Provokateur Buschkowsky tritt als Bürgermeister zurück

Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Berlin-Neukölln und der bundesweit wohl bekannteste Lokalpolitiker, tritt zurück.
Heinz Buschkowsky, Bürgermeister von Berlin-Neukölln und der bundesweit wohl bekannteste Lokalpolitiker, tritt zurück.
Foto: Matthias Balk/Archiv
Was wir bereits wissen
Der SPD-Politiker gilt als einer, der immer Tacheles spricht - auch zu Themen wie Integration und Sozialmissbrauch. In seiner Partei eckte er an.

Essen/Berlin.. Der langjährige Bürgermeister des Berliner Problembezirks Neukölln, Heinz Buschkowsky (66), tritt ab. Der streitbare Sozialdemokrat habe den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) gebeten, ihn zum 1. April aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand zu versetzen, bestätigte sein Büro am Dienstag. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Buschkowsky galt in der SPD als Provokateuer - denn er ist ein Mann klarer Worte. Als Bezirksbürgermeister von Neukölln, einem sozialen Brennpunkt mit dem höchsten Zuwanderer-Anteil in der Hauptstadt, äußerte sich der Sozialdemokrat regelmäßig zu den Themen Integration und Prekariat. Er sagte dann Sätze wie „Multikulti ist gescheitert”, mokierte sich über „Gutmenschen”, sprach unverhohlen von einer „Parallelgesellschaft”, in der viele Migranten lebten. Staatliche Hilfe, so sein Leitspruch, muss mit Eigeninitiative einhergehen. Einer von Buschkowskys Lieblingssätzen lautet: „Kommt das Kind nicht in die Schule, kommt das Kindergeld nicht aufs Konto.”

„Realitäten anerkennen“

Solche Äußerungen gefallen nicht jedem, auch in der SPD stoßen die Äußerungen, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten und den 66-Jährigen zum „bekanntesten Bezirksbürgermeister Deutschlands” machten, nicht immer auf Gegenliebe. SPD-Chef Sigmar Gabriel aber lobte den Umstrittenen: „Realitäten anerkennen, aber sich nicht mit ihnen abfinden, sondern die Dinge zum Guten verändern, das ist sein Credo”.

SPD-Querdenker geehrt Buschkowsky stand mehr als 15 Jahre an der Spitze von Berlin-Neukölln - 1991/1992 und dann von 2001 an. Regierungschef Müller würdigte Buschkowsky als "einer der profilierten Köpfe der Berliner SPD und der Bezirkspolitik unserer Stadt". Vor allem die Neuköllner hätten ihn für seine Markigkeit geliebt. "Mit seinem Rückzug aus der Tagespolitik geht ein Stück Berlin verloren", erklärte Müller.

Keine 80-Stunden-Wochen mehr

Eigentlich hat der 66-Jährige schon seit eineinhalb Jahren das Pensionsalter erreicht. Doch Buschkowsky ließ sich nach seinem 65. Geburtstag im Sommer 2013 von der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln seine Amtszeit bis zur nächsten Wahl 2016 verlängern.

Nun habe ihm sein Arzt nach einem Gesundheitscheck zum Kürzertreten geraten, sagte Buschkowsky der Zeitung. "Mein Ergebnis in diesem Jahr war, dass ich von der 80-Stunden-Woche runterschalten muss. Aber das geht in meinem Job nicht. Da geht nur ganz oder gar nicht." (mit dpa)