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Loveparade

Polizei beschuldigt Veranstalter

28.07.2010 | 19:24 Uhr

Düsseldorf.Für die Katastrophe bei der Loveparade macht die Landesregierung Veranstalter Rainer Schaller, aber auch die Stadt Duisburg als Genehmigungsbehörde verantwortlich.

Die Zahl der Toten stieg inzwischen auf 21. In der Nacht zu Mittwoch erlag eine 25-Jährige Frau aus Heiligenhaus ihren schweren Verletzungen.

Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) rechnet nach dem Abschluss der Ermittlungen mit Strafverfahren. „Der Veranstalter hat seinen Teil des Sicherheitskonzepts nicht eingehalten”, sagte Jäger, der einen ersten Bericht vorlegte. Teilweise sei das Ordnungssystem zusammengebrochen. Erst als die Lage sich dramatisch zuspitzte, habe der Veranstalter die Polizei um Hilfe gerufen, die eigentlich nur für den nicht abgesperrten Bereich des Geländes zuständig war. Vor diesem Hintergrund nannte es Jäger „unerträglich, dass Verantwortung von Seiten des Veranstalters und der Stadt abgeschoben wird, und zwar bevor alle Fakten bekannt sind.”

Jäger bezog sich auf einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei. Danach bahnte sich das Unglück an, als sich am Ausgang des Tunnels, der auf das Festival-Gelände führte, ein Stau bildete. Nach Rücksprache mit der Polizei seien die Ordnungskräfte des Veranstalters aufgefordert worden, die Zugänge zum Tunnel zu schließen, um eine Zuspitzung der Lage zu vermeiden. Dies sei aber nicht geschehen, während der Weg aus dem Tunnel zur Loveparade verstopft war.

Zusätzlich verschärft wurde die Situation durch Besucher, die das Gelände verlassen wollten. Bei dem Versuch, der Eskalation über eine Treppe am Tunnelausgang zu entkommen, rissen Besucher nach dem Bericht einen Absperrzaun nieder. Daraufhin seien mehr und mehr Menschen in Richtung Treppe gedrängt. „Nach Erkenntnissen der Polizei ist zu befürchten, dass inzwischen am Boden liegende Zaunelemente zur Stolperfalle wurden”, so Dieter Wehe, Inspekteur der NRW-Polizei. 14 Getötete wurden in diesem Bereich aufgefunden. Sie seien in der Menge erstickt.

Jäger und Wehe brachten weitere Kritikpunkte vor. So sei der Polizei auf ihr Verlangen erst am Samstagmorgen, dem Tag der Veranstaltung, von der Stadt die Genehmigung übergeben worden. Darin sei unter anderem erlaubt worden, die gesetzlich vorgegebene Breite und Länge der Rettungswege zu unterschreiten. Höchstens 250 000 Besucher seien auf dem Gelände erlaubt gewesen. Nach groben Schätzungen der Polizei waren 350 000 bis 500 000 Besucher in der ganzen Stadt.

Nach Angaben Wehes waren die Ordnungskräfte des Veranstalters „nicht wirksam wahrnehmbar”. Jäger kritisierte auch: „Eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen einer Stadt und ihrer Polizei stelle ich mir anders vor.”

Der Organisator der Loveparade, Schaller, wies Vorwürfe zurück, die Sicherheit bei der Loveparade vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden: „Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen.“

Theo Schumacher

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Kommentare
08.08.2010
19:56
Polizei beschuldigt Veranstalter
von wolfgang klein | #8

Sieh auf zu den Sternen.
Gib Acht auf die Gasse.
-Wilhelm Raabe-

www.loveparade2010doku.wordpress.com

05.08.2010
09:54
Polizei beschuldigt Veranstalter
von Philipp Rademacher | #7

@student: Ich will die Flutkatastrophe in Pakistan zwar nicht kleinreden, aber die 2000 Opfer sind morgen auch schon wieder Geschichte. Der Kommentar ist in meinen Augen kein Argument für gar nichts!

Des weiteren eine Durchsage an die Verantwortlichen der Loveparade:
Hören Sie bitte unverzüglich mit den gegenseitigen Schuldzuweisungen auf und warten Sie BITTE!! die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft ab!!
Ansonsten: ABGANG! UND ZWAR ALLE!! (Wolfgang Rabe, Detlef von Schmeling, Rainer Schaller, Adolf Sauerland, Dieter Wehe und Ralf Jäger). Was Sie da machen, ist den Verletzten und Toten der Loveparade absolut unwürdig und verdient eigentlich jetzt schon den Abgang der genannten Herren.

04.08.2010
22:05
Polizei beschuldigt Veranstalter
von olmo | #6

Es wird so wie immer sein bei solchen Unfällen,es wird eine geringe Schuld bei den Verantwortlichen festgestellt werden,und die Opfer werden Jahrelang um ihre Entschädigen kämpfen.

