Postbank will künftig Geld für Papierbelege

An Rhein und Ruhr..  Wenn’s ums Geld geht, war früher nicht alles besser. Aber manches einfacher. Die Welt der Banken und Geldinstitute präsentierte sich vergleichsweise überschaubar. Hier die allgegenwärtigen Sparkassen und Volksbanken, dort ein paar staatstragende Großbanken. Und mittendrin: das Postscheckamt. Ja, das gab es auch mal. Man trug sein Geld zur Bundespost, wähnte es dort sicher und konnte seine Bankgeschäfte beim Briefmarkenkauf erledigen. Oder am Briefkasten.

5,25 Millionen Privatkunden vertrauen dem Bonner Konzern ihre Bankgeschäfte an. Zahlen darüber, wie sich die Giro-Kunden in Deutschland verteilen, rückt das Unternehmen (Bilanzsumme: 155 Milliarden Euro, 15 000 Mitarbeiter) nicht heraus. Sicher aber ist: Viele von ihnen regeln ihren Geldverkehr längst vom heimischen Computer aus.

Nur 3,9 Prozent überweisen per Papier

Das ist, trotz aller Sicherheitsbedenken, der kaum mehr aufzuhaltende Trend. Auch bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken ist das so. Von den 300 000 Kunden der Sparkasse Essen etwa kontrollieren 128 000 per PC den Kontostand. Tendenz: steigend. Bereits ein Drittel der Online-Zugriffe erfolge über mobile Endgeräte, heißt es.

Bei den Postbank-Kunden ist laut Unternehmensangaben der Zug zum Digitalen noch ausgeprägter. 4,2 Millionen Kunden haben einen Zugang zur Online-Plattform des Postbank-Girokontos, was nichts darüber aussagt, ob sie ihn auch nutzen. Aber: „Nur noch 3,9 Prozent aller Überweisungen bei uns finden über Papierbelege statt“, versichert Unternehmenssprecher Ralf Palm. Da liegt es nah, mal darüber nachzudenken, die Papierbelege gleich ganz abzuschaffen.

Mit dem Geld, das die Abermillionen Postbankkunden auf ihrem Girokonto herumliegen haben, konnte die Bank bislang spekulieren. Die Gewinne ersetzten die Kontoführungsgebühren. Diese Rechnung geht aus Sicht der Postbank wegen der anhaltenden Zinsflaute nun nicht mehr auf. So erklärt es Konzernsprecher Ralf Palm. Deshalb die neuen Extrakosten auf Papierbelege.

Hjördis Christiansen, Bankenexpertin der Verbraucherzentrale, hat eine andere Sicht: Erst hat der Kapitalmarkt das Konto finanziert, in Zukunft werden es diejenigen Kunden sein, die ihre Überweisungsträger noch per Hand ausfüllen. Für Christiansen ist der Fall klar: „Die Postbank will ihre Kunden ins Online-Verfahren pressen.“

99 Cent pro Überweisung

99 Cent pro Vorgang nimmt die Postbank also ab 1. April – für jede Überweisung, für Scheck- und Wechseleinzüge „sowie für die erstmalige Ausführung eines neu eingerichteten Dauerauftrags“, wie es in einem Schreiben an die Kunden heißt. Ein Vorschlag, wie man die Kosten umgeht, wird gleich mitgeliefert: „Nutzen Sie einfach das bequeme Online- oder Telefon-Banking.“

Rein rechtlich haben die von der NRZ befragten Experten allerdings an den neuen Geschäftsbedingungen nichts zu mäkeln. NRW-Verbraucherschützer Markus Feck hofft dennoch, dass die Postbank Kunden „jetzt mit den Füßen abstimmen. Postbank, nicht mit uns!“