Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Der nächste Krisenfall?

Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit

25.03.2010 | 21:26 Uhr
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit

Lissabon.Das nächste Land, das sich nach Griechenland große Sorgen um seine Kreditwürdigkeit macht, ist Portugal. Trotzdem droht auch den Portugiesen die Schuldenfalle. Ein Sparplan der Regierung rief bereits die Gewerkschaften auf den Plan.

„Harten Widerstand“, kündigen Portugals Gewerkschaften an. Der Sparplan der Regierung könne Streiks provozieren. Zuletzt ließen die Gewerkschaften die Muskeln spielen. Legten Müllabfuhr, Krankenhäuser, Schulen, Verkehr lahm. Ein Vorgeschmack auf jene schwierigen Zeiten, die dem hoch verschuldeten EU-Land drohen.

Gerade erst hat die Rating-Agentur Fitch die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft. Und damit Sorgen Auftrieb gegeben, dass dieses Land nach Griechenland der nächste Krisenfall werden könnte. Um die Schuldenlast zu verringern und die Finanzmärkte zu beruhigen, legte der sozialistische Regierungschef Jose Socrates einen Sparplan vor, der Kürzung öffentlicher Ausgaben, soziale Einschnitte, Verkauf von Staatsunternehmen und Steuererhöhungen für Besserverdienende vorsieht.

Der wankende Staat, dessen Haushaltsdefizit in 2009 auf 9,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) kletterte, und der bereits eine Schuldenlast von 85 Prozent des BIP schultern muss, habe keine andere Wahl, sagt Socrates. Das Krisenpaket sieht einen Lohnstopp für das aufgeblähte Staatsdiener-Heer vor.

Lohnstopp für das
Heer der Staatsdiener

Nur noch jede zweite freie Stelle soll besetzt werden. Das bisherige Rentenalter von 62 Jahren wird auf 65 heraufgesetzt. Die konservative wie die linke Opposition wittert ihre Chance, die wankende sozialistische Minderheitsregierung sturmreif zu schießen. Die Aussichten für Ministerpräsident Socrates, dieses finanzpolitische Unwetter zu überstehen, sind entsprechend gering.

Die Abwertung der Kreditwürdigkeit führt unter anderem dazu, dass Portugal höhere Zinsen bezahlen muss, wenn es mit Staatsanleihen seine Schulden finanzieren will. Wegen ähnlicher Herabstufung der Kreditwürdigkeit war bereits auch Griechenlands Schuldenfalle zugeschnappt.

Ralph Schulze

Facebook
 
Kommentare
27.03.2010
21:33
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von kuba4711 | #13

@11 Alois_Egon.
Die Wahrscheinlichkeit eines crashs steigt von Tag zu Tag ;dies sehe ich genau so!
Zu fragen bleibt was -neben den von Ihnen richtig beschriebenen Faktoren -noch zusätzlich an hausgemachten Fehlleistungen in den letzten Jahren zur derzeitigen Schieflage beigetragen hat.
Als massgebliche Ursache sehe ich die einseitige monetaristische Ausrichtung (angebotsorientierte -)unserer politisch -ökonomischen Entscheider,genauer die Sicht der Dinge nicht im Sinne der Betrachtung von tatsächlichen ,realen Warenkreisläufen!

26.03.2010
18:12
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Alois_Egon | #12

@#10 kuba4711
Politisch und Ökonomisch muss zunächst eine Grundsatzfrage geklärt werden.

Es ist ein Naturgesetz, dass in einer funktionierenden Gemeinschaft die Stärksten die Schwächeren mit durchziehen müssen. Andernfalls werden die Starken immer stärker und die Schwachen immer Ärmer, wie es sich gerade jetzt auch in Europa zeigt.

Ein gutes Beispiel hierfür sind die neuen Bundesländer nach der Wiedervereinigung.

Der Gesamtverbrauch in den neuen Bundesländern beträgt jährlich etwa 360 Milliarden Euro. Die geleistete Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt) beträgt aber nur ca. 250 Milliarden Euro.