04.08.2010
12:58
Polizei beschuldigt Veranstalter
von muetze51 | #5

Ein Dienstherr wird solche schreckliche Unfälle und Versagen seiner Beamten immer Decken.
Also immer sind die Opfer schuld.

04.08.2010
12:58
Blockierter Kommentar.
von muetze51 | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.08.2010
11:05
Polizei beschuldigt Veranstalter
von Student 2010 | #3

In Pakistan sind fast 2000 Menschen umgekommen,davon wird eher spärlich berichtet!Die
Loveparade ist eh schon Geschichte!

29.07.2010
00:19
Polizei beschuldigt Veranstalter
von Marvin.M | #2

Und noch so ein Kommentar. Waren Sie dabei?? Wissen Sie wirklich, was da los war??Ich finds widerlich, dass manche Leute Ihr Süppchen auf den Köpfen von 21 Toten kochen wollen.

28.07.2010
21:50
Polizei beschuldigt Veranstalter
von unbeugsamer | #1

Es erscheint mir mehr als dubios, dass sich der Innenminister u. der Polizeiinspekteur in ihren vollmundigen Schuldzuweisungen gegen Schaller u. die Stadtverwaltung ausgerechnet auf einen Bericht von Polizeipräsident von Schaller stützen. Schaller gehört zweifelsfrei in den engen Kreis der Mittäter. Die ganze Pressekonferenz war eine reine Verdumpfbeutelung.
Der Polizeiinspekteur hatte immer nur aus dem Schreiben vorgelesen das der Polizeipräsident von Schmeling vorgefertigt hatte. Am Sonntag bei der Pressekonferenz konnte von Schmeling keine Fragen der Journalisten beantworten. Zwei Tage später zaubert einen seitenlangen Bericht für den Polizeiinspekteur aus dem Ärmel. Ein perfekt ausgearbeiteter Bericht in dem nur die Stadtverwaltung u. der Veranstalter als Schuldige in Frage kommen. Die Polizei habe sich vorbildlich benommen und träfe keinerlei Schuld. Der Verfassungsschutz als Brüderle der Polizei hätte diesen Bericht nicht besser zurechtbasteln können. Der Innenminister lies es sich nicht nehmen, zwei Aussagen von Besuchern vorzulesen, in denen die Polizei gelobt wurde. Die zahlreichen Aussagen von Besuchern, wo die Polizei massiv kritisiert wird, hat er wahrscheinlich in der Hektik in seiner Villa vergessen.

Der Veranstalter Schaller hatte wohl in der Tat die Verantwortung für die Sicherheit der Besucher auf dem Veranstaltungsgelände. Darüber hinaus hatte er zuwenig Ordner eingesetzt. Diese Ordner waren auch nicht ausreichend geschult. Es waren wohl auch viele Zeitarbeitskräfte von Kötter darunter. Also, ausgepresste Billiglöhner. Gegen 15:30 bat Schaller die Polizei um Hilfe, da er die bereits kritische Lage nicht mehr im Griff hatte. Die Polizei wurde daraufhin entsprechend aktiv. Soweit so gut, aber: Als sich gegen 16:00 Uhr die Massen zwischen den Tunnelausgängen extrem verdichteten und der Knubbel bis etwas 100 Meter die Rampe hinaufreichte hatte die Polizei fatal reagiert. Zahlreiche Polizeibeamte standen oben auf der Mauer und betrachteten interessiert das Spektakel. Darüber hinaus hatte die Polizei die Absperrung vor der Treppe an der Mauer, die später zur tödlichen Stolperfalle für viele Menschen wurde, nicht entfernt. Im Gegenteil, sie verteidigte heftig diese tödliche Absperrung. Auch wurde durch die Polizei die Notausgangs-Absperrung im Westteil des Tunnels, zwischen den Bahngleisen, heftig bis nach 17:00 Uhr verteidigt.

Das merkwürdige ist, dass zum Zeitpunkt des Horrorszenarios der obere Teil der Rampe relativ Menschenfrei war. Dies war den Polizeibeamten, die sich auf der Mauer befanden, bekannt. Belege hierfür bieten Internetvideos.

Die Polizeibeamten hätten – anstatt auf der Mauer zuzuschauen - mit ALLEN ihn zur Verfügung stehenden Mitteln die Menschenmasse, die sich zwischen den Tunnelausgängen quetschte, die Rampe hinauftreiben müssen.

Die Polizeibeamten hätten ab dem Moment als sie auf dem Gelände im Einsatz waren, die Absperrung an der Treppe beseitigen müssen.

Die Polizeibeamten hätten ab dem Moment als sie im Einsatz waren, den Notausgang im Westteil des Tunnels freigeben müssen.

All dies ist nicht geschehen. Somit müssen sich der Polizeipräsident von Duisburg, der Einsatzleiter der Polizei vor Ort u. diverse Polizisten, die gemütlich auf der Mauer standen und mehr oder weniger tatenlos zuschauten, als das Grauen seinen Lauf nahm, der vielfachen grob fahrlässigen Körperverletzung und Tötung mit verantworten.

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