Priesterzahlen sinken weiter - mehr Verantwortung für Laien

Priesteranwärter falten während ihrer Weihe zum Priester die Hände. Aber der katholischen Kirche gelingt es nicht, den  Priestermangel aufzuhalten.
Priesteranwärter falten während ihrer Weihe zum Priester die Hände. Aber der katholischen Kirche gelingt es nicht, den Priestermangel aufzuhalten.
Foto: dpa
Immer weniger junge Männer entscheiden sich für den Priesterberuf. Seminare müssen schließen, Pfarrgemeinden fusionieren. Liegt es nur am Zölibat?

Essen.. Das Priesterseminar in Bochum ist in diesen Tagen meist voll ausgebucht. Allerdings sind es keine angehenden Geistlichen, die die knapp 60 Räume belegen, sondern Flüchtlinge aus Syrien, Eritrea oder Serbien, die fürs Erste eine neue Bleibe gefunden haben. Die letzten Seminaristen, die hier auf den Priester-Beruf vorbereitet wurden, waren schon 2012 ausgezogen. Am Ende waren es noch fünf. Sie mussten nach Münster umziehen, wohin das Bistum Essen seine Priesterausbildung verlagerte.

Die Schließung des Seminars steht symptomatisch für die Situation im Ruhrbistum und in der katholischen Kirche in Deutschland insgesamt – mit der Zahl der Gläubigen sinkt auch das Interesse am Priesterberuf, während gleichzeitig die berufliche Belastung der amtierenden Geistlichen zunimmt.

Ruhrbistum Immer weniger im Priesterseminar

Beispiel Essen: Hatten 1994 im Ruhrbistum noch 42 Kandidaten für das Priesteramt studiert, so waren es 2012 – einschließlich auswärtig eingesetzter oder studierender – insgesamt elf. In allen 27 deutschen Bistümern zusammen verzeichnete die katholische Kirche 2013 noch 112 Neuaufnahmen in die Priesterseminare – 16 Männer weniger als im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Seminaristen sank im gleichen Zeitraum von 726 auf 662.

Entsprechend sinkt in vielen Diözesen die Zahl der Priester. Selbst in noch stark katholisch geprägten Bistümern ist der Trend negativ. So ging in Münster die Zahl der Bistumspriester von 1997 bis 2012 von 1076 auf 885 zurück. Und auch im Bistum Paderborn spürt man die Entwicklung. Waren dort im Jahr 2005 noch 805 Priester im aktiven Pastoraldienst, so waren es im voriges Jahr noch 614. In der gleichen Zeitspanne reduzierte sich die Zahl der Priesterweihen im Bistum von acht auf sechs.

Wachsende Aufgaben für die Geistlichen

Gleichzeitig kommen auf die katholischen Geistlichen wachsende Aufgaben zu. Aufgrund stetig sinkender Mitgliederzahlen werden Pfarreien zusammengelegt und „die pastoralen Räume vergrößert“, wie es bei der Deutschen Bischofskonferenz heißt: „Das bedeutet, dass ein Priester für weitaus mehr Gläubige zuständig ist als zuvor.“ Sinkende Priesterzahlen werden so aufgefangen, die Laien bekommen mehr Verantwortung.

Reinhard Kardinal Marx, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, mahnte kürzlich vor Firmlingen in München: „Überlegt Euch, ob ihr Priester oder Ordensleute werden wollt, ob Ihr eine Familie gründen wollt, ob Ihr womöglich ein politisches Amt annehmen werdet – unsere Arbeit soll immer auch ein Auftrag in die Welt hinein sein, nicht nur ein Job, um Geld zu verdienen.“ Jeder Einzelne habe eine Berufung, die er selbst erkennen müsse und der er folgen könne.

Priestermangel Schon heute müssen immer öfter Priester aus dem Ausland aushelfen, wo der eigene Nachwuchs fehlt. Nach Angaben der Bischofskonferenz waren 2013 genau 1809 ausländische katholische Geistliche in Deutschland tätig. Die meisten von ihnen kommen aus Polen oder Indien.

Probleme auch bei Protestanten

Inwieweit eine Unzufriedenheit mit der Ehelosigkeit als Grund für das sinkende Interesse am Priesterberuf taugt, lässt sich nur vermuten. Tatsache ist: Auch bei den Protestanten, die kein Zölibat kennen, dafür aber auch weibliche Pfarrer, sinken die Bewerberzahlen für das Pfarrer-Amt.

Gab es 1991 bundesweit noch 1087 Ordinationen, so vermeldete die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) 2009 nur noch 266 Neu-Pfarrer. Die Zahl der aktiven Gemeindepfarrer und -pfarrerinnen sank im gleichen Zeitraum von 20 449 auf nur mehr 18 576.