Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Präsidentschaftswahl

Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela

08.10.2012 | 06:37 Uhr
Der alte wird auch der neue Präsident Venezuelas sein: Hugo Chávez hat die Wahl gewonnen.Foto: rtr

Caracas.  Feuerwerk in der venezuelanischen Hauptstadt: Der Linkspopulist Chávez hat die Präsidentschaftswahl in seinem Land gewonnen. Die Wahlbeteiligung war so groß, dass die Wahllokale später schlossen als geplant, damit alle ihre Stimmen abgeben konnten. Chávez propagiert den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts".

Der Linkspopulist Hugo Chávez kann Venezuela weitere sechs Jahre als Präsident regieren. Der Amtsinhaber erhielt bei der Präsidentschaftswahl am Sonntag gut 54 Prozent der Stimmen, wie die Nationale Wahlkommission am späten Abend (Ortszeit) mitteilte. Sein Herausforderer Henrique Capriles Radonski war Chávez zwar so dicht auf den Fersen wie noch kein anderer - lag letztendlich aber mit 45 Prozent doch deutlich hinter diesem.

Nach Auszählung von rund 90 Prozent der Stimmen kam Chávez den Behörden zufolge auf 54,42 Prozent, Capriles erhielt demnach 44,97 Prozent. Die Stimmauszählung hatte sich zuvor aufgrund der hohen Wahlbeteiligung verzögert: Einige Wahllokale schlossen später als geplant, da die Wähler bis zum Ende in lange Schlangen vor den Stimmbüros gewartet hatten. Sie alle sollten noch ihre Stimme abgeben dürfen. Die Wahlbeteiligung fiel mit fast 81 Prozent so hoch aus wie seit Jahrzehnten nicht.

Chávez wurde bereits 2000 und 2006 wiedergewählt

Direkt nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses brachen die Anhänger des umstrittenen Präsidenten in Jubel aus, in der venezolanischen Hauptstadt Caracas wurde Feuerwerk gezündet. Chávez selbst wandte sich über den Internet-Kurzbotschaften-Dienst Twitter an seine Anhänger: "Danke an mein geliebtes Volk!!! Es lebe Venezuela!!! Es lebe (der südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer Simón) Bolívar!!!"

Video
Caracas, 08.10.12: In Venezuela hat Amtsinhaber Hugo Chavez nach ersten Teilergebnissen die Präsidentenwahl gewonnen. Dies teilte die Wahlkommission am Sonntagabend mit. Chavez kam auf 54 Prozent der Stimmen, Herausforderer Henrique Capriles auf 45.

Capriles gratulierte Chávez zum Sieg. "Ich möchte dem Kandidaten, dem Präsidenten der Republik gratulieren", sagte der Kandidat eines Bündnisses von rund 30 Oppositionsparteien. Die Stimme der Wähler sei für ihn "heilig": "Ich bin durch und durch ein Demokrat. Ich akzeptiere und respektiere die Entscheidung des Volkes."

Der Urnengang hatte als schwierigste Abstimmung für Chávez seit Beginn seiner Amtszeit gegolten. Der Präsident propagiert den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" und findet mit seiner Sozialpolitik vor allem bei den Armen des Landes viele Unterstützer.

Dem Wahlkampf hatte sich Chávez trotz gesundheitlicher Probleme mit aller Kraft gewidmet. Der Linkspopulist, der enge Beziehungen zu Kuba pflegt und mit dem Iran gegen die "imperialistischen" USA wettert, führt eine Riege linksgerichteter Präsidenten in Lateinamerika an. Er wurde erstmals im Dezember 1998 zum Staatschef gewählt. 1999 trat er sein Amt an, 2000 und 2006 wurde er wiedergewählt.