Würden die alten Bundesländer nun die fehlenden 110 Milliarden Euro nicht in Form von finanziellen Zuwendungen. (Soli, Renten, Subventionen etc) ausgleichen, müsste sich die Bevölkerung in den neuen Bundesländern durch Kredite verschulden oder an allen Ecken und Kanten sparen. Klar ist, dass dann die Bevölkerung entweder in eine totale Verschuldung oder aber in Armut enden würde.

Dieser wirtschaftliche Unterschied wird aber von Beginn der Wiedervereinigung an voll ausgeglichen und hat den alten Bundesländern seit dem etwa 20 x 110 Mrd. Euro, also gut zwei Billionen Euro gekostet und ein Ende der Anpassung ist noch nicht abzusehen.

Nichts anderes ist durch die Einführung des Euros in Europa auch passiert. Nur mit dem feinen Unterschied, dass eine Anpassung der wirtschaftlichen Unterschiede nicht vorgesehen ist.

Leicht ist zu erkennen, welche finanziellen Dimensionen sich in Europa als Belastung für die Starken ergeben würden wenn schon für die neuen Bundesländer mit 15 Millionen Menschen derartige Summen erfordern.

Es muss also zunächst politisch entschieden werden, ob diese Gemeinschaft zur Zufriedenheit aller funktionieren soll.
Wenn Sie Frau Merkel an dem Eid auf die Verfassung messen und wem sie sich damit verpflichtet hat, kann die Antwort nur lauten: Nein !!!!!!

Ein weiterer Aspekt sind die Menschen, die in dieser Gemeinschaft leben.
Wir haben dort die größten Unterschiede z.B. in Kultur, Religion, Mentalität und klimatische Verhältnisse. So lautet die nächste Frage, ob diese Gemeinschaft bei einer ökonomischen Rettung und die damit verbundenen Einflüsse und Machtansprüche der starken Länder erfolgreich sein kann.
Ich bin mir sicher, dass auch hier die Antwort „NEIN“ lautet.

Somit dürfe meine Schlussfolgerung eigentlich schon klar sein.

Der Euro kann in der jetzigen Form nicht bestehen bleiben.

Die Politik muss erkennen, dass sie die Naturgesetze nicht dauerhaft außer Kraft setzten kann. Wirtschaftswissenschaftler haben von Anfang an immer wieder betont, dass die Euro-Einführung eine rein politische Entscheidung sei, wirtschaftlich aber keinen Sinn macht.

Die schwachen Länder müssen nun als erstes wieder die Möglichkeit haben, durch eine neue eigene Währung mit einer entsprechenden Wertfestsetzung die eigene Konkurrenzfähigkeit wieder herzustellen.

Ob die stärkeren Länder den Euro als quasi Kern-Euro beibehalten können darf aus einem ganz anderen Grund bezweifelt werden.
Dieser Grund ist die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, deren vernichtende Auswirkungen bisher mit weltweit vielen Billionen Euro für Rettungen und Konjunkturprogramme lediglich hinausgezögert wird, weil eine Lösung nicht bekannt ist und selbst bekannte notwendige Maßnahmen nicht in Angriff genommen werden.

Die Japaner haben dieses Problem schon seit 2o Jahren und schieben es durch immer neues gedrucktes Geld hinaus. Die Staatsverschuldung beträgt mittlerweile 200 Prozent des Bruttosozialproduktes. Das ist aber nur möglich, weil der offizielle Zinssatz bei NULL-Prozent liegt und der Staat sich bei der eigenen Nationalbank gedrucktes Geld umsonst leihen kann.
Die USA und England verfahren übrigens schon in gleicher Weise, deshalb war auch dort der erste Schritt, die Zinsen auf Null Prozent festzusetzen.
.
Zusammenbrechen wird dieses System, wenn der Zins auch nur geringfügig ansteigt.

