Regierung will Bahn mit Bussen Konkurrenz machen
22.10.2009 | 12:50 Uhr 2009-10-22T12:50:00+0200
Essen. Die schwarz-gelbe Koalition plant die Freigabe des Fernbus-Linienverkehrs. Damit würde das Monopol der Deutschen Bahn AG im landgebundenen Fernverkehr gekippt. Für Reisende wären planmäßig fahrende Fernbusse eine Alternative, weil sie vor allem deutlich billiger sein dürften als Bahn-Tickets.
Sonntagmorgen. Am Rande der fast menschenleeren City herrscht Hochbetrieb. Ausgerechnet auf einem Platz neben der Bahnstrecke Essen– Duisburg zeigt die Konkurrenz, was sie kann: Busse kommen an, fahren ab. Hunderte von Fahrgästen aus vielen Ruhrgebietsstädten starten hier zu Touren vor allem ins osteuropäische Ausland. Diese internationalen Fernbuslinien sind Renner. Die Nachfrage steigt. Essen - Polen, kein Problem. Doch Essen - Frankfurt oder Essen - Dresden?
Innerdeutsche Fernbuslinien fehlen
Innerdeutsche Fernbuslinien fehlen. Fast. Um 10.55 Uhr startet sonntags ein Bus von Essen nach Berlin. Über Bochum und Dortmund. Allerdings das ist ein Exot, die offenbar einzige Fernbuslinie im Revier. Sie stammt noch aus der Zeit des kalten Krieges, als die Inselstadt Berlin nur per DDR-Bahn und – als Alternative – von extra genehmigten bundesdeutschen Fernbuslinien aus Hamburg, Düsseldorf oder München angesteuert werden konnte.
Doch die Ausnahme-Strecken nach Berlin, die bis heute ihre Konzession behalten haben, soll nach dem Willen von FDP und CSU bald nicht mehr so allein sein. Wenn die Koalitionäre ihren Plan zur Zulassung privater Fernbusse verwirklichen, würde das den nationalen Reiseverkehr in völlig neue Bahnen lenken, nämlich auf die Straße und in den Bus.
Für viele Menschen würde das eine neue Art von Mobilität schaffen: Wer nicht so sehr auf die Uhr schauen muss, hätte mit den Fernbussen eine preiswerte Alternative zur Bahn. Beispiel Essen - Berlin: Auf der Schiene kostet das zwischen 69 und 95 Euro, im Bus sind es zwischen 33 und 41 Euro. Dafür braucht der Bus aber auch über acht Stunden. Die Bahn kommt mit knapp vier Stunden aus.
Eine soziale Komponente
Martin Kaßler, Sprecher des Busunternehmerverbandes BDO: „Fernbuslinien haben eine deutliche soziale Komponente. Der halbe Bahnpreis für die gleiche Entfernung kommt gerade in der heutigen Zeit vielen Leuten mit wenig Geld entgegen.”
Bei den Busfirmen, die nach einer entsprechenden Gesetzesänderung mit dem Start von Fernbuslinien liebäugeln, gibt es aber auch Pläne, um Geschäftsleute von der Schiene zu locken. BDO-Sprecher Kaßler: „Notebook-Anschluss an jedem Sitz, Service und Betreuung – das sind Merkmale von First-Class-Linienbussen.”
Paradestrecken sieht Kaßler bei Linien, die binnen fünf bis sechs Stunden zu bewältigen sind. Als glänzendes Vorbild gilt der Fernbus Berlin–Hamburg, der es – trotz einer guten Bahnverbindung zwischen beiden Städten – jährlich auf etwa 400 000 Fahrgäste bringt.
Michael Svedek von der Deutschen Touring, einem der größeren deutschen Busunternehmen, erwartet eine deutliche Zunahme an neuen Fernbuslinien in Deutschland, die sich wahrscheinlich zuerst auf Verbindungen zwischen den großen Städten und Ballungsräumen in Deutschland konzentrieren würden. „Wir erhoffen uns auch eine sinnvolle und längst überfällige Ergänzung unseres umfangreichen europäischen Fernbusliniennetzes in Deutschland.”

09:28
@ 32 nicht jeder möchte nach Berlin fahren.
Immer wenn ich versuchte vom Ruhrgebiet nach Süddt. ein Ticket für 29 Euro zu bekommen, waren diese für diese Strecke leider zu Zeiten, in denen man Kinder mitnehmen kann, leider schon ausgebucht. Übrig blieben entweder ganz frühe Abfahrten oder welche, die bis in die Nacht hinein gingen mit mehrfachem Umsteigen. Mit Kindern einfach nicht machbar.
Ich begrüße es, wenn dieses Monopol der Bahn endlich fällt.
Daher fahren wir mit dem Auto, statt mit der Bahn und brauchen keine 5 Std. von Bahnhof zu Bahnhof, sondern nur 4,5 Std. von Haustür zu Haustür. Den Weg zum und vom Bahnhof muss ich auch noch mit einberechnen, bzw. die Kosten um dort hin zu kommen und auch wieder weg. Letzendlich bin ich dann 6,5 Std. unterwegs und habe Zusatzkosten in Höhe von weiteren mind. 20 Euro. Damit kostet mich das 29 Euro Ticket eben 49 Euro.