Kein Verkauf von Alkohol wegen der Wahl

Sein Herausforderer Capriles hatte versprochen, die Sozialpolitik fortzusetzen. Er gilt aber als wirtschaftsfreundlicher als Chávez. Capriles ist Mitglied der sozialchristlichen Partei Primero Justicia, trat aber für das aus etwa 30 Parteien bestehende Bündnis MUD an. Im Wahlkampf warb er für eine Versöhnung der in Chávez-Gegner und -Anhänger gespaltenen Bevölkerung. Zugleich machte er Chávez' Politik für Stromausfälle, Lebensmittel-Knappheit und die hohe Mordrate im Land verantwortlich.

Video
Caracas, 12.06.12: Trotz Krebserkrankung will der Sozialist Hugo Chavez Venezuela sechs weitere Jahre regieren. Chavez meldete am Montag seine Kandidatur für eine dritte Amtszeit als Präsident an. Auf seinen Gesundheitszustand ging er nicht ein.

Der Oppositionskandidat hat eine steile politische Karriere hingelegt. Bereits als 26-Jähriger wurde er zum Abgeordneten gewählt, stieg dann zum Parlamentspräsidenten auf und wurde Bürgermeister eines Stadtviertels von Caracas. Schließlich wurde er Gouverneur des nördlichen Bundesstaates Miranda.

Rund 139.000 Soldaten waren am Sonntag im Einsatz, um die Sicherheit des Urnengangs zu gewährleisten. Der Verkauf von Alkohol war bis Montag verboten. Rund 19 Millionen Wahlberechtigte waren zur Stimmabgabe aufgerufen, die elektronisch erfolgte.



Kommentare
08.10.2012
22:12
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von Plem | #12

Man sollte hierbei nicht vergessen, daß der Ursprung des Erfolgs der sozialistischen Bewegungen in den latein-amerikanischen Staaten in Bolivien liegt. Dort gelang es der protestierenden Bevölkerung erstmals, ein vom Internationalen Währungsfond (IWF) installiertes Versorgungsunternehmen des Landes zu verweisen, das versprochen hatte, das Wasserversorgungsnetz der 600.000-Einwohner-Stadt Cochabamba zu modernisieren, aber letztendlich nichts anderes tat als die Wassergebühren zu verdreifachen.

In den westlichen Medien wurde über diese Ereignisse genauso berichtet wie über die argentinischen Frauen, die mit ihren Kochtöpfen lärmend gegen die Zerstörung des Mittelstands protestierten. Und das alles ist gerade mal zwölf Jahre her, sollte also noch jedem in Erinnerung sein. Zur Auffrischung und weiteren Recherche mögen die folgenden Verweise dienen.

1 Antwort
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von Plem | #12-1

Cochabamba
http://de.wikipedia.org/wiki/Cochabamba#Geschichte
Geschichte: letzter Absatz


Bechtel Corporation
http://de.wikipedia.org/wiki/Bechtel_Corporation#1980er_Jahre_und_danach
1980er Jahre und danach: zweiter Absatz ff.


"Und dann der Regen"
Mexiko, Spanien, Frankreich, 2010
Deutscher Kinostart: 29.12.2011
Deutscher Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=3Zi0cDnCnlM

Inhalt: Dokumentation über die Eroberung des neuen Kontinents durch Christoph Columbus, die Kolonisierung Lateinamerikas und den Widerstand der Indios gegen die brutale Ausbeutung durch die Eroberer. Dabei gerät das Filmteam in die lokalen Konflikte um die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung, die zu heftigen Protesten und einen Generalstreik der Bevölkerung führen. Ein Film im Film: absolut sehenswert!

08.10.2012
13:29
Ironie der Weltpolitik,
von Ani-Metaber | #11

was die Bevölkerung des Irans zu Protesten aufbringen soll, nämlich der Boykott iranischen Öls, sichert Venezuela, aber damit auch ein wenig Kuba und Nicaragua, einen anderen Weg zu gehen.

Und mit der Forderung nach freien Wahlen, zu denen der Westen für Ägypten und den anderen Staaten des arabischen Frühlings gezwungen werden musste, ist Chavez und sein Sieg noch ein wenig unangreifbarer geworden.