In Europa sind wir noch nicht ganz so weit, aber auch die EZB hat den Zinssatz schon nahe Null gebracht und auch schon ihre Bereitschaft bekundet, Staatspapiere aus Euro-Länder anzukaufen, um so die Liquidität zu sichern. Und das ist nichts anderes als Geld drucken.

Nimmt man nun das europäische und das weltweite Problem zusammen, muss auf dem recht schmerzhaften Weg zu dem erforderlichen Neuanfang noch so manches zusammenbrechen, und das kann meiner Meinung nach noch jedes Land für sich allein am besten.

Die Politik wird natürlich versuchen, diesen finalen Crash so weit wie möglich herauszuzögern, aber im Gegensatz zu Japan, die noch 19 Jahre das Glück hatten, dass wenigstens die restliche Weltwirtschaft noch funktionierte, ist das heute nicht der Fall.

Also werter kuba4711, der Zusammenbruch wird kommen. Wie schnell weiß ich nicht, das wird wohl national davon abhängen, wie schnell sich die praktischen Auswirkungen der Krisen auf die Menschen auswirken und dann von dort der Druck auch mit einer massiven Gewaltbereitschaft zum Ausdruck kommt. Die in den letzen Tagen erschienene Statistik über politische Gewalttaten spricht auch für Deutschland schon eine deutliche Sprache.

26.03.2010
13:17
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von kuba4711 | #11

@4 Alois_Egon . Ihre Analyse ist top!
Mich interessiert Ihre politisch -ökonomische Schlußfolgerung für Deutschland daraus!

26.03.2010
08:59
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Ricke | #10

Alois von Egon:
Was ich nie verstanden habem ist die Tatsache, dass wirklich fast alle Länder permanent in unproduktive Bereiche investiert haben.
In Griechenland z.B. ist jeder 10 Einwohner Griechenlands Beamter !
Portugal hat einen ebenfalls hohen Anteil Staatsdiener.
Um es jetzt einmal etwas drastischer zu formulieren, könnte man fast sagen:
Deutschland leistet sich seinen Anteil an Unproduktivität (Hartz 4), die anderen Länder leisten sich Staatsdiener.
Woher soll dann eigentlich das vielgeschworene Wachstum entstehen, wenn nicht in Forschung/Entwicklung , Universitäten, investiert wird?

26.03.2010
08:53
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von B.Schmitz | #9

Merkelchen wird schon dafür sorgen, dass auch nach Portugal Gelder fließen. Sie hat ja bewiesen, dass sie Gelder in Pleitefirmen, unfähigen und korrupten Managern und Pleitebanken fliessen lässt. Sie hat nun mal ein Herz für Pleitegeier.

26.03.2010
01:19
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Alois_Egon | #8

@#7
Aus dem Artikel geht doch ganz eindeutig hervor, dass Portugal durch Fitch im Rating herabgestuft wurde, was hat also Ralph Schulze damit zu tun, wenn er über die Konsequenzen einer solchen Herabstufung berichtet.

Aber keine Sorge, Spanien kommt auch noch.

26.03.2010
00:53
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

26.03.2010
00:43
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Alois_Egon | #6

Nachtrag:
Die politische Dimension ist leicht erkennbar.

Hilfen für Griechenland oder auch andere Schwachländer wird es nur in Form von preisgünstigen Krediten geben, die mit Auflagen und Konsequenzen verbunden sind.

Nun wieder eine Frage an jeden logisch denkenden Menschen.

Welche Macht übt ein Kreditgeber auf einen Kreditnehmer aus, wenn er sich nicht so verhält, wie der Kreditgeber es möchte.

Früher wurden die Länder durch Söldner erobert.
Heute geschieht das ganz elegant durch finanzielle Abhängigkeiten.

Das Problem ist nur, dass das Volk dies heute nicht mehr einfach geschehen lässt.

Wer nachschaut, was in Griechenland heute schon los ist, hat eine Vorstellung davon, wenn das höchste Gut eines Staates, nämlich der soziale Friede, nicht mehr existiert.

