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PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?

07.07.2011 | 12:09 Uhr
PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?
Der Bundestag entscheidet über die Zulassung der umstrittenen Gentests an Embryonen aus kuenstlicher Befruchtung. (Foto: dapd)

Berlin.   Gentests an Embryonen können nicht sicherstellen, dass Eltern ein gesundes Kind bekommen, sagt Katrin Göring-Eckardt. Ex-CDU-Generalsekretär Peter Hintze will Müttern die Qual einer Totgeburt ersparen. Beide Politiker im Interview mit DerWesten.

Gentests an künstlich befruchteten Embryonen können nicht sicherstellen, dass Eltern ein gesundes Kind bekommen, sagt Katrin Göring-Eckardt (Grüne). Die Vizepräsidentin im Bundestag ist gegen die PID. Bei einer Zulassung befürchtet sie, dass der Mensch entscheidet, welches Leben gelebt werden darf.

Ex-CDU-Generalsekretär Peter Hintze will Müttern die Qual einer Totgeburt ersparen. Deshalb befürwortet der Theologe die PID. Er sieht den Rechtsfrieden in Deutschland gestört, wenn sich heute im Bundestag die Gegner von Gentests an künstlich befruchteten Embryonen durchsetzen.

Warum ist es ethisch nicht vertretbar, die PID zuzulassen?

Katrin Göring-Eckardt: Aus zwei Gründen. So sehr man die einzelnen Paare verstehen kann, so wenig kann man ihnen konkret versprechen, dass sie durch die PID ein gesundes Kind bekommen. Nur vier Prozent der Behinderungen sind schon vor der Geburt ablesbar. Zudem würden mit der PID-Zulassung Embryonen nicht nur auf lebensbedrohende Beeinträchtigungen getestet, sondern auch auf Krankheiten, die erst später im Leben auftauchen könnten. Etwa Krebs, der längst behandelbar ist. Dies führt zu weit.

Warum ist es ethisch vertretbar, die PID begrenzt zuzulassen?

Peter Hintze: Die PID ermöglicht Eltern mit verhängnisvollen erblichen Vorbelastungen „ja“ zum Kind zu sagen. Sie vermeidet einen schweren Schwangerschaftskonflikt, der im schlimmsten Fall in eine Abtreibung führt. Deshalb halte ich es für ethisch geboten, die PID zuzulassen.

Keine Garantie durch PID: Katrin Göring-Eckardt (Die Grünen). (Foto: Imago)

Darf der Staat den Eltern verbieten, einen Gentest machen zu lassen?

Göring-Eckardt: Der Staat hat nicht nur eine Fürsorgepflicht gegenüber den Eltern, sondern auch gegenüber behinderten Menschen. Wir würden ihnen mit einer PID-Erlaubnis signalisieren, dass wir sie aussortieren.

Darf sich der Staat in die Entscheidung der Eltern einmischen, einen Gentest machen zu lassen?

Hintze: Der Staat sollte sich in diesem sensiblen Bereich äußerst zurückhalten. Es geht hier wesentlich um eine Gewissensentscheidung der Eltern auf der Grundlage einer umfassenden Beratung.

Handeln die PID-Befürworter „unethisch“, indem sie eine Erlaubnis von Gentests fordern?

Göring-Eckardt: Die Kategorisierung ethisch und unethisch führt uns nicht weiter. Wir können nur im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen abzuwägen, welche ethischen Entscheidungen wir treffen. Auch die Befürworter sind in einen ethischen Kontext eingebunden, wenn auch in einen anderen.

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Der Bundestag hat über Erbguttests an Embryonen entschieden. Halten sie die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID) für richtig?

 

Handeln die PID-Gegner „unethisch“, indem sie ein Verbot von Gentests fordern?

Hintze: Ich habe große Schwierigkeiten zu verstehen, warum unsere Rechtsordnung den Schwangerschaftsabbruch straflos lässt, aber die Vermeidung des Schwangerschaftsabbruchs verboten werden soll. Das wäre ein schwerer Wertungswiderspruch.

Welche Folgen hätte es, wenn sich die Befürworter im Bundestag durchsetzen sollten?

Göring-Eckardt: Dann würden wir Embryonen aussortieren und entscheiden, welches Leben gelebt werden darf. Außerdem muss man für die PID acht Embryonen pro Zyklus herstellen und verstößt damit gegen das Embryonenschutzgesetz. Denn erlaubt sind nur drei. Und wir würden ein Heilsversprechen – nämlich ein gesundes Kind zu bekommen – geben, das die Medizin nicht einlösen kann.

Peter Hintze: „Aus einer befruchteten Eizelle kann nur ein Mensch werden, wenn die Einnistung im Mutterleib stattfindet.“

Welche Folgen hätte es, wenn sich die Gegner im Bundestag durchsetzen sollten?

Hintze: Ich fürchte, damit würde der Rechtsfrieden gestört. Dann würde diese wichtige medizinische Hilfe, die Müttern die Qual einer Totgeburt ersparen kann, verweigert werden. Die Bürger wünschen sich eine stimmige Rechtsordnung und würden es ablehnen, wenn der Staat in einer so existienziellen Frage Ärzte und Mütter in einen Zwang zum Unwissen bannen würde.

