"Politische Kommunikation im Web ist oft sehr einseitig"
03.05.2009 | 09:56 Uhr 2009-05-03T09:56:00+0200
Berlin. Rund 600 politisch interessierte Menschen sind in Berlin zusammengekommen. Beim Politcamp wollen sie ein Wochenende lang über Politik und das Internet diskutieren. Organisator Valentin Tomaschek erklärt, was Politiker in Sachen Facebook, Twitter & Co noch lernen müssen.
Politcamp klingt nach einem kollektiven Zeltlager von Junger Union, Jusos und Co. Also, was ist das für eine Veranstaltung?
Valentin Tomaschek: Ein konstruktiver und überparteilicher Austausch zwischen Politiker und Internetnutzer, wobei die Definition ja oft auch auf eine Person zutrifft. Oft wird davon gesprochen, den Obama-Wahlkampf zu kopieren, aber das wäre unsinnig und ist schlichtweg auch nicht möglich. Wir müssen unseren eigenen Weg finden, wie die Politik das Internet als wirksames Kommunikationsmittel nutzen kann.
Steckt da eine Partei hinter?
Tomaschek: Nein. Wir haben allerdings die Unterstützung der Parteien. Im Orga-Team befinden sich Mitglieder von CDU, SPD, FDP und Grünen, und es werden oft und gerne die Kanäle und Kontakte innerhalb der Parteien für Terminanfragen und auch sonstige Unterstützung genutzt. Das hat uns vieles erleichtert, die Unterstützung war grossartig. Auch das DGB-Bildungswerk und die Bundeszentrale für politische Bildung waren sehr wichtige Partner für uns.
Und wer darf mitmachen? Muss ich Mitglied einer Partei sein?
Tomaschek: Jeder ist herzlich willkommen. Egal, ob mit oder ohne Parteimitgliedschaft.
Gibt es ein Vorbild, oder wie entstand die Idee?
Tomaschek: Ein direktes Vorbild gibt es nicht, denn es gab vorher noch kein PolitCamp in Deutschland. Die Art der Konferenz orientiert sich an den Barcamps, die ja schon länger in Deutschland stattfinden. Das ist ein sehr offenes und konstruktives Konzept.
Die Idee kam mir, weil ich im Web und der Politik aktiv bin und dies einfach mal zusammenbringen wollte. Der Andrang hat mich zwar ein wenig überrascht, und die Organisation innerhalb von 90 Tagen über die Bühne zu kriegen war ein hartes Stück Arbeit. Aber ich freue mich sehr, dass nun mehr als 600 Teilnehmer kommen.
Was wollen Sie erreichen?
Tomaschek: Einen konstruktiven und überparteilichen Austausch. Die politische Kommunikation im Web ist oft noch sehr einseitig, und die Politik hat noch nicht verstanden, dass es nicht wie im Fernsehen, Radio oder in der Print-Presse läuft, sondern das man auch den Rückkanal nutzen muss. Momentan drängen Mandatsträger, Kandidaten und Gliederungen in die Social-Media-Plattformen und Twitter, aber haben oftmals das Konzept dahinter nicht verstanden.
Andererseits darf man dies den Politikern nicht nur vorwerfen und genervt reagieren, sondern sollte offen und konstruktiv diesen einfach mal beiseite stehen. Die Erwartungshaltung ist hoch, aber sind wir ehrlich - haben wir uns bei Twitter, Facebook und Co nicht auch erst zurecht finden müssen?
Wie ist der konkrete Ablauf des Camps?
Tomaschek: Wir haben nur zwei vorher festgelegte Sessions. Da ist einmal am Samstag die Twitter-Session und am Sonntag die "Elefanten-Session" mit den (Online-)Wahlkampfleitern aller Parteien. Ansonsten kann jeder Teilnehmer am Samstag Morgen eine Session vorschlagen und je nach Interesse wird dann der Zeitpunkt und Ort festgelegt.
Wir haben Platz und Zeit für circa 50 Sessions und schon viele Vorschläge bekommen - es wird auf jeden Fall sehr interessant. Auch ein kleines Rahmenprogramm haben wir: Freitag Abend finden im Radialsystem V ein Warm-up BBQ und eine politische Twitterlesung statt, und am Samstag Abend gibt es die grosse PolitCamp09/Wahl.de-Party in der Compuccino-Lounge, die in Fussreichweite liegt.
Was muss passieren, damit das Politcamp ein Erfolg ist?