Nebenbei, ist Mitt Romney ein Rechtspopulist oder anders gefragt, warum wird der nicht so genannt?

08.10.2012
13:20
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von Susan2012 | #10

Gratulation! Ein sehr gutes Ergebnis.

08.10.2012
12:56
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von fogfog | #9

armut auf der ganzen welt-eine erfolgsgeschichte des kapitalismus. und die reichen werden immer reicher.

08.10.2012
12:27
Chávez propagiert den "Sozialismus des 21. Jahrhunderts
von Halbes.Haehnchen | #8

100 Millionen Tote. Die Erfolgsgeschichte des Sozialismus im 20 Jahrhunderts wurde von Stalin, Lenin, Mao, Hitler, Honecker, PolPot und Fidel Castro geschrieben.

3 Antworten
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von kuba4711 | #8-1

Nebenbei bemerkt soll der massive Gebrauch von Antibiotika bei der Aufzucht der Hähnchen in dieser deutschen Industrie immense Rückstände hinterlassen.
Desolate Nebenwirkungen in den zerebralen Denkstrukturen bei den Verbrauchern ist bisher noch von niemand ausgeschlossen worden!

Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von Imaz | #8-2

Na gut, von einem "Halben Haehnchen" kann man wohl auch nur die halbe
Wahrheit erwarten.
Machen Sie doch mal ein "Ganzes Haehnchen" daraus und erzählen die ganze
Wahrheit, z. B. , wieviel Millionen Menschen der Kapialismus auf dem
Gewissen hat.

da "Hitler" in der Aufzählung nicht fehlt,
von Ani-Metaber | #8-3

muss man annehmen, die Wirtschaftsführer Deutschlands, die Hindenburg nahelegten, eben diesen zum Kanzler zu machen, hätten den "Sozlalismus" angestrebt.

Eines aber ist erkennbar, ob "Brühwurst", "Mettwurst" oder was sonst sich als Nick um die Pommesbude bewegt und in "der Westen" sich einstellt,
selten haben diese Kommentare was mit dem zu tun, was hier kommentiert sein sollte.
Dies wäre in diesem Fall die Lage in Venezuelas und der Wahlsieg von Chavez.
Was Mao oder Stalin damit zu tun haben sollen, wird auch ein Pol-Pot wohl nicht wissen.
Kuba hingegen wäre ein Ende der Blockade durch die USA zu wünschen und bei Honecker weiß ja auch jeder, wer den Iwan und damit eben auch ihn an die Elbe gebracht hat.

08.10.2012
12:15
Solidarität mit der Bevölkerung Venezuelas und ihrem Präsidenten – auch kritische – sind im Westen selten
von Ani-Metaber | #7

Dabei sollte man im Westen froh sein, dass es dort ein weiteres Land gibt, das in erster Linie der Armut der breiten Bevölkerungsmehrheit erfolgreich begegnet ist.
Wahlen, denen nicht nachgesagt wird, sie müssten unfrei und unfair genannt werden, das ist schon bemerkenswert, offenbar haben dort die USA an Möglichkeit eingebüßt, einen neuen Putsch zu organisieren.
Bleibt zu hoffen, die Opposition Venezuelas und die sie unterstützenden Kräfte erkennen die soziale Absicht der Regierung unter Chavez im Grundsatz als den richtigen Weg an.
Dann würden sie diese Politik nicht torpedieren, sondern danach trachten, sie zum Wohl der Allgemeinheit allenfalls zu verbessern. Es ist der Regierung Chavez noch nicht gelungen, eine Eigenversorgung bei Lebensmitteln herzustellen und das Auto durch den Ausbau der Bahn zurückzudrängen.
Die Dogmen der Prediger vom den angeblichen Gesetzen des „Marktes“ hingegen sind und waren letztlich doch nur darauf ausgerichtet, die Taschen Weniger zu füllen.

