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Wie die Polizei mithilfe von Computern Einbrüche vorhersagen will

19.10.2014 | 17:43 Uhr
Wie die Polizei mithilfe von Computern Einbrüche vorhersagen will
Beim "predictive policing" geht es unter anderem um Wohnungseinbrüche.Foto: dpa

Essen.  Die Polizei hilft nicht nur bei geschehener Tat – sie will Straftaten auch verhindern, bevor sie passieren. Dabei hilft eine Software aus Oberhausen. Bayern startet damit jetzt einen Großversuch, aber Tests gibt's auch in Duisburg.

Die bundesweit ansteigenden Zahlen der Wohnungseinbrüche zwingen die Länder zum Handeln. Pläne der Polizeibehörden werden konkret, die Schauplätze der Raubzüge mit neuen Datentechnologien, dem sogenannten „predictive policing“, vorauszusagen und beabsichtigte Straftaten im Ansatz zu vereiteln. Eine Software aus dem Ruhrgebiet erhält dabei entscheidende Bedeutung.

Bayern startet in diesen Tagen einen Großversuch in München und Nürnberg. Der Freistaat nutzt ein beim Oberhausener Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPT) entwickelte System „Precobs“. Auch NRW, das mit 313 Fällen je 100 000 Einwohner besonders unter dem Anstieg der Einbruchsdiebstähle leidet, plant Tests in den Städten Köln und Duisburg. Allerdings will das Landeskriminalamt (LKA) die Beschaffung geeigneter Technologien erst europaweit ausschreiben und dafür eine sechsstellige Summe einsetzen, wie LKA-Chef Uwe Jacob sagt. Man stehe bei dem Projekt noch am Anfang, räumt er ein. Die Opposition deutet als Zögern. „Verweigert sich der Innenminister einer fortschrittlichen Polizeiarbeit?“, fragt CDU-Innenexperte Gregor Golland.

Der Computer hilft bei der Verbrechensbekämpfung

Was ist „predictive policing“? Im Kern geht es darum, mit Hilfe des Computers Informationen über das Verhalten der Täter bei vergangenen „Brüchen“ zu analysieren, dabei ihre Logik zu erkennen und zu folgern, wann wo und wie sie demnächst zuschlagen werden. In Nordrhein-Westfalen sollen dafür „polizeiliche allgemeine Lageinformationen“ mit externen Angaben für die Analyse gekoppelt werden, sagt Jacob. Darunter versteht er zum Beispiel „Wetterdaten, sozioökonomische Daten, Verkehrsdaten oder Informationen zur Bebauungs- und Besiedlungsstruktur“. Der LKA-Chef versichert: „Es werden keine personenbezogenen Daten genutzt“. Vom Tisch könnten damit ursprüngliche Pläne sein, auch soziale Netzwerke oder Kfz-Register anzuzapfen.

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Dennoch unterscheiden sich die Absichten der Länder. Während NRW daran gelegen ist, „eine Methode zur Bewertung der künftigen Entwicklung von Kriminalitätsschwerpunkten“ (Jacob) zu erhalten und „nicht den Blick in die Glaskugel zur Vorhersage konkreter Straftaten“ zu werfen, ist das System in München und Nürnberg, dem weitere Bundesländer folgen wollen, auf kurzfristigeren Erfolg angelegt. Dort geht es darum, die Eigenart von Tätern zu nutzen, kurz nach einem Einbruch weitere Wohnungen in der Umgebung zu knacken, und sie direkt am nächsten geplanten Tatort in Empfang zu nehmen.

Vorbild ist Zürich. Die Schweizer Stadt nutzt seit einiger Zeit, wie auch Basel und englische Kommunen, das „Precobs“-System aus Oberhausen. Sie tut dies mit großem Erfolg. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lobt das System: „86 Prozent der Prognosen waren zutreffend. Gleichzeitig gingen die Einbruchsfälle in Zürich in einem halben Jahr um knapp 40 Prozent zurück.“

Zürichs Polizeichef Lengweiler sagt: „Man muss sich das vorstellen wie bei der Wetterprognose. Die Diebesbanden gehen nicht zufällig vor. Sie haben ein gewisses System. Da können wir versuchen, ihre Wanderzüge zu unterbrechen.“ Die Einsatzkräfte bekommen dann aktualisierte Karten mit gefährdeten Zonen – und versperren den Dieben den Weg.

Dietmar Seher

Kommentare
20.10.2014
15:34
Wie die Polizei mithilfe von Computern Einbrüche vorhersagen will
von Zatoichi | #5

Super. Ich habe schon so lange auf die aktive Umsetzung von "Minority Report" gewartet!!!

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Wie die Polizei mithilfe von Computern Einbrüche vorhersagen will
Wie die Polizei mithilfe von Computern Einbrüche vorhersagen will
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2014-10-19 17:43
Politik