Pillen-Mix bringt Patienten in Gefahr

Düsseldorf..  Ein falscher Medikamenten-Mix macht immer mehr Menschen krank. Nach Angaben von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) nehmen 1,5 Millionen Menschen in NRW täglich fünf oder mehr Medikamente parallel ein. Die Folge: Fünf Prozent aller Krankenhausfälle in NRW werden auf Nebenwirkungen von Medikamenten-Cocktails zurückgeführt – das sind 215 000 Patienten im Jahr. Für 4300 Patienten endete dies tödlich. In einem Modellprojekt im Siegerland konnte durch die bessere Abstimmung der Ärzte die Wirkstoffmenge der Medikamente in einem Jahr um 17 Prozent gesenkt werden.

Gemeinsam mit Kassenärzten und Krankenkassen in NRW setzt Steffens auf mehr Arzneimittel-Therapiesicherheit vor allem für Senioren. Notwendig sei ein abgestimmtes Arzneimittelmanagement, bei dem Haus-, Fachärzte und Apotheken über verabreichte Medikamente informiert seien. Obwohl die über 65-Jährigen nur 22 Prozent der Bevölkerung stellen, schlucken sie 57 Prozent der Medikamente. „Einzelne Präparate werden häufig von verschiedenen Ärzten verordnet oder frei hinzugekauft und sind nicht miteinander abgestimmt“, warnte Steffens vor gefährlichen Folgen durch Medikamenten-Cocktails. Die parallele Einnahme mehrerer Arzneimittel könne die Wirkung der Präparate herabsetzen.

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Wolfgang-Axel Dryden, beschrieb den Modellweg im Siegerland: Dort werde ein Arzt informiert, wenn ein Patient über zwei Quartale hinweg parallel fünf und mehr Medikamente täglich einnimmt. Dies habe zu weniger Verordnungen geführt. Positiver Nebeneffekt: Die Kosten der Arzneimittel für ein halbes Jahr sanken um elf Prozent – gleich 92 Euro - pro Patient.

Steffens legte Wert darauf, dass Kliniken und Pflegeheime einbezogen werden müssten. Auch könne jeder Patient bei seinem Arzt oder der Krankenkasse einen Medikationsplan anfordern, in den alle Wirkstoffe eingetragen und auf ihre Vereinbarkeit geprüft werden.

Die Gesundheitsministerin sprach sich für eine flächendeckende Einführung von Medikationsplänen aus, weil dies wegen datenschutzrechtlicher Bedenken mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte bisher nicht möglich sei. Zudem müsse es eine „zielgruppenorientierte Gesundheitskarte“ für interessierte Senioren geben.