„Plötzlich war der Tod in ihrem Leben“

Düsseldorf..  „Manchmal kann jedes Reden viel Schaden anrichten“, sagt Detlev Toonen und schaut auf die improvisierte Gedenkstätte am Düsseldorfer Flughafen, die jeden Tag wächst. Er hat in den vergangenen Tagen Menschen verstummen sehen – vor Trauer. Hat erlebt, wie andere ihren Schmerz und ihren Verlust so hinaus schrien, dass ein Arzt gerufen werden musste. Toonen ist evangelischer Flughafenseelsorger in Düsseldorf.

„Wir haben für solche Notfälle einen Plan“, sagt Toonen. Mit „wir“ meint er seinen katholischen Seelsorge-Kollegen Christoph Dörpinghaus sowie Dr. Sabine Rau vom psychologischen Dienst der Stadt, Notfallseelsorgeteams aus Düsseldorf, dem Kreis Mettmann und Solingen. Dazu ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter des Airports, die sich blaue Westen mit der Aufschrift „Care Team“ überziehen. Die erste Aufgabe: Angehörige und Abholer zu finden und in einen geschützten Bereich zu bringen.

Viele Menschen tendierten dazu, in Katastrophen etwas tun zu müssen, etwas sagen zu müssen. Wer Angehörige betreut, die noch zwischen Bangen und Hoffen sind, muss diesen Drang ablegen. „Es gibt keine Patentrezepte“, sagt Toonen. Man müsse achtsam sein und den Angehörigen signalisieren, wir sind da, wir kümmern uns um euch. Die Betroffenen seien froh um jeden Ansprechpartner. Eine von Toonens Mitarbeiterinnen kümmert sich um ein Ehepaar, das sich darauf freute, bald Oma und Opa zu werden. Ihre schwangere Tochter saß in der Maschine. In solchen Situationen muss Toonen funktionieren. Organisieren. Kritisch beobachten und auch mal Helfer in eine Auszeit, in einen separaten Raum schicken. Mitten hinein in diese Flut an Anforderungen kam ein Anruf von Flughafenbediensteten: „Bitte kommen Sie schnell!“ Eine Mitarbeiterin saß weinend am Schalter. Sie hatte vor einer Woche eine fröhliche Schülergruppe aus Haltern auf dem Weg nach Barcelona abgefertigt. „Plötzlich war der Tod im Leben dieser Frau“, sagt Toonen.

Der Seelsorger hat sich freiwillig gemeldet, um eine Fürbitte für den Co-Piloten in der Kirche zu lesen. Toonen sagt: „Er ist ein Geschöpf Gottes. Er verdient Achtung und Respekt – trotz allem.“