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Rechte grölen Parolen vor Asylbewerberheim

09.02.2015 | 00:10 Uhr

D Gespenstische Szenen am Freitagabend im Dortmunder Stadtteil Eving. Vor einem Asylbewerberheim tauchen mindestens 20 Rechtsextreme mit brennenden Fackeln auf. Sie skandieren ausländerfeindliche Parolen und zünden Feuerwerkskörper. Mehrere haben sich dabei mit Halstüchern oder Schals vermummt. Nachbarn rufen die Polizei.

„Die Rechte“ brüstet sich mit der Tat

Als die zum Tatort kommt, sind die Angreifer weg. Auf dem Gehweg liegen noch weggeworfene Fackeln. Verletzt wird niemand. Die Angst der Flüchtlinge hinter den Fenstern kann man sich nur vorstellen. Später nimmt die Polizei in der Nähe 13 Personen fest. Sie sollen der rechtsextremen Szene angehören.

Der Übergriff wundert in Dortmund kaum mehr jemanden. Die Stadt gilt in NRW schon lange als Hochburg von Rechtsextremen. Der Übergriff zeigt aber nach Einschätzung von Fachleuten eine neue Stufe der Aggression in der rechten Szene: „Wir stellen derzeit eine Radikalisierung fest, was die Einschüchterung von Flüchtlingen und Andersdenkenden angeht“, sagt Polizeisprecher Oliver Peiler.

Das sieht auch ein Insider so, der die Szene in Dortmund seit Jahren beobachtet und aus Sorge um seine Sicherheit namentlich nicht genannt werden möchte. „Das ist eine konsequente Fortsetzung der Strategie und noch nicht das Ende in Dortmund“, sagt der Mann.

Platz für 100 Flüchtlinge

Das Heim bietet Platz für rund 100 Flüchtlinge. Die Festgenommenen waren am Samstagmorgen bereits wieder auf freiem Fuß. Ermittelt wird gegen sie wegen Landfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Versammlungsverbot – das sind laut Polizei keine Haftgründe. Die gerufenen Parolen seien wohl strafrechtlich nicht relevant gewesen, so der Polizeisprecher. Rechte wissen heute ganz genau, was sie brüllen dürfen und was nicht. Wer genau hinter der Aktion steckt, konnte die Polizei noch nicht sagen. Im Internet brüstet sich die rechtsextreme Partei „Die Rechte“ damit.

Erst vor wenigen Tagen hatten Unbekannte falsche Todesanzeigen von Journalisten und Politikern aus Dortmund ins Internet gestellt. Wer dahinter steckt, lässt sich kaum oder gar nicht nachvollziehen. Die Tat wird der rechten Szene zugeordnet, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Am Samstag hatten etwa 30 Rechtsradikale im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel vor einem neuen Flüchtlingsheim demonstriert. Dazu ausgerufen hatte die rechtsextreme Partei „Die Rechte“. Nach Angaben der „Westdeutschen Zeitung“ waren unter den Rechtsradikalen auch Teilnehmer aus Dortmund. Zur Gegendemonstration des „Wuppertaler Bündnisses gegen Nazis“ kamen rund 250 Menschen.

Die Polizei trennte die Lager voneinander. Sie standen sich in rund 200 Meter Entfernung gegenüber. Die Veranstaltungen blieben friedlich.

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2015-02-09 00:10
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