Putins Separatisten rücken weiter vor

Debalzewo..  Nach monatelangen Gefechten haben die Separatisten die ost-ukrainische Stadt Debalze­wo weitgehend eingenommen. Damit schwindet wenige Tage nach dem Minsker Gipfel so gut wie jede Hoffnung auf baldigen Frieden in der Kriegsregion. „Nur ein paar Wohnviertel sind noch übrig, dann haben wir den Ort völlig unter Kontrolle“, sagte Separatistensprecher Bassurin. Er sprach von „zahlreichen Gefangenen und vielen Toten“. Beide Seiten warfen sich vor, die vereinbarte Waffenruhe nie eingehalten zu haben. Die ukrainische Regierung bestätigte die weitgehende Einnahme der Stadt.

Kremlchef Putin bekräftigte trotz der heftigen Kämpfe seinen Friedenswillen. Zugleich machte er bei einem Ungarn-Besuch in Budapest die Einhaltung der in Minsk vereinbarten Waffenruhe faktisch von einer Kapitulation der ukrainischen Verbände in Debalzewo abhängig. Der Ort ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Separatistengebiet. Dort sollen seit Tagen Tausende Regierungssoldaten eingekesselt sein.

Die Gefechte gelten als massiver Verstoß gegen das Friedensabkommen, das vergangene Woche beim Gipfel mit Kanzlerin Merkel und Putin in Minsk geschlossen worden war. Demnach sollten die Konfliktparteien ihre schweren Waffen aus dem Donbass abziehen.

„Es gibt vonseiten der Aufständischen keine wirkliche Waffenruhe, deshalb sind die Voraussetzungen (für einen Abzug) nicht gegeben“, sagte Militärsprecher Lyssenko in Kiew. Die Armee sei zur Bildung einer Pufferzone bereit. „Unsere Stellungen werden aber unter Feuer genommen“, beklagte er.

Separatistenführer Sachartschenko sagte, der Vormarsch geschehe im Einklang mit dem Minsker Abkommen. Demzufolge „sollen illegale Kämpfer den Donbass verlassen. Nun, die Regierungseinheiten sind unerlaubt auf unserem Territorium, und wir entwaffnen nun diese Gruppen.“

Der UN-Sicherheitsrat forderte die Konfliktparteien in der Ostukraine bei einer kurzfristig angesetzten Sondersitzung einstimmig zur sofortigen Einhaltung der Waffenruhe auf.