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Plagiatsaffäre

Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere

19.12.2012 | 17:37 Uhr
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) steht wegen ihrer Doktorarbeit unter Druck.Foto: Getty Images

Düsseldorf/Berlin.   Die Universität Düsseldorf prüft die Doktorarbeit von Wissenschaftsministerin Annette Schavan weiter. An 60 Textstellen ihrer 351 Seiten langen Arbeit soll Schavan unkorrekt zitiert haben. In Berlin kursieren erste Planspiele für den Fall ihres Rücktritts.

Sie schweigt. Die Selbstdisziplin von Annette Schavan wird hart auf die Probe gestellt. Überrascht, ja schockiert wurde in der Bundesregierung die Nachricht aus Düsseldorf aufgenommen: Die Promotionskommission der Heinrich-Heine-Universität hatte empfohlen , ein Verfahren zur Aberkennung des Doktortitels der Bildungsministerin zu eröffnen. „Entweder handelt es sich um ein Plagiat oder nicht, dazwischen gibt es nichts“, erklärte gestern ein Sprecher der Universität. Eine Rüge oder etwa eine Herabstufung von Schavans Note „magna cum laude“ auf „cum laude“ oder „rite“ ist demnach nicht vorgesehen.

In der Bundesregierung hatte man mit der Zuspitzung schon nicht mehr gerechnet, im Gegenteil. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) läuft Gefahr, mitten im Wahljahr ihr Kabinett umbilden zu müssen. Merkel drängt ihre Ministerin nicht aus dem Amt. So lange Schavan die Nerven behält, ist jeder weitere Monat ein Zeitgewinn; insbesondere die wenigen Wochen bis zur Wahl in Niedersachsen am 20. Januar.

Übernimmt der Staatssekretär?

Ein Neuanfang im Bildungsministerium macht politisch keinen Sinn: Im September wird eine neue Regierung gewählt, der Bundestag tagt planmäßig zum letzten Mal am 28. Juni. Man kann so gut wie nichts gestalten. Für eine Übergangszeit könnte Merkel das Ressort entweder selbst führen oder einem anderen Minister anvertrauen. Der einfachste Weg wäre es, dem parlamentarischen Staatssekretär Thomas Rachel (CDU) die Verantwortung zu übertragen.

Schavan
Kommission sieht Plagiats-Vorwürfe bestätigt

Die Promotionskomission der Uni Düsseldorf hat die Doktorarbeit von Bundesbildungsministerin Annette Schavan geprüft und kommt zu einem vernichtenden Urteil: Sie empfiehlt, der CDU-Politikerin den Doktortitel abzuerkennen. Der Fakultätsrat wird darüber im Januar entscheiden.

Der Faktor Zeit ist entscheidend. Keiner geht davon aus, dass die Ministerin zurücktritt, sollte der Fakultätsrat am 22. Januar 2013 das Verfahren einleiten. Der Schritt wäre allerdings dann unvermeidlich, wenn die Hochschule zum Ergebnis käme, dass Schavan bei ihrer Doktorarbeit absichtlich getäuscht hat.

Bei Silvana Koch-Mehrin (FDP) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU ) ging alles ungleich schneller, die politischen Konsequenzen wie die Reaktionen ihrer Hochschulen. Beim früheren Verteidigungsminister brauchte die Universität Bayreuth drei Monate. Zwei Monate benötigte die Hochschule Heidelberg, um der liberalen Europapolitikerin den Titel abzuerkennen.

„Leitende Täuschungsabsicht“

Schavans Fall ist komplizierter. Es liegt bereits ein Gutachten vor, das die Ministerin belastet, aber es ist gut möglich, dass der Fakultätsrat am 22. Januar ein Zweitgutachten einfordert, überdies Schavan und ihren früheren Doktorvater vorlädt. Darüber würden weitere Monate vergehen. Bei Guttenberg hatte Merkel erklärt, sie habe ihn als Minister bestellt, „nicht als wissenschaftlichen Assistenten“. So würde sie sich nicht mehr verhalten, und das, obwohl ihre Wertschätzung für Schavan größer ist. Die Fallhöhe ist bei beiden Ministern hoch, beim CSU-Mann politisch, bei Schavan persönlich. Die Vorwürfe träfen sie „im Kern von dem, was mir wichtig ist“, sagt sie einmal.

Nachricht vom 10. November
Schavan weist in Stellungnahme Plagiatsvorwürfe zurück

Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat laut einem Medienbericht in einer Stellungnahme die Plagiatsvorwürfe um ihre Doktorarbeit zurückgewiesen. An der Uni Düsseldorf läuft ein Verfahren gegen sie. Die Uni wirft Schavan eine "leitende Täuschungsabsicht" vor.

In dem entscheidenden Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät sind Professoren, Mitarbeiter und Studenten vertreten. Zu prüfen hätten sie Schavans Dissertation von 1980. An 60 Textstellen ihrer 351 Seiten langen Arbeit soll die Ministerin unkorrekt zitiert haben.

