Palliativmedizin soll deutlich besser werden

Berlin..  Die Mediziner erwarten einen Anstieg der Schwerstkranken. Das Ziel müsse es sein, sie mindestens genauso gut wie in Großbritannien oder in den USA zu versorgen. Im internationalen Vergleich von 40 Staaten liege Deutschland nur auf Platz 8 und weise in der Palliativersorgung „viele weiße Flecken“ auf. Der Zugang sei weder überall gleich noch gerecht, beklagte gestern Professor Hans-Peter Zenner vom Universitätsklinikum Tübingen.

Mit vier weiteren Experten forderte Zenner in Berlin eine „nationale Palliativstrategie“. Die Zielgruppe sind Patienten mit unheilbaren, lebensbedrohlichen Krankheiten. Die Ärzte konzentrieren sich bei ihnen darauf, Symptome zu lindern, insbesondere Schmerzen. Die Sterbebegleitung in Hospizen – meist wenige Wochen oder Tage vor dem Todeseintritt – ist ein Teilaspekt. Die Palliativmedizin hilft den Kranken über längere Zeiträume, oft Jahre. Viele Patienten würden von den Hilfsmöglichkeiten mithin zu spät erfahren, bedauerte Martina Kern, die Pflegeleiterin in einem Palliativzentrum im Bonner Raum ist.

„Versorgungslücke“ am Freitag

In der Praxis liegt nach Darstellung der Experten einiges im Argen, etwa an der Schnittstelle zwischen ambulanter und stationärer Hilfe. Es kommt vor, dass Kranke entlassen werden, ohne dass ihr Hausarzt informiert wurde. Wenn das an einem Freitag passiere, gebe es eine „Versorgungslücke“. Hinzu komme, dass Ärzte „getrennt denken und handeln“. Im Jahr 2025 wird nach Angaben der Experten nur jeder achte Deutsche vor seinem 75. Lebensjahr sterben. Wenn die Menschen älter werden, wird es auch mehr Pflegebedürftige und sterbenskranke Patienten geben. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) stellt sich darauf ein und will die Palliativversorgung ausbauen, auch um einen Kontrapunkt in der Debatte über Sterbehilfe zu setzen.