Petry entmachtet AfD-Gründer Lucke, Partei rückt nach rechts

Immer nur (gequält) lächeln: Die neue AfD-Chefin Frauke Petry entmachtete auf dem Essener Parteitag ihren Vorgänger Bernd Lucke. Es mag der letzte Handschlag der beiden gewesen sein. Rechts im Bild Konrad Adam.
Immer nur (gequält) lächeln: Die neue AfD-Chefin Frauke Petry entmachtete auf dem Essener Parteitag ihren Vorgänger Bernd Lucke. Es mag der letzte Handschlag der beiden gewesen sein. Rechts im Bild Konrad Adam.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Parteigründer Bernd Lucke muss sich beim Essener AfD-Parteitag seiner Kontrahentin geschlagen geben. Mit der neuen Chefin rückt die Partei nach rechts.

Essen.. Aus, vorbei. Parteigründer Bernd Lucke stopft seine Utensilien in den Rucksack und verlässt fast schon fluchtartig das Podium – während die neue AfD-Vorsitzende Frauke Petry in ihrer Dankesrede ans Parteivolk nachtritt und mit weiteren Demütigungen des Rivalen jede Aussöhnung unmöglich macht. Kurz zuvor hatte sich die sächsische Landesvorsitzende am Samstag auf dem Sonderparteitag der AfD mit satter 60-Prozent-Mehrheit gegen Lucke durchgesetzt. Am Sonntag endete der Parteitag nach tumultartigen Verlauf.

Zu Petrys Stellvertreter wurde der Professor für Volkswirtschaft, Jörg Meuthen gewählt. Weitere Vorstandsmitglied sind nun der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland, die Europaparlamentarierin Beatrix von Storch und Albrecht Glaser aus Hessen.

Gespaltene Partei Die erst Anfang 2013 von Anti-Euro-Verfechter Lucke gegründete AfD rückt mit Petry (40) deutlich nach rechts. Lucke (52) bleibt als Alternative nur die Gründung einer neuen Partei um den von ihm ins Leben gerufenen Verein „Weckruf 2015“. Dieser scheiterte mit dem Plan, das Abgleiten der AfD an den rechten Rand zu stoppen. Bei einem Treffen von Vereinsmitgliedern noch am Samstagabend soll es unterschiedliche Meinungen gegeben haben.

„Kein Schnellschuss“

Dem Parteitag waren scharfe Auseinandersetzungen zwischen dem wirtschaftsliberalen und dem nationalkonservativen Flügel vorausgegangen, die sich in der aufgeheizten Grugahalle schier endlos fortsetzten. Ungezählte Anträge und Einsprüche zu Verfahrensfragen verzögerten den Ablauf. Gerne buhten sich die Parteifreude gegenseitig aus. Am Sonntag gab es Gedränge und Gejohle, als das Gerücht aufkam, Lucke sei bereits aus der Partei ausgetreten. Tatsächlich hat er damit gedroht, aber betont, „keinen Schnellschuss machen zu wollen“.

3.500 AfD-Mitglieder, ganz überwiegend Männer, meistens deutlich in der zweiten Lebenshälfte, waren nach Essen gekommen, nicht gerade eine Hochburg der Alternative. Die Gegendemo vor der Halle brachte kaum mehr Menschen auf die Beine, als die Polizei Hunde mitgebracht hat. Aus Sachsen waren auch eine Reihe bekannter Pegida-Vertreter angereist.

Die AfD brauchte aber kein äußeres Feindbild. Das Misstrauen der innerparteilichen Fraktionen war grenzenlos. Kaum einer sprach für Frontmann Lucke, viele gegen ihn, so wie der NRW-Parteichef Marcus Pretzell in seinem Grußwort: „Wir sind Euro und Pegida und noch viel mehr.“

Attacke Lucke, bei seinem Auftritt empfangen von vielen Pfiffen, trug den „Weckruf 2015“-Button auf der Herzseite seines weißen Hemds. Er redete von „problematischen Mitgliedern in der AfD“ und versuchte, die Partei hinter sich zu bringen, in dem er Kanzlerin Merkel als Betrügerin und Täuscherin attackierte. Aber er nahm Stellung für Verfolgte und Muslime, riet dem rechten Lager, sich „nicht der Versuchung hinzugeben, billige Stimmung zu erzeugen“ und „dass wir eine Pegida-Partei sind, haben wir nie beschlossen.“ Die Stimmung der Mehrheit in der Halle traf er damit nicht.

Gegen den Islam

Den größten Applaus gab es bei gegen Ausländer und Muslime gerichteten Äußerungen. Etwa bei Luckes Gegenspielerin und nunmehr -Nachfolgerin Frauke Petry. „Der Islam transportiert ein Staatsverständnis, das mit dem Grundgesetz unvereinbar ist“, erklärte Petry unter dem Jubel der Menge. Bei manchem Teilnehmer schien es schon zu genügen, wenn ein Redner nur Bulgarien und Rumänien erwähnte, oder den Islam, damit es aus ihm herausbrach.

Über die Pegida-Demonstranten sagte die einfach, aber pointiert formulierende Petry: „Es sind die Bürger, für die wir primär Politik machen sollten.“ Schon zuvor hatte sie versprochen: „Ich werde kein zweiter Bernd Lucke werden.“