Putin spielt ein doppeltes Spiel

Russland – so scheint es – hat die internationale Diplomatie in der Syrienkrise ausgetrickst. Die Kremlleute nahmen an den Friedensgesprächen zur Beendigung des Bürgerkrieges teil, aber nur für die Galerie. Seine wahre Agenda zeigte Präsident Wladimir Putin auf dem Schlachtfeld. Insbesondere die Bombardierung von Stellungen der Gegner von Syriens Machthaber Baschar al-Assad in Aleppo zeugen von einem brutalen Vernichtungskrieg. Moskau setzt sich über die UN-Vereinbarungen hinweg, Zugang für humanitäre Hilfe zu gewährleisten und Zivilisten zu schonen.

Die Marschroute ist klar: Im Vordergrund steht nicht die nach außen bekundete Bekämpfung der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), sondern die Stabilisierung des Autokraten von Damaskus. Es ist eine kühl kalkulierte Konfrontationsstrategie. Putin bietet der US-geführten Anti-IS-Koalition die Stirn und boxt seinen Frontmann Assad in Syrien durch. Durch die immer stärkere militärische Präsenz im östlichen Mittelmeer wahrt er zudem die Interessen der Möchtegernweltmacht Russland.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Seit Beginn der russischen Luftoffensive ist Putin die treibende Kraft im Syrienkonflikt. Die diplomatische Strategie der Amerikaner und Europäer entpuppt sich als reines Wunschdenken.