Polizei streitet über Einsätze beim Fußball

Wie viele Beamte müssen bei Bundesliga-Spielen eingesetzt werden? Diese Frage spaltet derzeit die NRW-Polizei.
Wie viele Beamte müssen bei Bundesliga-Spielen eingesetzt werden? Diese Frage spaltet derzeit die NRW-Polizei.
Foto: Archivbild
Was wir bereits wissen
Nach Krawallen in Gelsenkirchen spaltet die Frage, wie viele Beamte bei Fußballspielen gebraucht werden, die Polizei. Die Polizeigewerkschaft DPolG stützt die Linie von NRW-Innenminister Jäger, zu Nicht-Risikospielen weniger Polizei zu schicken. Die Gewerkschaft GdP hält Jägers Projekt indes für „gescheitert“.

Düsseldorf.. In der Polizei in NRW ist ein heftiger Streit um das neue Einsatzkonzept für Spiele der Fußball-Bundesliga entbrannt. Vor der heutigen Sitzung des Innenausschusses im Landtag stützt die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) die Linie von Innenminister Ralf Jäger (SPD), für Nicht-Risikospiele weniger Beamte abzustellen. „Es ist nicht haltbar, immer mehr Leute einzusetzen, die woanders dringender gebraucht werden “, sagte Landeschef Erich Rettinghaus unserer Zeitung. Er stellt sich damit gegen die Gewerkschaft GdP, die Jägers Pilotprojekt für „gescheitert“ erklärt hat.

Konkret bezieht sich die GdP auf eine Massenschlägerei gewalttätiger Fans am Hauptbahnhof Gelsenkirchen. Dort wurden vergangenen Samstag nach der Partie Schalke gegen Hertha, die nicht als Risikospiel eingestuft war, zwölf Polizisten leicht verletzt. Sie hätten „die Zeche mit ihrer Gesundheit“ bezahlt, so GdP-Landeschef Arnold Plickert. Doch korrigierte sogar die Gelsenkirchener Polizei den Eindruck, es seien zu wenig Beamte im Einsatz gewesen. „Es waren ausreichend Kräfte vor Ort“, so ein Sprecher.

Fußball-Bundesliga Pilotphase mit einem Fünftel weniger Polizisten

Aus Sicht der Polizeigewerkschaft lässt sich aus den jüngsten Ausschreitungen nicht folgern, dass Jägers Konzept gescheitert sei. „Das ist nicht richtig und an den Haaren herbeigezogen“, so Rettinghaus. Bei allem Bedauern für die verletzten Beamten seien Zwischenfälle wie nach dem Schalke-Spiel nie völlig auszuschließen. Schon jetzt würden die 18 Polizeihundertschaften in NRW mit einem Drittel ihrer Dienstzeit bei Fußballspielen eingesetzt. Das führe zu Engpässen bei der Bekämpfung anderer Delikte.

Die CDU hat sich die GdP-Kritik zu eigen gemacht. Ihr Innenpolitiker Theo Kruse wirft Jäger „massive Fehlkalkulation“ vor. Seinem Konzept fehle die Rückendeckung in der Praxis. Grüne und Piraten dagegen warnen vor übereilten Schlussfolgerungen. Es sei „nicht zielführend, aufgrund vereinzelter Vorfälle schon wieder Brandreden zu halten“, so der Pirat Frank Herrmann.

Jäger wertet den Pilotversuch im August und September als „erfolgreich“. Das Konzept biete die Chance, „die verantwortungsbewusste Selbstregulierung innerhalb der Fanszene zu fördern und die Einsatzbelastung der Polizei mittelfristig zu verringern“, heißt es in einer Vorlage. Bei 25 von 56 Spielen der ersten drei Ligen waren 21,7 Prozent weniger Polizisten – 4149 statt 5300 Beamte – im Einsatz.