Philosoph Precht vergleicht deutsches Schulwesen mit Bulimie
27.08.2012 | 08:40 Uhr 2012-08-27T08:40:31+0200
Hamburg. Der Philosoph Richard David Precht vergleicht das deutsche Schulwesen mit der Essstörung Bulimie: "Wissen ganz schnell in sich hineinstopfen und wieder auskotzen". Vor dem Start seiner ersten eigenen TV-Show fordert Precht nicht weniger als eine Revolution des Schulsystems.
Der Philosoph Richard David Precht hat dem deutschen Schul- und Bildungssystem ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Dieses System muss nicht reformiert werden, es muss revolutioniert werden", sagte der Bestsellerautor ("Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?") im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd in Hamburg. "Wäre die Schule ein Wirtschaftsunternehmen, wäre sie längst pleitegegangen. Wäre die Schule ein Staatssystem, wäre sie längst kollabiert", sagt der 47-Jährige, dessen erste eigene Sendung mit dem Namen "Precht" am kommenden Sonntag (23.30 Uhr) im ZDF startet .
Das Thema der ersten Ausgabe des 45-minütigen Formats lautet "Skandal Schule - Macht lernen dumm?". Als Gast hat Precht den Hirnforscher Gerald Hüther eingeladen - wie Precht selbst ist auch Hüther ein scharfer Kritiker des Schul- und Bildungssystems.
Unglaublich wenig übrig
Ein Schulkind gehe 100.00 Stunden in die Schule, sagte Precht und fügte hinzu: "Und wenn man als Erwachsener vor der Aufgabe stehen würde, in dem Stoff des achten Schuljahres geprüft zu werden, dann sähe das Folgendermaßen aus: Sie würden merken, dass von all dem, was Sie in den 100.000 Stunden gelernt haben, unglaublich wenig übrig geblieben ist."
Nach Angaben des Philosophen macht Deutschland in der Schule "alles falsch". Es mache keinen Sinn, an einem Tag fünf oder sechs verschiedene Fächer zu haben. "Wir lernen zu viel Wissen, das wir wieder vergessen dürfen. Wir lernen nach dem Prinzip des Bulimielernens: Ganz schnell in sich hineinstopfen und wieder auskotzen", kritisiert der 47-Jährige. Für das, was die Gesellschaft in Zukunft brauche, bräuchten wir anders ausgebildete Kinder.
So fordert der Philosoph, dass Kinder ihre Neugier und Begeisterungsfähigkeit behalten: "Wenn ich mit meinem Sohn über den Schulstoff rede, zum Beispiel über Römer, dann hängt er an meinen Lippen. Wenn er das in der Schule macht, langweilt er sich."
Eine Kunst, die maximal eine Sekretärin beherrschen müsse
Die Praxisnähe ist nach Einschätzung des Philosophen nur ein Teil unter vielen: "Ich möchte, dass die Kinder lernen, ihre Kreativität einzusetzen. Und nicht, dass die Kinder lernen, etwas Vorgefertigtes zu reproduzieren." Das sei nämlich eine Kunst, die maximal eine Sekretärin können müsse. "Für die gibt es aber künftig weniger Bedarf, weil die einfachen Berufe, für die sie in der Schule ausbildet werden, verschwinden", sagte Precht. Die Berufe würden immer anspruchsvoller. "Da müssen sie Problemlösungs-Know-How haben. Und das lernen sie nicht in der Schule", kritisiert Precht, dessen neues Buch 2013 erscheint - Thema: das deutsche Bildungssystem. (dapd)

11:24
Precht hat nicht Recht – unser Schulsystem ist nicht schlecht
Prof. Richard David Precht diskutierte am 2. September 2012 im ZDF mit Prof. Gerald Hüther über das deutsche Schulsystem „Macht Schule dumm?“ und verglich es mit einem fehlgeleiteten Wirtschaftsunternehmen, weil von 100000 Stunden Schule nur ein Bruchteil des Erlernten im Gedächtnis bleiben würde. In einem Sozialstaat ist schulische Bildung unter solchen ökonomischen Gesichtspunkten zu betrachten verwerflich.