Ist eine befruchtete Eizelle in einer Petrischale schon ein Mensch?

Göring-Eckardt: In dem Embryo ist alles angelegt, was ihn zum Menschen machen wird. Das ist für mich entscheidend.

Hintze: Ich mache einen deutlichen Unterschied zwischen einer befruchteten Eizelle in einer Petrischale, in der das genetische Programm enthalten ist, das sich zu einem oder mehreren Individuen entwickeln kann, und einem Menschen wie du und ich. Aus einer befruchteten Eizelle kann nur ein Mensch werden, wenn die Einnistung im Mutterleib stattfindet.

Interview: Daniel Freudenreich

Daniel Freudenreich

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Kommentare
07.07.2011
13:45
PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?
von Pottriotin | #6

Hier sortiert man dann nur Behinderte aus, in anderen Ländern ist man da schon weiter... So stand gestern auf Spiegel-Online, dass in Indien, China und Co. auf 100 Mädchen teilweise schon 200 Jungen kommen. Weil Mädchen den Eltern weniger wert sind, und dementsprechend abgetrieben oder nach der Geburt getötet werden...

Mal abgesehen von der Ethik solchen Handelns führt es auch zu einem krassen Ungleichgewicht der Geschlechter. Vielleicht sollte man auch bei solchen Debatten einfach mal über die eigenen Landesgrenzen hinweg schauen.

Die Mächte, die ich einmal rief...

07.07.2011
13:01
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von kollo | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.07.2011
12:53
PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?
von Applebeach4Ever | #4

So..hab mal meine Beiträge gefunden und kopiere sie hier rein:

Teil 1
Als Vater eines Schwerbehinderten Kindes (Microcephalie / Lissencephalie) sehe ich dem ganzen auch gemischt gegenüber. Wr haben auch relativ früh erfahren,das unser Kind behindert zur Welt kommt und uns für die Geburt entschieden.
(Anmerkung: Für diejenigen,die der Meinung sind,ich laber Blödsinn: In der WR gab es vor etlichen Jahren sogar einen Artikel über uns: Julia meistert ihre Behinderung)

Jedoch würde ich so einiges begrüßen: Mehr Entscheidungsfreiheit seitens der Eltern nämlich ! OK,irgendeine Religion behauptet,das man das Kind tötet,ich behaupte,das ein Kind erst dann lebt,wenn es zur Welt gekommen ist und selbstständig atmet. Ausserdem ist die Medizin dank der Gentechnik mittlerweile soweit fortgeschritten,das man sehr früh eine Behinderung entdecken kann. Warum sollte das verwerflich sein ? Wieviele Kinder werden in Pflegeheime abgegeben,weil die Eltern schlichtweg überfordert sind ? Auch wir haben nach 6 Jahren aufgegeben. Unsere anderen gesunden Kinder wurden immer zurückgedrängt. geht nicht wegen Julia- können wir grad nicht,weil Julia... usw. So blieb uns die Entscheidung: 3 gesunde Kinder mehr oder weniger zu vernachlässigen,oder Julia in ein Pflegeheim zu geben. Wir haben uns für letzteres entschieden. Aber das sind so Sachen, die die Gegner nie sehen.Sie sehen nur da wird ein Mensch getötet durch Selektion - und das ist schlichtweg falsch !

Wenn die WR will, kann sie sich ja mal mit uns in Verbindung setzen wie es uns in den Jahren seit den ersten Artikel ergangen ist.

Also ich bin definitiv Pro Erbguttest !

Teil 2:
Wie würdest du darüber denken wenn du:

-nicht mehr arbeiten gehen kannst weil dein Kind sämtliche Zeit in Anspruch nimmt
-ständig zu Ärzten,Kliniken mußt
-dein Leben 100 % auf das Kind abgestimmt wird
-deine evtl anderen Kinder vernachlässigen mußt,weil das eine sämtliche Aufmerksamkeit benötigt
-Urlaub etc wegfällt,weil man mit einem Schwerstbehinderten Kind nicht mal eben nach Malle fliegen kann
-Bekanntschaften/Freunde weglaufen,weil man wegen dem Kind keine Zeit mehr hat
-Familienmitglieder sich abwenden,weil man sich für das Kind entschieden hat ?
-dein (behindertes) Kind irgendwann mal ohne dich dasteht,weil du zu Alt bist oder stirbst.

Denk mal über DIESE Aspekte nach !

Nachzulesen unter: http://www.derwesten.de/incoming/Pro-und-contra-Erbguttests-id4843879.html

07.07.2011
12:48
Blockierter Kommentar.
von Applebeach4Ever | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

07.07.2011
12:47
PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?
von wohlzufrieden | #2

Vorrang hat das Wohl der Menschen, und keine verkrampfte Mittelalterliche Pseudo-Moral.

07.07.2011
12:46
PID - ethisches Problem oder Hilfe für die Eltern?
von adeD | #1

Göring-Eckardt: Dann würden wir Embryonen aussortieren und entscheiden, welches Leben gelebt werden darf.
Mich würde jetzt brennend interessieren, wie Frau Göring-Eckardt zur Abtreibung steht. Da werden nämlich keine Embryonen (Zellen) sondern Embryos (Lebewesen in einer frühen Form der Entwicklung) aussortiert.

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