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„Polen umarmen, nicht verstoßen“

30.01.2016 | 05:35 Uhr

Warschau. Am Denkmal des Warschauer Aufstands ist Sigmar Gabriel für einen Moment sichtlich bewegt. Es ist ein besonderer Ort: Das Denkmal erinnert an den Aufstand polnischer Bürger gegen die deutsche Besatzungsmacht 1944. Die Erhebung ist eines der wichtigsten Symbole für den Freiheitswillen der Polen. „Wir haben schwierige Zeiten hinter uns“, sagt der Vizekanzler, als er das Denkmal verlässt, „trotzdem hat sich Polen immer an Europa orientiert.“

Polen liegt ihm am Herzen, Dutzende Male war er schon hier. Er sagt: „Ich mag das Land ungeheuer.“ Das Gedenken an den Aufstand ist eine besondere Geste, Gabriel erklärt sie mit einer eindringlichen Botschaft: „Wir müssen Polen umarmen, nicht verstoßen.“ Bei allen Meinungsverschiedenheiten solle alles dafür getan werden, nicht Gräben aufzureißen.

Das ist die Mahnung, die er bei seinen Treffen mit Präsident Andrzej Duda, mit Vizepremier Mateusz Morawiecki und Energieminister Krzysztof Tchorzewski hinterlässt. Der Besuch ist Teil einer Gesprächsoffensive von SPD-Politikern. Erst vor einer Woche war Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Warschau zu Gast bei seinem polnischen Kollegen, zeitgleich mit Gabriel hält sich SPD-Schatzmeister Dietmar Nietan in Polen auf.

Viel hat sich zuletzt angestaut. Da ist die Sorge in Berlin und in der EU, die neue nationalkonservative Regierung gefährde durch Reformen des Verfassungsgerichts und der Medien rechtsstaatliche Grundsätze. Und dann ist da noch der Streit um das Gas-Pipeline-Projekt Nord Stream II von Russland nach Deutschland – Gabriel befürwortet das Vorhaben, für Polen ist die Gasversorgung eine Frage der Sicherheit, die durch die Pipeline gefährdet wird.

Gabriel verweist auf freie unternehmerische Entscheidungen und sichert zu, polnische Interessen und Bedenken würden berücksichtigt. Das Muster zieht sich durch alle Begegnungen. Gabriel weicht den Differenzen nicht aus, aber er will verhindern, dass sich Fronten verhärten. „Deutsche und Polen werden ganz enge Freunde bleiben“, sagt er.

Christian Kerl

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„Polen umarmen, nicht verstoßen“
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2016-01-30 05:35
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