Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Opfer abgewiesen

Rat und Hilfe - ärztliche Pflicht und christliches Gebot

17.01.2013 | 19:52 Uhr

Ein Missverständnis, sagt die Betreibergesellschaft der katholischen Krankenhäuser in Köln, die ein Vergewaltigungsopfer in seiner Not allein gelassen haben. Ein Missverständnis angesichts einer jungen Frau, die das Schlimmste in ihrem Leben durchgemacht hat? Will man nicht den handelnden Ärzten persönlich Herzlosigkeit und ein mangelhaftes Verständnis ihres hippokratischen Eides unterstellen, muss man fragen, welchem Druck diese Mediziner ausgesetzt sind, die Leitlinien ihres Trägers zu erfüllen. Oder gar überzuerfüllen, wie die Träger nun bemüht sind darzustellen.

Katholische Kliniken dürfen nicht abtreiben. Das kann man hinnehmen, auch wenn bei Vergewaltigungen der Einzelfall diskutiert werden müsste. Eine solche Abwägung ist im Rahmen der kirchlichen Gesetzgebung durchaus - wenn auch sehr selten - möglich. Die Weigerung aber, ein Vergewaltigungsopfer zu behandeln, ist nicht hinnehmbar. Rat und Hilfe müssen angeboten werden, das ist ärztliche Pflicht und christliches Gebot.

Der Kölner Fall, so tragisch er ist, hat ein Gutes: Das Thema ist ins Licht der Öffentlichkeit geraten, muss diskutiert werden. Hier sind die Ethik-Kommissionen der Träger und Verbände gefordert, eindeutige Richtlinien für die handelnden Krankenhausmitarbeiterinnen zu entwickeln. Richtlinien, die in erster Linie den Menschen in den Mittelpunkt stellen.

Die katholische Kirche hingegen sollte den Fall nutzen, über den Einsatz der Pille danach noch einmal nachzudenken. Sie mutet vergewaltigten Frauen zu, in einem Gewaltakt gezeugte Kinder auszutragen. Was das mit Barmherzigkeit zu tun hat, erschließt sich nicht.

Susanne Schlenga zu

Facebook
 
Kommentare
17.01.2013
22:09
Rat und Hilfe - ärztliche Pflicht und christliches Gebot
von meisizebra | #1

Wie fragte einst der alte Martin Niemöller: "Was würde Jesus dazu sagen?"

1 Antwort
Rat und Hilfe - ärztliche Pflicht und christliches Gebot
von curus | #1-1

Jesus würde sicher erst die Hl. Susanne fragen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7493815/create

Umfrage
Michail Gorbatschow ist in einer Umfrage in Russland zum unbeliebtesten Kremlherrscher der Geschichte gewählt worden. Beliebter waren Wladimir Iljitsch Lenin, Josef Stalin und Leonid Breschnew. Wen mögen Sie am liebsten?

Michail Gorbatschow ist in einer Umfrage in Russland zum unbeliebtesten Kremlherrscher der Geschichte gewählt worden. Beliebter waren Wladimir Iljitsch Lenin, Josef Stalin und Leonid Breschnew. Wen mögen Sie am liebsten?

 
Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Politik
Altkanzler wird geehrt
Bildgalerie
Helmut Kohl
Prinz Harry in den USA
Bildgalerie
Prinz-Besuch
Trauer um Margaret Thatcher
Bildgalerie
Begräbnis
Aus dem Ressort
EU-Gipfel kippt Bankgeheimnis - auch Konzerne im Visier
Steuerflucht
Jahr für Jahr gehen der EU durch Steuertricks eine Billion Euro verloren. Nun sollen Steuerbetrüger in Europa keine Chancen mehr haben. Der EU-Gipfel einigt sich auf einen Zeitplan. Auch internationale Konzerne wie Apple sollen unter Druck geraten.
Angela Merkel bleibt für "Forbes" mächtigste Frau der Welt
Forbes-Liste
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist vom Wirtschaftsmagazin "Forbes" zur mächtigsten Frau der Welt gewählt worden. Damit führt Merkel die Liste bereits zum dritten Mal in Folge an. Damit liegt sie deutlich vor US-Präsidentengattin Michelle Obama und der früheren US-Außenministerin Hillary Clinton.