Polizisten wollen Blutproben bei Alkoholverdacht abschaffen

Zeigt der Vortest einen Wert von 0,8 Promille, geht es weiter mit der Atemanalyse.
Zeigt der Vortest einen Wert von 0,8 Promille, geht es weiter mit der Atemanalyse.
Foto: Martin Möller
Was wir bereits wissen
Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert die Einstellung von Bluttests bei Alkoholkontrollen. Atemanalysegeräte sollen ebenso zuverlässig sein.

Essen.. Pusten statt Piksen. Sobald sich gegen einen Verkehrsteilnehmer der Verdacht der absoluten Fahruntüchtigkeit erhärtet, ordnet die Polizei eine Blutprobe an. Laut Straßenverkehrsordnung ist diese ab einem Blutalkoholgehalt von 1,1 Promille gegeben. Das sind etwa sechs Pils (0,33 l) bei einem erwachsenen Mann.

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG), will die Blutprobe nun abschaffen. "Die Atemanalyse ist oberhalb dieser Promillegrenze ebenso zuverlässig und hat juristischen Bestand", sagte Wendt unserer Redaktion. Ziel seiner Forderung: Einsparung von 50.000 Blutproben pro Jahr im gesamten Bundesgebiet und entsprechende Entlastung von Polizeibeamten.

Prozedere bei Alkoholverdacht

Laut Wendt wendet die Polizei bisher drei Verfahren an, um den Promillewert bei einem Verkehrsteilnehmer festzustellen:

Technik Erster Schritt ist die sogenannte Vortestprüfung, im Volksmund auch als "Pusten" bekannt. Diese wird bei Alkoholverdacht mit einem mobilen Handgerät direkt vor Ort durchgeführt und bis zu einem Atemluftwert von 0,8 Promille angewendet.

Überschreitet der Wert diese Grenze, folgt Schritt Zwei: Das Atemanalysegerät kommt zum Einsatz. Dieses ist aufgrund seiner Größe meist nicht mobil und wird daher auf Polizeiwachen eingesetzt. Der Verkehrsteilnehmer pustet auch hier in ein Gerät, das im Gegensatz zum Vortestprüfer Promillewerte nicht nur auf einem Display anzeigt, sondern einen ausgedruckten Beleg liefert.

Zuverlässiges Atemanalyseverfahren

Dritter Schritt ist die Blutprobe. Hat das Atemanalysegerät einen Promillewert von über 1,1 festgestellt, sieht das Prozedere folgendermaßen aus: Ein Staatsanwalt muss informiert werden, der eine richterliche Anordnung einholt, dass ein Arzt dem verdächtigten Verkehrsteilnehmer Blut abnehmen darf. Dieses wird anschließend von einem gerichtsmedizinischen Institut analysiert. Dauer: vier bis fünf Stunden.

Die Prozedur kommt auch dann zum tragen, wenn der Alkoholisierte sich freiwillig zu einer Blutprobe bereit erklärt. "Wir könnten nicht nur Aufwand sondern auch Zeit einsparen", so Wendt. Das Atemanalyseverfahren nähme etwa 20 Minuten in Anspruch. Die Geräte seien vom Polizeitechnischen Institut geeicht, verifiziert und juristisch nicht anfechtbar. Die Durchführung einer Blutprobe wäre nach technischem Stand somit nicht mehr von Nöten und diene rein den "wirtschaftlichen Interessen von Blutanalyselabors".