Polizei verhindert Massaker

Kopenhagen..  Dänemark steht unter Schock. Nur Wochen nach dem Anschlag auf die französische Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris erlebte Dänemark einen ähnlichen Anschlag auf die Meinungsfreiheit. Am Samstagnachmittag entgingen der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks, der Botschafter Frankreichs und weitere Teilnehmer einer Veranstaltung im Kulturhaus Krudttönden nur knapp einem Massaker.

Diskussion über Meinungsfreiheit

Zur Veranstaltung „Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit“ waren mehrere Dutzend Menschen gekommen. Plötzlich waren Schüsse aus dem Eingangsbereich zu hören. Ein Attentäter, der eine Schnellfeuerwaffe bei sich trug, hatte versucht, sich kurz nach 15.30 Uhr den Weg zu der Veranstaltung freizuschießen. Nach Angaben der Zeitung „Jyllands-Posten“ war es offenbar der Anwesenheit von sechs oder sieben Polizisten im Eingangsbereich zu verdanken, dass es nicht zu einem Massaker wie in Frankreich kam. Die Beamten erwiderten sofort das Feuer. Der Täter flüchtete, ohne in den Saal zu gelangen. Der 55-jährige dänische Filmemacher Finn Nörgaard wurde jedoch getötet, drei Polizisten wurden verletzt.

Vermutlich war der schwedische Karikaturist Vilks das Hauptziel des Anschlags. Der schwedische Künstler wurde nicht verletzt – er flüchtete während der Schießerei in einen Kühlraum. „Es war die gleiche Intention wie bei Charlie Hebdo, nur dass sie nicht reinkommen konnten“, sagte Frankreichs Botschafter Zimeray.

Doch der Alptraum war mit dem Überfall noch nicht zu Ende. Sondereinsatzkommandos jagten den Täter, der zunächst in einem Kleinwagen und später in einem Taxi floh. Er ließ sich zu seiner Wohnung bringen. Die Polizei veröffentlichte entsprechende Bilder von Überwachungskameras.

Gegen ein Uhr nachts fielen dann plötzlich erneut Schüsse. Dieses mal vor der Kopenhagener Synagoge, in der eine jüdische Feier – Bar Mitzwa – stattfand. Ein 37-jähriger Wachmann am Eingang wurde ermordet, zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Nach den Vorfällen am Nachmittag war die Synagoge unter Polizeischutz gestellt worden.

Um fünf Uhr am Morgen dann ein weiterer dramatischer Zwischenfall: Mittlerweile hatte die Polizei Stellung vor der Wohnung des Mannes in der Nähe des Bahnhofs Nørrebro bezogen. Kurz vor fünf Uhr kehrte der mutmaßliche Täter zurück. Die Sicherheitskräfte riefen ihn an. Der Gesuchte eröffnete sofort das Feuer. Die Beamten schossen zurück und trafen den mutmaßlichen Terroristen tödlich.

„Niemand darf entkommen“

Die Identität des Mannes wollten die Ermittler zunächst nicht preisgeben. „Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können“, sagte Jens Madsen, Chef der dänischen Sicherheitsbehörde. Es gebe keine Hinweise auf Komplizen oder einen Aufenthalt des Mannes als Dschihadist in Syrien oder im Irak. Gefahndet hatte die Polizei nach einem 25 bis 30 Jahre alten Mann mit arabischem Aussehen. Noch gestern Nachmittag liefen die weiteren Ermittlungen in Kopenhagen auf Hochtouren.

„Es ist ein unendlich trauriger Morgen, an dem jeder an die Opfer und deren Angehörigen denkt. Zwei unschuldige Menschen haben ihre Leben verloren, durch einen kaltblütigen Akt des Terrors gegen Dänemark“, sagte die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. „Niemand darf entkommen, der die offene, freie und demokratische dänische Gesellschaft angreift.“