt. Inzwischen stellen Unternehmen mehr als 130.000 Praktikumsplätze zum „Schnuppern in den Beruf“ bereit.

Mehr Flexibilität nötig

Eltern und Experten klagen allerdings nicht selten über die Qualität der Schnupperkurse, weil einzelne Firmen die Jugendlichen nicht ausreichend betreuten. In Klasse 8 kommen Jugendliche dreimal im Schuljahr einen Tag in wechselnde Betriebe. In Klasse 9 gibt es in der Regel für die Teilnehmer am Programm ein zwei- bis dreiwöchiges Praktikum. Bis 2018 soll das System für 516.000 Jugendliche in NRW von der 8. bis zur 10. Klasse eine Berufsorientierung bieten.

Schneider bedauerte, dass sich Jugendliche auf 20 bis 30 Berufe konzentrieren, obwohl das duale System mehr als 260 Berufe in Industrie und Handwerk anbietet. „Die Schule bereitet nicht ausreichend auf die Arbeitswelt vor“, klagte Minister Schneider.

Migranten im Nachteil

Derzeit stecken in NRW 70.000 junge Menschen in Maßnahmen der Berufskollegs, in so genannten Warteschleifen, die nicht direkt zu Berufsabschluss oder Studienberechtigung führten. Es gebe Realschulklassen, die fast geschlossen in eine Warteschleife des Berufskollegs wechselten, obwohl sie direkt eine Lehrstelle annehmen könnten, so Schneider.

Ausbildung Schneider hatte darauf verwiesen, dass sich Deutschland gerade den hohen Anteil junger Migranten ohne Schul- und Berufsabschluss nicht länger leisten könne. Laut Berufsbildungsbericht 2014 war jeder zweite 30- bis 35-Jährige Türkeistämmige bundesweit ohne Berufsabschluss – bei Frauen betrug die Quote 60 Prozent. Mit dem Programm „Kein Abschluss ohne Anschluss“ erhalten junge Migranten eine persönliche Analyse ihrer Möglichkeiten. „Junge Leute sollen erkennen, was ihnen liegt“, sagte Schneider.

Auch die Wirtschaft habe Interesse an dem Programm. „2020 werden fast 100.000 Jugendliche weniger die Schulen verlassen.“ Dann verschärfe sich der Fachkräftemangel – auch in NRW.