Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Neonazis

Razzia - Neonazigruppe in Niedersachsen verboten

25.09.2012 | 15:46 Uhr
Durchsuchungen bei neonazistischer Gruppe "Besseres Hannover" (dapd)

Hannover.  Innenminister Schünemann hat die rechtsextremistische Gruppe "Besseres Hannover" verboten. Sie steht unter anderem im Verdacht, Sozialministerin Aygül Özkan bedroht zu haben. Zudem überprüft die Polizei mögliche Verbundungen zur NPD. Bei landesweiten Durchsuchungen wurden Beweismittel gesichert.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat die neonazistische Gruppe "Besseres Hannover" verboten. "Der Spuk hat ein Ende", sagte er am Dienstag, nachdem seit dem frühen Morgen an insgesamt 27 Orten Wohnungen und Fahrzeuge von Vereinsmitgliedern durchsucht worden waren. Den vier Mitgliedern der Führungsebene seien die Verbotsverfügungen zugestellt worden, das Vereinsvermögen werde eingezogen.

Über Monate habe man akribisch Beweise gesammelt, um der etwa 40 Mitglieder zählenden Gruppierung eine Vereinsstruktur nachweisen zu können, sagte der Minister weiter. Dies sei nun eindeutig gelungen. Auch werde seit Mai dieses Jahres gegen 22 Personen wegen der Gründung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung ermittelt, gegen 29 Mitglieder liefen weitere Verfahren unter anderem wegen Volksverhetzung, Beleidigung, Körperverletzung und Bedrohung.

Mehr als 100 Polizisten und SEK im Einsatz

Bei den Durchsuchungen waren nach Angaben von Polizeipräsident Axel Brockmann aus Hannover mehr als 100 Beamte im Einsatz, darunter auch ein Spezialeinsatzkommando, da ein Beschuldigter über eine legale Schusswaffe verfügte. Es wurden diverse Computer, Handys und Datenträger sicher gestellt, aber auch umfangreiches Propagandamaterial, Hieb- und Stich- sowie Schreckschusswaffen und eine Hakenkreuzflagge.

Anti-NPD-Demo in Kray

Ein Großteil der Durchsuchungen fand im Raum Hannover statt, weitere Objekte befanden sich in Wathlingen, Hildesheim, Niedernwöhren, Obernkirchen, Hohenhameln und Verden. Festnahmen gab es keine.

Brockmann sprach von einem "tollen Erfolg in beeindruckend schneller Zeit". Die Gruppe sei in den vergangenen Monaten immer aktiver geworden, wobei auch die Zahl der Straftaten ihrer Mitglieder zugenommen habe. Dies habe die Ermittlungen erleichtert.

Drohungen gegen Ministerin

Einen ersten konkreten Ansatzpunkt lieferte die seit 2008 bestehende Gruppe den Behörden im Dezember letzten Jahres. Damals erhielt die Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) eine Drohmail mit einem volksverhetzenden Video als Anhang. Den in diesem Film auftretenden "Abschiebebär" benutzte "Besseres Hannover" daraufhin mehrfach als Vereinskennzeichen. Auch verteilte die Gruppe an Schulen die Zeitung "bock - Das Sprachrohr der Gegenkultur". Erst in den letzten Tagen erschien die neue Ausgabe der Zeitung.

Razzia bei Nazis in Dortmund

Bei den Durchsuchungen fanden die Ermittler auch mehrere Plakate der rechtsextremen NPD. Es müsse noch ausgewertet werden, inwiefern das Material aktuell sei, sagte Schünemann. Er könne nicht ausschließen, dass es später neue Erkenntnisse über Verbindungen zwischen der Gruppierung "Besseres Hannover" und der NPD gebe. Die Innenminister wollen im Dezember entscheiden, ob sie ein erneutes NPD-Verbotsverfahren anstrengen. Verbindungen der Partei zu gewaltbereiten Kameradschaften, wie sie auch in Nordrhein-Westfalen entdeckt wurden, könnten hierbei die Erfolgschancen erhöhen.

Ob das Verbot von "Besseres Hannover" tatsächlich die Aktivitäten der Mitglieder beeinträchtigt, bleibt abzuwarten. Direkt nach den Durchsuchungen sei auf der nun ebenfalls verbotenen Homepage ein Eintrag unter dem Motto "Wir bleiben unbequem" online gestellt worden, sagte Brockmann. "Wir schätzen, dass zumindest ein Teil der Mitglieder weiter der Gesinnung nachgeht und aktiv wird". Schünemann betonte, dass das Verbot auch für eventuelle Nachfolgeorganisationen gelte. (dapd)

Kommentare
26.09.2012
13:46
Razzia - Neonazigruppe in Niedersachsen verboten
von Emil1972 | #4

Auch wenn ich weder den Rechten noch den Linken großartig was abgewinnen kann, so zeigt das doch irgendwo das die Etablierten vor einer kleinen...
Weiterlesen

Funktionen
Aus dem Ressort
Lange Verfahren verhindern Integration von Flüchtlingen
Studie
Asylbewerber dürften schon nach drei Monaten in Deutschland arbeiten. Können sie aber nicht – selten wird ihr Verfahren so schnell abgeschlossen.
Verdacht der Korruption beim Pannengewehr G36
Bundeswehr
Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses mahnt die Aufklärung in der G36-Affäre an. Eine Lösung sei nur mit dem Waffenhersteller möglich.
Hoffnung auf Wiedervereinigung im geteilten Zypern wächst
Zypern
Die griechische und türkische Seite des Inselstaates Zypern nehmen ernsthafte Verhandlungen auf. Offen ist die Haltung der Türkei.
Ministerin Schäfer: Städte sollen Elternbeiträge erstatten
Erziehung
NRW-Familienministerin Ute Schäfer hat sich im Kita-Streiks eingeschaltet und fordert, schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Der künftige „Präsident aller Polen“ gibt Rätsel auf
Andrzej Duda
Andrzej Duda gewann in Polen überraschend die Stichwahl gegen Amtsinhaber Komorowski. Bis vor kurzem war er völlig unbekannt.
article
7133127
Razzia - Neonazigruppe in Niedersachsen verboten
Razzia - Neonazigruppe in Niedersachsen verboten
$description$
http://www.derwesten.de/politik/razzia-neonazigruppe-in-niedersachsen-verboten-id7133127.html
2012-09-25 15:46
Neonazis,Hannover,Schünemann,NPD, NSU
Politik