Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Politik

Polizei-Schelte für Einsatz der Bundeswehr

20.06.2007 | 08:39 Uhr

G8-GIPFEL. GdP-Vorsitzender Freiberg nennt Tornado-Tiefflug erschreckend und mahnt die Wahrung des Demonstrationsrechts an.

ESSEN. Der umstrittene Einsatz von Bundeswehr-Tornados beim G8-Gipfel wird auch von der Gewerkschaft der Polizei heftig kritisiert: Mit dem Tiefflug über die Köpfe von Globalierungskritikern sei eine Grenzlinie überschritten worden, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, gestern auf NRZ-Anfrage.

Die Aufarbeitung des Bundeswehreinsatzes sei eine "sehr ernste und wichtige Geschichte", so Freiberg. Die GdP sei vehement dagegen, dass die Trennlinie zwischen innerer und äußerer Sicherheit überschritten werde. Er halte es für unverantwortlich, dass die Politik die Mittel für die Polizei kontinuierlich reduziere, dann aber Bundeswehreinsätze mit den mangelnden Kapazitäten der Polizei rechtfertige.

Der "erschreckende" Einsatz der Tornados müsse ebenso besprochen werden wie der von Panzerspähwagen des Typs Fennek: "Wir müssen ganz genau über das Thema Amtshilfe diskutieren". Außerdem mahnt Freiberg: "Das Demonstrationsrecht muss gewahrt bleiben."

Christian Schmidt, Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, hat gestern im Innenausschuss des Bundestages eingeräumt, dass einer der eingesetzten Jets bei einem Flug über das Camp der G8-Gegner nahe Reddelich wegen der Wolkendecke die vorgeschriebene Mindesthöhe von 150 Meter unterschritten habe. Die Maschine sei in einer Höhe von etwa 130 Metern geflogen. Gegen die Besatzung soll ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden sein.

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Wolfgang Wieland sprach gestern von einer "neuen Qualität" eines Bundeswehr-Einsatzes im Inneren. Hubschrauber des Heeres hätten Polizeibeamte direkt ins Einsatzgeschehen geflogen, die Besatzungen der Fennek-Spähwagen hätten sehr leicht in Auseinandersetzungen mit Demonstranten verwickelt werden können: "Die Grenze zur technischen Amtshilfe wurde überschritten", so Wieland im NRZ-Gespräch. Die Grünen lassen derzeit die Erfolgsaussichten einer Verfassungklage überprüfen.

Der Republikanische Anwaltsverein (RAV) fordert die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der sich mit polizeilichen Übergriffen während des G8-Gipfels beschäftigt. Deren Bandbreite reiche von Misshandlungen über Tötungsandrohungen bis hin zu sexistischen Übergriffen. (NRZ)

JAN JESSEN

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1913935/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.