Pauli gegen Goliath
12.07.2007 | 17:07 Uhr 2007-07-12T17:07:50+0200Die Landrätin Gabriele Pauli will ihren Widersacher Edmund Stoiber beerben. Am 26. September tritt sie gegen Horst Seehofer und Erwin Huber um den Parteivorsitz an. Die CDU ist überrascht
München. Wenn die CSU etwas hasst, dann sind es Überraschungen. Eine solche hat die längst tot gesagte CSU-Landrätin und Stoiber-Kritikerin Gabriele Pauli ihrer Partei gestern beschert. Die attraktive Fränkin will das Unmögliche wagen und CSU-Parteivorsitzende werden. Im Deutschlandfunk kündigte Pauli ihre Kandidatur an: Auf dem CSU-Parteitag am 29. September sind es mithin drei, die sich um die Nachfolge von Edmund Stoiber bewerben, Erwin Huber, Horst Seehofer und die von Altvorderen so genannte "rote Hexe".
Damit kommt mehr Leben in die CSU-Bude als der Führungsspitze lieb ist. Huber, als Wirtschaftsminister im Freistaat und langjährig der Ausputzer von Stoibers Gnaden, versuchte, gelassen zu bleiben. "Es steht jedem frei, zu kandidieren", ließ er sogleich ausrichten. Huber hat auch am wenigsten einen Grund, aus dem Häuschen zu sein, da er sich beim Nase-vorn-Spiel mit dem in Berlin und Brüssel ausgelasteten Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer bereits eine denkbar gute Startposition als Kandidat erarbeiten konnte.
Wer in diesen Tagen bei Mandatsträgern nach Hubers Pole-Position fragt, bekommt klare Antworten. "Der Huber tut der Partei besser", versicherte ein Abgeordneter. Ein anderer seufzte: "Nur im Männerkloster geht es schlimmer zu." Die Äußerung zielt auf Seehofer, der durch sein ungeordnetes Familienleben in der Sympathieskala weit nach unten gerutscht ist. Wie er mit Frau, drei Kindern, Freundin und dem unehelichem vierten Nachwuchs zurecht kommt, sei "Privatsache", betonen Seehofers Parteifreunde wie scheinbare Kavaliere. Hinter den Kulissen werden hingegen Witze gerissen und Schenkel geklopft. Seehofers Versuch, durch das jüngste öffentliche Bekenntnis zu seiner Ehefrau wieder die Lufthoheit über den Stammtischen zu gewinnen, machte auf die CSU-Funktionäre offenbar wenig Eindruck. In München wurde gestern kolportiert, der "Schwarze Riese aus Ingolstadt" würde von Parteifreunden bereits zum Rückzug gedrängt. In den letzten Wochen wurde Seehofer immer mehr zur Zentralfigur in einer unvermeidlichen Moraldebatte, die für viele ohnehin längst entschieden ist: Einen CSU-Vorsitzenden mit seinem familiären Hintergrund verträgt diese Partei nicht. Den "guten und nahtlosen Übergang", den sich Stoiber wünschte, wird es jetzt erst recht nicht geben. Einen Generationenwechsel auch nicht, denn Stoibers Nachfolger als Ministerpräsident wird Günther Beckstein heißen, der 63-jährige bayerische Innenminister, in Europa derzeit der dienstälteste.
"Wer ist Pauli?" hatte Stoiber vor Monaten noch gefragt, als kein Mensch in München daran dachte, dass sich bald alles komplett ändern wird. Nun gehört Pauli zu den unkalkulierbaren Größen der CSU.
Die 50-jährige Pauli, an die keiner mehr gedacht hat, ist wieder da, ein weiblicher Phönix aus der CSU-Asche. Durch ihre vielen TV-Auftritte im Frühjahr heimste sie Sympathien ein. Pauli lief gegen das Klischee Sturm, schöne, modische Frauen könnten politisch nicht sonderlich begabt sein. Bei manchen in ihrer (Männer-)Partei kam das noch gut an. Aus dem Achtungserfolg wurde praktisch über Nacht das Gegenteil. Mit dem Datum der Veröffentlichung im Boulevard - Pauli im weichen Licht als aufreizende Amazone mit Latex-Handschuhen - sank ihr Stern bei der CSU in Richtung Erdmittelpunkt. Nach einem Flirt mit den Freien Wählern herrschte Grabesruhe.
Und nun dies. Dass Pauli eine Mehrheit zusammenkriegt, ist mehr als unwahrscheinlich. Ihr Auftritt könnte sogar Huber behilflich sein, da ihm am ehesten zugetraut wird, wieder Ruhe im CSU-Laden herzustellen. Im Lichte der letzten turbulenten Monate betrachtet, ist bis zum Parteitag noch alles Mögliche denkbar. Vielleicht hat der bayerische JU-Chef Manfred Weber ja recht: "Pauli macht durch ihren Hang zur Selbstdarstellung sich und die CSU lächerlich."

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