08.10.2012
11:06
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von kuba4711 | #6

Ach wie feinsinnig:
in dem Moment in dem man nicht zu den üblichen amerikanischen Vasallen und US -amerikanischen Polit- Rektalanalysten gezählt werden kann ,dann hat man gefälligst ein Populist zu sein.
In der Inland -Berichterstattung ist es ja so ähnlich :
In dem Moment in dem man fordert ,dass nicht die Vermögen der oberen Zehntausend IM MITTELPUNKT DER POLITISCHEN BEMÜHUNGEN zu stehen hat ;SONDERN die LEBENSSITUATION DER BREITEN MASSE ;dann ist man ein Populist der Linken!
Zumindest phantasielos ,wenn nicht gar völlig politisch dumm!

1 Antwort
Populist
von Stefan2 | #6-1

Wenn Sie jemand "Populist" nennt, erkennt er damit immerhin an, dass Sie die Zustimmung einer ihn beängstigend großen Menge von Menschen erreichen.

08.10.2012
10:10
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von holmark | #5

Schade, ein sehr einseitiger Bericht. Eher ein rechtspopulistischer Kommentar...

08.10.2012
09:30
Präsident Hugo Chavez schafft Wiederwahl in Venezuela
von Imaz | #4

Dass die Menschen in Venezuela den höchsten Lebensstandard in ganz
Lateinamerika haben und selbst in den USA Millionen Menschen nicht mal
davon träumen können, ist unseren freiheitlich demokratischen Medien keine
Zeile wert.
Eine schöne Geschichte am Rande.
Vor der UN Vollversammlung hatte Bush geredet. Danach war Chavez an der
Reihe. Er trat hinter das das Rednerpult, bekreuzigte sich drei mal und sagte:
Hier riecht es nach Schwefel.

08.10.2012
09:06
Linkspopulist?
von Stefan2 | #3

Wollen Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen in der Redaktion, bitte einmal erklären, was Ihrer Ansicht nach ein "Linkspopulist" ist? Und wollen Sie bitte auch einmal erklären, was "mit dem Iran gegen die imperialistische USA wettern" ist?

Aus dem Ressort
Kurden drängen IS wieder ab
Konflikte
Die seit Wochen andauernden Luftschläge der internationalen Koalition bringen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in der syrischen Kurdenenklave Kobane allmählich in Bedrängnis. Kurdische Kämpfer nahmen den Dschihadisten am Samstag weitere Gebiete ab.
Iranerin Dschabbari hingerichtet - Säureanschläge auf Frauen
Justiz
Die Iranerin Rejhaneh Dschabbari hat nach eigener Aussage ihren Vergewaltiger mit einem Messer getötet: Sieben Jahre später ist die 26-Jährige trotz aller Zweifel an einem fairen Prozess sowie internationaler Proteste hingerichtet worden.
Wie die AfD bei NRW-Wahl 2017 zehn Prozent holen will
AfD
Der Landesparteitag in Bottrop betont den programmatischen Dreiklang von Europaskepsis, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft. Die Führung will die neue Partei nicht nach rechtsaußen drängen lassen, setzt aber weiterhin gezielt auf den „Das wird man wohl noch sagen dürfen“-Effekt.
Was die Revier-Schüler über Honecker und die DDR wissen
Mauerfall
Wer heute zur Schule geht, kennt die Mauer nur noch aus Erzählungen. Der Osten ist vielen Jugendlichen fremd, Kenntnisse über die DDR sind gering. Was wissen die nordrhein-westfälische Schüler eigentlich über den anderen Teil Deutschlands? Einer Studie zufolge: wenig.
Verfassungsschutz sieht starkes Wachstum der Salafistenszene
Extremismus
Mehr als 6300 vorwiegend junge Menschen haben sich nach Einschätzung des Verfassungsschutzes bereits der Salafistenszene angeschlossen. Und es werden immer mehr, sagt Verfassungsschutzchef Maaßen. Gemeinsam seien den meisten vier "M's".
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?