Putsch der Rebellen im Jemen

Rom..  Die schiitischen Houthi-Rebellen haben in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa gegen die bisherige sunnitische Führung unter Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi geputscht. Gestern Nachmittag besetzten ihre Kämpfer nach Augenzeugenberichten das Gelände mit dem Präsidentenpalast und nahmen auch die Privatresidenz Hadis unter Feuer, wo sich das Staatsoberhaupt offenbar derzeit aufhält. Der UN-Sicherheitsrat in New York trat am späteren Abend zu einer Krisensitzung zusammen.

Bereits tags zuvor hatten sich die Houthis aus dem Nordjemen schwere Gefechte mit der Präsidentengarde geliefert und ein Militärgelände auf einer Anhöhe besetzt, von dem aus sich das Palastareal einsehen lässt. Schwere Detonationen waren zu hören, Rauchsäulen standen über der Stadt, Bewohner nahe gelegener Viertel verließen in Panik ihre Häuser und suchten in anderen Teilen Sanaas Schutz.

Seit Samstag befindet sich Hadis Bürochef, Ahmed Awad bin Mubarak, in den Händen der Aufständischen. Er ist für die Organisation der Verfassungsreform zuständig. Auch der Konvoi von Premierminister Khalid Bahah wurde in Sanaa von Unbekannten beschossen. Der Regierungschef konnte jedoch entkommen und blieb unverletzt. Zudem brachten die Aufständischen den staatlichen Fernsehsender und die jemenitische Nachrichtenagentur Saba unter ihre Kontrolle. Nach ersten Angaben starben bei den jüngsten Unruhen mindestens neun Menschen.

Etats in Eigenregie

Die schiitischen Kämpfer aus dem Nordjemen hatten die Hauptstadt Sanaa im vergangenen September angegriffen, erobert und besetzt. Die Besatzer wollen erreichen, dass ihre Belange in einer neu gebildeten Regierung besser berücksichtigt werden, einer aus ihren Reihen Berater des Präsidenten wird sowie mehr öffentliche Investitionen in ihre Siedlungsgebiete fließen. Dazu besetzten sie auch mehrere Ministerien und begannen die Etats in Eigenregie zu verwalten.