Eine vernichtende Vorlage hatte Dekan Bruno Bleckmann bereits vom Promotionsausschuss bekommen. Dessen Vorsitzender, der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher, hatte in einer Stellungnahme eine „leitende Täuschungsabsicht“ und das „charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ attestiert. Dies war im Oktober an die Öffentlichkeit gelangt. In Düsseldorf wird nicht erwartet, dass der Fakultätsrat, dem Rohrbacher ebenfalls angehört, zu einer völlig anderen Einschätzung gelangen wird.

Tobias Blasius und Miguel Sanches



Kommentare
22.12.2012
14:18
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von Murphy07 | #26

Hallo # 25..das sie nicht mehr kandidiert hat war garantiert nicht freiwillig. Der neue der ihren Platz einnimmt sowohl in BW und im Bundesvorstand ist Herr Strobl!!! Und er ist der Schwiegersohn von Schäuble. Er wird aufgebaut und wird jetzt überall instaliert. Er muß die Schäuble Familientradition weiterführen und so benimmt er sich auch.
Man hat natürlich freundlich unterbreitet entwerder freiwillig oder mit Wahlgewalt. Das hat Strobl auch bei Mappus gemacht..erst ins Gedärm von ihm gekrochen und danach von all den fiesen Sachen Mappus nichts gewußt haben....Wenn die Schavan wirklich die christlichen Werte besitzt würde sie gehen und dies dann aufrecht. Bevor das Gericht das Urteil spricht und sie als Ministerin zurücktreten muß!

21.12.2012
13:56
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von michalek | #25

Jetzt weiß jeder warum sie für einen Posten im CDU Vorstand nicht mehr zur Verfügung steht und politisch sowie taktisch rechtzeitig ausgestiegen ist. Nur das es ein freiwilliger Rückzug der ausgerechnet nach dem die ersten Vorwürfe im Mai bekannt wurden war, glaubt ihr wohl keiner mehr so ganz.

21.12.2012
03:04
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von fragender123 | #24

Anette Schavan: Sie schweigt.

Angela Merkel: Sie schweigt.

Helmut Kohl: Er schweigt.

Roland Koch: Er schweigt.

Wolfgang Schäuble: Er schweigt.

Und neben ihrem Schweigen sind sie auch noch alle in der CDU/CSU.

Warum überrascht mich das wohl nicht?

1 Antwort
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von wohlzufrieden | #24-1

Aber was noch viel schlimmer ist: Der Wähler schweigt auch...

20.12.2012
19:30
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von holeve | #23

Bei dem Alter von A. S. von Karriereende zu schreiben, klingt irgendwie ein wenig naiv. Sie hat die Karriere hinter sich und sollte wie jeder andere Plagiatsbetrüger alle Gehälter, Pensionsansprüche und Einnahmen, die aufgrund des Dr.-Bonus entstanden sind, zurückzahlen oder versagt bleiben. Unsere Arbeitsministerin wird ihr sicherlich eine Rente auf der Grundsicherungsbasis dann nicht abschlagen und diese ist ja so was von hoch....

20.12.2012
18:40
Gesundheitspolizei
von wohlzufrieden | #22

Jetzt fallen alle über Frau Schakal her, ist aber nicht unüblich...

20.12.2012
14:59
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von Nixlos | #21

Seine Dissertation zu fälschen ist unter aller S..., keine Frage, sich vor Schadenfreude über Fehler Anderer diebisch zu freuen und durch pseudooriginelle Beleidigungen in den Vordergrund zu treten ist aber auch nicht viel besser.

20.12.2012
14:33
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von Entschuldigung | #20

Naja,
wir kennen doch unsere Christdemokraten.
Ehre und Ehrenwort hochhalten, um dann später schnell abzutauchen.
Wo iss Gutti im Moment? Was macht Wulff, ...
Die FDP will da nicht hinten anstehen und hat Koch-Merin ins Rennen geschickt.
Die haben schon alle ihre Dr.Arbeit abgeschrieben.
Ihre Poliztik lassen sie sich von Banken, (Pharma)Konzernen, Hoteliers, ... vorschreiben!
Deuttschland schafft sich ab,
zumindest als Volk der Dichter und Denker-
heute nur noch Diebe und Dumme!

20.12.2012
13:00
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von trickflyer | #19

frau schalatan fällt doch weich.dank steuerzahler.wie linkmichel wulff.

20.12.2012
12:57
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von bonafide | #18

so sind sie unsere Christen..Wasser predigen und Wein trinken...oder Moral predigen und die Hure entlohnen.

Mir kommt das so vor wie der Taschendieb, der sich auch nicht erklären kann woher er die ganzen Geldbörsen hat??
Sind im irgendwie zufällig zugeflogen..

Wer den Vorsatz gleiches Recht für alle predigt sollte sich daran erinnern wenn es ihn selbst betrifft..

20.12.2012
12:56
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere
von wohlzufrieden | #17

Die Schlagzeile ist falsch. Denn Ihre Karriere hat Frau Schavan ganz alleine gefährdet. In einem (leicht umgeänderten) lustigem Lied heißt es dazu im Text: " Schützen-Lisel, dreimal hats gekracht, Schützenlisel, diesen Mist hast DU gemacht!"

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