Rechnung nicht bezahlt - immer mehr Menschen ohne Strom

Immer öfter wird säumigen Zahlern der Strom gesperrt.
Immer öfter wird säumigen Zahlern der Strom gesperrt.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Bundesnetzagentur meldet hohen Anstieg der Sperren, weil Kunden ihre Rechnung nicht bezahlen. Die Linken fordern gesetzliches Verbot von Stromsperren.

Essen.. Immer mehr Menschen in Deutschland werden Gas und Strom gesperrt, weil sie die Rechnungen nicht bezahlen. Das geht aus dem „Monitoringbericht 2014“ der Bundesnetzagentur hervor. Verbraucherschützer erwarten eine Fortsetzung dieses Trends, die Linkspartei fordert ein gesetzliches Verbot von Stromsperren.

Laut des Berichts haben 2013 die Energieversorger 45 890 Haushalten das Gas und 344 798 den Strom abgedreht. In einem Haushalt leben im Schnitt 2,5 Personen, hochgerechnet waren also eine Million Menschen betroffen. Im Vergleich zu 2011 sind die Zahlen stark gestiegen: beim Strom um 10,5 Prozent, beim Gas um 36,6 Prozent.

Kosten steigen - Zahl der Sperren ebenfalls

Energiearmut „Ich rechne damit, dass die Zahl der Sperren auch in diesem Jahr weiter steigen wird“, sagte der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters. Zu der Einschätzung passt, dass die Kosten für Strom und Gas auch 2014 weiter leicht angestiegen sind. Laut Bundesnetzagentur hat sich der durchschnitt­liche Strom- und Gaspreis für Privatkunden zwischen April 2013 und April 2014 um 1,3 Prozent erhöht. Im Durchschnitt zahlt eine vierköpfige Familie etwa 112 Euro für Strom im Monat. Eine Sperrung muss vier Wochen zuvor angekündigt werden. Der Verbraucher muss zudem mit mindestens 100 Euro im Rückstand sein.

Peters bezeichnet die steigende Zahl von Gas- und Stromsperren als „Unding“ und „unakzeptabel für einen Sozialstaat in Europa“. Insbesondere im Winter seien Energiesperren eine „unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der Betrof­fenen“. Deswegen müssten die Sperren wenigstens im Winter – wie beispielsweise in Frankreich – ausgesetzt werden, fordert Peters.

Die Linke will Stromsperren verbieten lassen

Die Linkspartei hat vor wenigen Tagen im Bundestag einen Antrag vorgelegt, in dem sie ein Verbot von Stromsperren fordert. Die Vize-Fraktionsvorsitzende Caren Lay bezeichnete es gegenüber dieser Zeitung als „Alarmsignal“, dass Strom für Millionen kaum noch erschwinglich sei und warf der Bundesregierung „schweres soziales Versagen“ vor. Die Strompreise seien seit 2008 für private Haushalte um 38 Prozent gestiegen, für die Industrie aber nur um 13 bis 15 Prozent.