26.03.2010
00:31
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Alois_Egon | #5

@#3 DKW

Sie schmeißen da irgendetwas durcheinander.

Bei den Beiträgen der einzelnen Mitgliedsländer handelt es sich lediglich um Beiträge zum Haushalt der EU, aus dem dann wieder für spezielle Belange den einzelnen Ländern Geld zufließt.
Festgesetzt werden diese nach dem Pro/Kopf Bruttoinlandprodukt in Verbindung mit dem Bevölkerungsanteil.

Italien führt die ganz schwache Gruppe am Ende der Liste (ich glaube es war Platz 12) gerade noch vor Spanien an.
Die Beiträge sind gemessen an der gesamten Wirtschaft in Europa Peanuts.

Sie haben natürlich recht, wenn Sie Italien als drittgrößten Beitragszahler nennen, aber Italien erhält mehr zurück und gehört schon seit Beginn zu den Nettoempfängern und das von Jahr zu Jahr mit einer größeren Summen.

26.03.2010
00:09
Portugal ist Wackelkandidat in der Kreditwürdigkeit
von Alois_Egon | #4

@#1 kuba4711
Hallo kuba4711. Nett, dass wir und auch in einer ganz anderen Thematik treffen.

Zu den Problemen in Europa habe ich folgende Infos und Gedanken:

Frage:
Wie sind die damals wie heute sehr unterschiedlichen Wirtschaften der Mitgliedsländer miteinander ausgekommen?

Antwort:
Die Länder haben die Unterschiede der Wirtschaft durch die Abwertung der Währung des schwachen und Aufwertung der Währung des starken Landes (i.d.R. die DM) ausgeglichen.
So konnte das Ausland die Produkte des schwachen Landes billiger einkaufen. Das schwache Land hat so seine Konkurrenzfähigkeit wieder hergestellt. Hatte zwar eine gewisse Inflation, aber doch für alle Brot und Arbeit.

Das starke Land „bezahlte“ diesen Ausgleich mit einer etwas geringeren Konkurrenzfähigkeit der Wirtschaft. Deutschland ist immer sehr gut damit zurechtgekommen und hatte seit Jahrzehnten mehr exportiert als importiert.

Frage:
Gibt es noch andere Möglichkeiten, um die wirtschaftlichen Unterschiede auszugleichen?

Antwort:
Ja, nämlich durch einen finanziellen Ausgleich, wie er auch innerhalb der BRD zwischen den einzelnen Bundesländern erfolgt.
Auf europäischer Ebene hätte das allerdings jährlich ein Volumen astronomischer Größenordung.

Andere Möglichkeiten des Ausgleichs gibt es nicht.

Frage:
Was passierte nach Einführung des Euros?

Antwort:
Die Wirtschaften der einzelnen Länder entwickelten sich natürlich weiter sehr unterschiedlich.
Insbesondere die deutsche Wirtschaft, die ja nun nicht mehr das Problem der ständigen Aufwertung hatte, entwickelte sich überproportional gut.

Die Wirtschaftsmächtigen gingen sogar so weit, dass sie die Konkurrenzfähigkeit auch noch dadurch weiter steigerten, indem sie auch politisch begleitet das deutsche Lohnniveau nach unten drückten und so reale Lohnrückgänge zu verzeichnen sind.
Das Kapital hat profitiert, das Volk hat man nicht daran teilhaben lassen. Die logische Folge war eine immer schwächere Binnennachfrage und gleichzeitig Exportweltmeister.

Die Wirtschaften der schwachen Länder hatten von Jahr zu Jahr größere Probleme mit ihrer Konkurrenzfähigkeit, weil sie ja nicht mehr Abwerten konnten und Ausgleichszahlungen waren im Masstricht-Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen worden.

Für jeden logisch denkenden Menschen muss klar sein, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis die Situation eskalierte.

Noch Fragen?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3454002/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.