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Uni-Rektoren befürchten Spaltung der Hochschullandschaft

21.05.2013 | 15:48 Uhr
Spalten sich die Hochschulen auf in Elite-Einrichtungen und den großen Rest? In Talaren und mit Barett empfangen Studierende der Uni Bonn ihre Urkunden.Foto: Jakob Studnar

Essen.   Elitäre Forschungsunis auf der einen, Massenunis für die Ausbildung auf der anderen Seite: Dieses Szenario befürchten einige Rektoren. Damit der elitäre Zirkel bei der Hochschulrektorenkonferenz nicht noch mehr Einfluss bekommt, ist offenbar eine Kandidatin "abgestraft" worden.

Der Streit zwischen den Hochschulen wird schärfer. Seit sich 15 Universitäten in dem elitären Zirkel „German U 15“ verbündeten, geht ein Riss durch die deutsche Hochschullandschaft. Deutlich wurde dies bei der letzten Sitzung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), der Vertretung von fast 270 Hochschulen, in Nürnberg. „Hinter den Kulissen hat es ordentlich gerummst“, sagte ein Teilnehmer anschließend.

Was war passiert? Dass den Hochschulen Geld fehlt, dass sie seit Jahren unterfinanziert sind, darin waren sich noch alle einig. Der Bund soll sich endlich mehr engagieren und Tausende neuer Professorenstellen einrichten, lautete die einhellige Forderung.

3000 Bundesprofessoren

3000 neue Stellen seien nötig, sogenannte „Bundesprofessoren“, um den Personalmangel zu beheben und den Studentenansturm zu bewältigen. Da aber Professorenstellen bislang Ländersache sind, verlangen die Rektoren eine Änderung des Grundgesetzes, damit Berlin wieder in Bildungsangelegenheiten der Länder hineinwirken kann – aber nur mit Geld.

Kommentar
Verständliche Wut - von Christopher Onkelbach

Eine Gruppe großer Universitäten heftet sich selbst das Elite-Prädikat an und versucht, sich auf Kosten anderer zu profilieren. Dabei wird nicht...

„Die Änderung des Grundgesetzes ist sehr dringend“, betonte der streitbare HRK-Präsident Horst Hippler. Die klammen Länder seien nicht mehr in der Lage, vor allem die großen und forschungsstarken Universitäten ausreichend zu finanzieren, begründet er den Vorstoß.

Wenn ab 2020 die Schuldenbremse greift, befürchten die Professoren Schlimmes. Was vielen Ländern drohe, sehe man bereits in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern – dort sollen die Hochschulen pro Jahr mit 50 Millionen Euro weniger auskommen.

Streit um die Verteilung

Sprachen die Rektoren bei der Forderung nach mehr Geld noch mit einer Stimme, brachte die Frage der Verteilung die Gemüter in Wallung. Dass sich die HRK in einen Club der selbsternannten Eliten und den großen Rest akademischen Fußvolkes zweiteilt, zeigte sich bei der Kandidatur der Leipziger Uni-Rektorin Beate Schücking als Vizepräsidentin der HRK. Die Dame fiel durch, sie wurde „abgestraft“, sagte ein Beobachter.

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Warum? Die Mehrheit ließ sie durchfallen, weil mit ihr eine weitere Repräsentantin der großen „U 15“ ins Präsidium eingezogen wäre. Die Ohrfeige galt aber nicht nur Beate Schücking, sie war auch für Hippler bestimmt, der sie selbst als Vize vorgeschlagen hatte. Nun standen beide belämmert da.

Machtkampf um Geld und Ruhm

Damit eskalierte ein Streit, der schon länger im Hintergrund schwelte. Es ist ein Machtkampf um Gelder und Ressourcen, um Ruhm und Ansehen, um Forscher und Studenten – letztlich um die Frage, wer in Zukunft zu den bedeutenden Forschungs-Universitäten zählen darf und wer hauptsächlich die Studentenmassen ausbilden soll.

HRK-Präsident Hippler setzt in diesem Kampf offenbar wenig auf Ausgleich und Diplomatie. „Er ist kein Integrator“, sagte ein Teilnehmer, „er setzt auf ein konservatives Eliteverständnis.“ Kein Wunder, kommt Hippler doch vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das im Exzellenzwettbewerb den Elitestatus gewann.

„Akademische Scheinriesen“

Öffentlich gemacht hat den Disput der Rektor der Uni Duisburg-Essen, Ulrich Radtke. In einem offenen Brief wandte er sich gegen die Bildung geschlossener Clubs auf Kosten anderer Hochschulen. Eine Gruppe „akademischer Scheinriesen“ versuche, „die Spitze im Kampf um die Futtertröge“ einzunehmen, so Radtke. Solche „Kartelle“ seien leistungsfeindlich und behinderten den freien Wettbewerb. Vor dem Hintergrund knapper Finanzen sei dies fatal.

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Radtkes Brief schaffte es zwar nicht auf die Tagesordnung der Konferenz, war aber am Rande das beherrschende Thema. Der Brief habe das „sonst eher dröge Stelldichein regelrecht gerockt“, hieß es. Doch die Fronten scheinen verhärtet: Hippler will seine Kandidatin bei der nächsten Sitzung erneut präsentieren. Eine Rebellion der unzufriedenen Rektoren sei dann nicht mehr auszuschließen.

Christopher Onkelbach

Kommentare
29.05.2013
09:23
Uni-Rektoren befürchten Spaltung der Hochschullandschaft
von feierabend | #2

sorry meinen etwas wirren beitrag es sind einige Zeilen durcheinander geraten - dennoch: soll der Heilige Geist erzogen werden weil Studenten sonst...
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2013-05-21 15:48
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