Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Gesundheit

Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen

28.02.2009 | 23:36 Uhr
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen

Berlin. Patienten müssen sich auf weitere Querelen in der Arztpraxis einstellen, weil Mediziner und Kassen nach wie vor über Honorare streiten. Die Verhandlungen sollen sich mindestens bis Ende März hinziehen. Derweil erwägen die Kassenärzte bereits weitere Proteste mit Blick auf die Bundestagswahl.

Patienten müssen sich auf weitere Querelen in der Arztpraxis einstellen, weil Mediziner und Kassen nach wie vor über Honorare streiten. Die Verhandlungen sollen sich mindestens bis Ende März hinziehen. Derweil erwägen die Kassenärzte bereits weitere Proteste mit Blick auf die Bundestagswahl. Von ihren Patienten Vorkasse verlangen dürfen sie aber in keinem Fall, wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt am Samstag bekräftigte. Das sei eindeutig rechtswidrig.

Inzwischen melden Krankenkassen Hunderte von Fällen, in denen Ärzte Kranke nur gegen Rechnung oder Bargeld behandeln wollten. Doch sind Kassenärzte verpflichtet, die Behandlung ohne Bargeld über die Versichertenkarte abzurechnen. Nur die zehn Euro Praxisgebühr beim ersten Arztbesuch im Quartal sind bar fällig.

Entzug der Kassenzulassung

Schmidt appellierte in der «Bild»-Zeitung an die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Landesaufsicht, dieses Prinzip strikt durchzusetzen. Den Ärzten, die sich nicht daran halten, droht schlimmstenfalls der Entzug der Kassenzulassung.

Hinter der Drohung, Patienten direkt abzukassieren, steckt der Streit über die zu Jahresbeginn gestartete Honorarreform. Obwohl insgesamt drei Milliarden Euro mehr zur Verfügung stehen als noch 2007, befürchten viele Ärzte Einbußen. Deshalb hatten sich Kassen und Ärzte am Freitag zu Nachverhandlungen getroffen, die aber kein Ergebnis brachten.

Danach erklärte der Spitzenverband der Krankenversicherung, man habe weitere Sitzungen für Mitte und Ende März vereinbart. Die Ärzte hätten Berechnungen zur Wirkung der Honorarreform vorgelegt, die nun analysiert würden. Beschlossen wurde lediglich die Ausweitung einer Übergangsregelung, die sehr starke Einbußen von Ärzten verhindern soll.

Man wolle «den Ärzten gerne dabei helfen, die innerärztlichen Probleme der Honorarverteilung zu lösen», erklärte der Kassenverband. Mehr Geld könne es aber nicht geben, zumal dies die Beitragszahler aufbringen müssten.

Ärzte erwägen «maximale Eskalation»

Die Ärzte rüsten sich nach Informationen der «Süddeutschen Zeitung» schon für den Fall, dass sie ihre Forderungen im Honorarstreit nicht durchsetzen können. Aus einer internen Präsentation des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, zitierte das Blatt, man erwäge eine «maximale Eskalation» in mehreren Schritten bis zur Bundestagswahl.

Auftakt sollten vereinzelte Protestaktionen und die Schließung von Arztpraxen sein. In einer zweiten Stufe könnten die Vorstände der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und aller 17 Kassenärztlichen Vereinigungen ihre Ämter niederlegen, zitiert das Blatt weiter. In den Wochen vor der Wahl könnten die Ärzte dazu aufgerufen werden, ihre Praxen flächendeckend zu schließen und zu protestieren.

Köhler hatte die Honorarreform, die gesetzlich mit der Gesundheitsreform 2007 vorbereitet wurde, selbst maßgeblich mit entworfen. Eigentlich sollte sie den Medizinern mehr Geld und mehr Übersicht über ihren Verdienst bringen. Von flotierenden Punktwerten wurde umgestellt auf Euro-Beträge, zudem wurden die strikten Budgetdeckel der Ärzte etwas gelockert. Köhler musste allerdings kürzlich einräumen, dass bei vielen Ärzten weniger Geld ankommt als erwartet.

CSU will Reform stoppen

Die CSU hält unterdessen an dem Plan fest, die gesamte Reform zu stoppen. Dies sagte Generalsekretär Alexander Dobrindt dem «Tagesspiegel». Bayern dazu eine Bundesrats-Initiative gestartet, der sich noch kein anderes Land angeschlossen hat. (ap)

Mehr zum Thema:

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
01.03.2009
11:30
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von Pizzabote | #21

Vor einigen Jahren, als die große Reform umgesetzt wurde, gingen die Kassenärzte auf die Straße.
Dann ging das Klinikpersonal für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne auf die Straße.
Jetzt meutern die Fachärzte.
Alle und alles zu Recht.
Gewerkschaflich organisierte Arbeitnehmer gehen auch auf die Straße und demonstrieren.