Tomaschek: Ist es schon. Die mehr als 600 Teilnehmer zeigen deutlich, wie wichtig das Thema ist und wie gross das Bedürfnis, über den Online-Wahlkampf zu diskutieren. Ich glaube, da wird viel bei den einzelnen Teilnehmern hängen bleiben, so dass das grundsätzliche Ziel des PolitCamp auf jeden Fall erreicht wird.
Und gibt's dann künftig jedes Jahr ein Politcamp? Oder nur wenn Bundestagswahl ist?
Tomaschek: Schauen wir mal. Momentan denke ich persönlich nur daran, alles gut zu überstehen und ab Sonntag endlich wieder mehr Schlaf zu bekommen. Ich hoffe aber, wir können das nächstes Jahr wiederholen.

10:34
es gibt ein neues angebot für NRW unter http://nrw.wahlpedia.de - hier sind die Kandidaten und Parteien zur Landtagswahl gelistet. das projekt wurde beim politcamp in berlin vorgestellt, wird hier aber nicht erwähnt!
Fred
09:15
Was,bitteschön,hat dieser Verein mit Unabhängigkeit zu tun
16:25
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14:59
Diesen facebook- und twitterblödsinn braucht kein Mensch, aber die Lemminge sterben ja bekanntlich nie aus.
13:38
CDU, SPD, FDP, Grüne, DGB und der Bundeszentrale für politische Bildung. Der bessere Name für diese Veranstaltung wäre wohl Politisch-korekt-Camp.
13:12
Klar ist es einseitig, wenn die unbeliebte Seite wegzensiert wird!
11:38
Daß es in Deutschland keine guten Polit-Blogs gibt, hängt sicherlich mit einem etwas - wie soll man es ausdrücken ? - nicht gerade meinungsfreundlichen Klima in der Gesellschaft zusammen. Wenn der mainstream zu mainstreamig wird, zieht sich Otto-Normal-Bürger in´s Private zurück. Ein Verhalten, wie es bereits in DDR üblich war. Daß nun ausgerechnet Blüm, der keine Ruhmestaten für die Krisenfestigtkeit unseres Gemienwesens geleistat hat und Heiner Geißler, der sich als alter Jesuiten-Zögling im linken Posen gefällt, hier genannt werden, macht den Diskurs über den mangelnden Diskurs nicht gerade besser.
Aber, wir schweifen ab. Ich möchte mich einem meiner Vorredner anschließen und Herrn Tomaschek beglückwünschen, wie er versucht, sich versorgungstechnisch zu positionieren. ;-)
10:44
es gibt in deutschland ja auch keine guten politblogs
10:16
Dass politische Kommunikation - übrigens nicht nur in Deutschlang - fast immer sehr einseitig ist, hat etwas damit zu tun, dass die Akteure verlernt haben, einander zuzuhören. Fast immer besteht diese Komunikation darin, dass in Statements die eigenen Dogmen und Glaubenssätze heruntergleiert werden. Bei Anne Will (u. a. ) kann man das sehr schön beobachten. Ein echter Diskurs, bei dem die Argumente anderer gewürdigt werden, findet nur noch in Ausnahmefällen statt. Norbert Blüm und Heiners Geisler, um nur 2 zu nennen, haben das noch drauf. Der Rest besteht aus Leuten, die nur noch das aktuelle Parteiprogramm nachbeten können.
09:05
Dem jungen Mann hier geht es wohl weniger um Politik als vielmehr ums Geschäft. Und da organisiert man gerne mal einen Kongress, wenn man sich anschließend Politikern, Parteien und Verbänden als Experte fürs Internet verkaufen möchte. Versammelt wird dann eine Crowd, die außer ein bisschen Schäuble-Bashing keine gemeinsame politische Agenda hat (das wäre ja auch schlecht fürs Geschäft, denn man will ja mit allen Parteien! s. Artikel). Die Lebensprobleme derjenigen, die sich auf solchen Konkressen tummeln, bestehen hauptsächlich darin, ob sie sich schon einen IPod leisten können oder ob sie sich vorerst nochmal ein Linux-based-Gadget zulegen. Leider wird durch diese Art von Verkaufe Politik im Internet eher behindert als gefördert. Es ist nicht wichtig, ob Parteien endlich Twitter als zusätzlichen PR-Kanal nutzen. Von solchen Leuten jedenfalls kann man keine Impulse erwarten. Dann lieber Parteien ohne Twitter.