11:40
Zitat: #50.. Wenn SNCF oder andere
Leistungen dann günstiger erbringen können..
Dazu: Der französische SNFC Konzern will mit alten ( in F ausrangierten?) Zügen billige Fahrten anbieten.
Da sollte Kunde/Markt auch eine besondere Rolle spielen.
10:03
Das hat meines Erachtens nichts mit Privatisierungswahn zu tun sondern sollte dazu
gut sein, die allmächtige Bahn in die Schranken zu
weisen. So wäre es genauso für die Verbraucher
hervorragend, wenn die Bahn nicht mehr generell
über die Netze verfügen könnte, sondern diese
in Staatshand bleiben. Wenn SNCF oder andere
Leistungen dann günstiger erbringen können,
wem schadet das ausser den überprivilegierten
Bahnbeschäftigten?
20:04
Und was ist mit der Umwelt.
Die Busse belasten mit den Dieselmotoren wohl wesentlich mehr als die elektromotorischen Antriebe der Schienenfahrzeuge.
17:22
Ich finde es gut, dass die Bahn endlich Konkurrenz bekommt.
Es kann nicht angehen, dass die Bahn ständig die Preise erhöht - mit welchen Begründungen - und dabei das Angebot sich ständig verschlechtert.
Beispiel:
Ich wollte von Gelsenkirchen nach Oschatz
mit dem Zug?
durchschnittliche Fahrzeit lt. Fahrplanauskunft: 12 Stunden
und weil man noch vor 2 Jahren in ca. 6 Stunden in Oschatz war und man von Gelsenkirchen direkt bis Leipzig fahren konnte, muss man heute über Hamburg oder Berlin fahren
oder mit mindestens 3-4 mal umsteigen oder mit x-mal umsteigen z.B. über Hanover
Eine Frage: Sachsen und das Ruhgebiet sind doch nun mal keine Präriegegenden - sondern meiner Meinung nach Industriezentren - für die keine Zugverbindung mehr existieren muß.
Übrigens, was ist mit den Fahrpreisen - reise ich über Hamburg, muß ich auch den Preis für diese überdimensionale Reiseroute - sprich km-Strecke - bezahlen.
zum Glück liegt Amerika hinter dem Ozean - sonst würde es der Bahn vielleicht noch einfallen, über Amerika nach Sachsen zu fahren, um bessereFahrpreise zu erzielen.
Die Busse - müssen sie auch Verspätungen in Kauf nehmen - sind sicher wesentlich schneller und denkbar auch kostengünstiger , da keine deutschlandweiten Umwege
01:00
Nicht zuletzt werden die Staus aber bestimmt nicht durch die Ferbusse mehr. Im Gegenteil, wenn mal endlich mehr Pendler auf die bequemlichkeit ihres KFZ verzichten würden und auf den öffentlichen Verkehr umsteigen würden, würden auch viel weniger Staus entstehen. Dafür wären Fernbusse ideal. Aber solange die Leute zu bequem sind umzusteigen, brauchen sie sich auch nicht über Staus auf der A40 etc. wundern.
00:27
Reisebusse in zunehmender Menge sind mit ihrem gegenüber LKW nur wenig höheren Tempo auf der Autobahn die Pest für schnellere Pendler. Kilometerlang fahren sie mit Tempo 108 auf der mittleren Spur, alles quetscht sich an ihnen vorbei, auch diese fidelen Frührentner mit Fahrradheckträger und Tempo 115.
Und wenn ein LKW weit vorn einen anderen überholt - wupp - sitzt ein Reisebus selbst sofort auf lange MInuten auch ganz links. Nach ganz links dürfen die, und das wissen die Fahrer ganz genau (..nur nicht so elend lange.., und das wieder wollen die nicht wissen.. ). Dass ein Reisebus mal freiwillig bremst.. nöh, sollen doch die anderen bremsen.. Nur ja keinen Vorteil verschenken. Asoziales Verhalten. Reisebusse müssen bei drei Spuren ein Verbot für die linke Spur bekommen. Überholvorgänge länger als 45 sec (sind verboten) müssten bei LKW und Bussen viel mehr kontrolliert und dann konsequent geahndet werden.
Die Hälfte aller Berufsfahrer verhält sich kriminell. Man weiß nur nicht, ob der vor einem dazugehört - bis er ausschert, ohne Rücksicht.
Andere können ja bremsen.. ..
18:31
Der Vorschlag ist nicht schlecht, wenn man die LKW, die nur Transit durch Deutschland reisen, auf die rollende Landstraße verbannt!
18:16
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14:31
Es ist einfach eine Frechheit... zunächst wird ein Staatsunternehmen auseinander genommen und teilprivatisiert, dann soll noch Konkurrenz geschaffen werden. Die Bahn sollte unterstützt werden, damit ein ordnungsgemäßer, sicherer und preisgünstiger Verkehr für die Bürger geschaffen wird. Allerdings müsste gleichzeitig auf den Börsengang verzichtet werden. Privatisierung kostet Arbeitsplätze, mindert auf Dauer das Staatsvermögen und dient nur einigen wenigen dazu, richtig Geld zu verdienen. .. schönen Tag noch