Herr Precht kritisiert das Bildungsmanagment unserer Schulen, weil Schüler sich später kaum noch an das Wissen aus ihrer Schulzeit erinnern würden. Genau darin liegt der Fehler seines philosophischen Exkurses. Die Schule ist keine berufliche Ausbildungsstätte, sondern soll Reife vermitteln. Dazu gehören die Konfrontation mit Wissen und das Training des Gedächtnisses. Das Auswendiglernen von Gedichten, die Vermittlung von Fakten der deutschen Geschichte oder der Gesetze der Wissenschaft haben dabei nichts mit der später
13:53
Gestern kam unser Sohn endlich mit dem Stundenplan (8. Klasse) und wir waren mittelmäßig erschüttert. Wie soll ein Kind in der Schule etwas lernen, wenn bis zu den Herbstferien nur ein provisorischer Stundenplan existiert und erfahrungsgemäß nach den Herbstferien schon auf die Weihnachtsferien hingearbeitet wird. Lernen findet meist erst in der zweiten Schuljahreshälfte statt.
Sicher gibt es auch Schulen, wo tatsächlich auch Lerninhalte dauerhaft vermittelt werden, aber davon scheint es in unserer Stadt nur zwei Gumminasien zu geben.
12:50
Heute kann nur gemeckert werden.
Unser einer hat früher auch lernen können, und die Bedingungen waren ganz andere.
Aber heute sind die Kinder Halbgötter, dürfen alles, müssen nichts: nicht einmal lernen!
20:44
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17:06
Und weil unser Schulsystem so miserabel ist, produziert es die besten Ingenieure, Ärzte und Naturwissenschaftler der Welt? Ähem, nun gut, in der Philosophie spielen wir nur noch zweite Geige, was einem nach dem Geblubber von Precht auch nicht wundert (welches philosophische Werk ist mit seinem Namen noch einmal verknüpft???).
16:38
Das ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt und niemanden von den "Entscheidern" interessiert das, weil von dem Elend nur die anderen betroffen sind: Schüler, Studenten, Lehrlinge. Sie werden das ausbaden müssen. Die Entscheider selber sind inkompetent, uninteressiert, wissen trotz vieler Forschungen nicht, wie lebendiges Lernen funktioniert, sogar heute gibt es noch Frontalunterricht (ohne Erfolg). Selbst die alberne Installation von Computern in Schulen ist nur Ausweis vollkommener Inkompetenz.
16:11
Wenn ein Mann nicht einmal den Unterschied kennt zwischen einem Gespräch mit deinem Sohn, der "an seinen Lippen hängt" und dem Unterricht in der Schule, wo ein Lehrer eine ganze Klasse unterrichtet, dann disqualifiziert er sich damit selbst.
Wie sagte schon Boethius (ca. 475–525 n. Chr.):
"si tacuisses, philosophus mansisses"
15:39
Der Mann sollte sich mal untersuchen lassen
14:39
Unglaublich! Der Mann sieht völlig anders aus und tritt völlig anders auf als Herr Sarrazin, und doch vermarktet er sich mit der gleichen Masche.
Er erzählt uns nämlich etwas, was im Grunde genommen alle schon lange wissen. So gesehen braucht der Herr Precht unser Schulwesen genau so nötig wie Herr Sarrazin die Ausländer.
Die einzig wirklich interessante Frage, die sich aus den Erkenntnissen des Herrn Philosophen ergibt, lautet übrigens:
Stellt der Herr Jauch seine Sendung ein, nachdem er dieses Buch gelesen hat? Dann wird leider keiner mehr im Handumdrehen Millionär, außer Herrn Precht und Herrn Sarrazin natürlich, und die brauchen dafür noch nicht mal besonders viel zu wissen.
13:22
Reine Provokation - einziges Ziel: Werbung für sich selbst - für seine Sendung.
Na hoffentlich gerät der Mann nicht mal an eine Sekretärin mit Problemlösungs-Know-How oder einer der Menschen in den einfachen Berufen erklärt ihm, was er der Hochgebildete demnächst alles alleine erledigen darf.
Die meisten Show-Menschen "reproduzieren" übrigens auch nur Vorgefertigtes.
Seine Eigenwerbung kontraproduktiv - den Abend kann man sinnvoller nutzen.