Pharmavertreter habe ich noch nicht demonstrieren gesehen.

Wenn das mal kein politisches Kalkühl ist, immer die jenigen zu belasten, die sich am schlechtesten wehren können.

01.03.2009
09:06
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von Volker S | #20

Das Problem liegt in der Politik - Unfähige Politiker denen Ihr eigenes Einkommen wichtiger ist, getrieben von der Ärzte- und Pharmalobby, als endlich mal sinnvolle und zeitgemäße Lösungen zu präsentieren und vorallem durch zusetzten.

Aber anstatt endlich Reformen anbringen, wird mit jeder Reform nur die Kostenverteilung geändert.
Das gilt im Übrigen auch für die anderen Sozialversicherungen!

Armes Deutschland - unfähige Politiker und 80 Millionen Schafe die sich alles gefallen lassen!!!

01.03.2009
07:42
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #19

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

01.03.2009
02:15
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von radieschen | #18

Leute, wir werden einfach nicht mehr krank. Und schon gehen alle schön gemeinsam am Stock.

01.03.2009
01:06
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von dasKollektiv | #17

solange es Kassen- Privatpatienten gibt wird das ewig so weiter gehen..............................

28.02.2009
23:44
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von kuba4711 | #16

Tatsache ist eins kein Arzt macht auf meinem Patientenrücken Politik.
Ansonsten kommt eine Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung u. Nötigung.Und zu den potentiellen Auswanderern sei gesagt: iN ANDEREN LÄNDERN GIBT ES HOCHQUALIFIZIERTE MEDIZINER -Kuba z.B. ,die sich um die Bezahlung für die Kassenpatientenbehandlung reissen würden.

28.02.2009
23:43
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von computerprinzessin | #15

Es wird Zeit. daß die Ärzte mit den Krankenkassen zusammen arbeiten. Die Kvs gehören abgeschafft. Ebenso könnten etliche Krankenkassen aufgelöst werden. So kämen einige Millionen mehr in den Topf, die Mitgliedsbeiträge könnten gesenkt werden!

28.02.2009
23:14
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von DDT | #14

Anders herum wird ein Schuh draus. Was wäre denn wenn alle Ärzte von jetzt auf gleich ihre kassenärztliche Zulassung zurückgeben??? Schon mal drüber nachgedacht.?? Oder niemand wird dazu gezwungen in diesem unserem Land eine Arztpraxis zu betreiben oder als Arzt in einer Klinik eine 60 Stundenwochen und mehr zu schieben.
Was ist wenn diese Ärzte auch von jetzt auf gleich unser Land verlassen?? Etliche haben es schon getan. Ich denke, die für dieses, ich bezeichne es mal gelinde gesagt, als Desaster mit verantwortlich sind, sind zur Zeit abgetaucht. Es sind ja bald Wahlen und da muss man oder Frau verflixt vorsichtig sein, mit dem was man sagt oder tut, unter dem Motto wer sich bewegt der hat verloren.
Wenn hier Einige von Halbgöttern in weiß reden, von Raffzähnen, nun gut die mag es geben, aber es ist nicht die Mehrheit z.B. der Allgemeinmediziner. Sprecht doch beim Hausarztbesuch mit euerem Arzt z.B. über dessen wöchentlichen Arbeitszeit.
Ich denke bei dieser jetzigen sogenannten Honorarreform bekommen die falschen die Prügel.
Von uns Patienten einmal abgesehen.
Warum regt sich z.B. kaum jemand darüber auf, dass wir uns in Deutschland den Luxus von weit über hundert Krankenkassen leisten. Oder das die Pillendreher, Entschuldigung ich meinte natürlich die Pharmaindustrie den Apotheken vorschreibt welche Preise sie für die Medikamente nehmen muss. Warum gibt in unserem Land überhaupt so viele Apotheken? Die Liste ließe sich noch um einiges erweitern. Unser gesamtes Gesundheitssystem gehört endlich auf den Prüfstand und ggf. wenn es sein muss, umgekrempelt.
Es muss endlich Schluss sein mit dieser Flickschusterei die auch noch als ein großartiges Reformwerk gelobt wird. Aber vielleicht muss wirklich erst alles den Bach runtergehen, bevor sich endlich mal jemand rührt bzw. ernsthaft etwas bewegt.

28.02.2009
23:06
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von ullala | #13

jo, dann könnten sie sich endliche ganz in ruhe privatpatienten widmen, viel spass, bei dem, was DANN an horrorar übrig bleibt ;-)

28.02.2009
22:09
Patienten müssen mit Querelen in Praxis rechnen
von ursulahick | #12

Das ist Nötigung.. Die Folge muss sein, dass man diesen Ärzten die Kassenzulassung entzieht.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/688567/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.