Palästinenser fordern bei der Fifa rote Karte für Israel

Archivbild: FIFA President Sepp Blatter beim Israelischen Fußballverband.
Archivbild: FIFA President Sepp Blatter beim Israelischen Fußballverband.
Foto: dpa (Archiv)
Was wir bereits wissen
Die Palästinenserführung trägt den Konflikt mit Israel auf das Fußballfeld. Fifa-Präsident Blatter ist nun in der Rolle des Nahost-Vermittlers.

Tel Aviv.. Fußball gilt eigentlich als Sport der Versöhnung. Doch jetzt wird das Spielfeld zu einem diplomatischen Schlachtfeld zwischen Israelis und Palästinensern. Fifa-Präsident Joseph Blatter kommt eigens in die Region, um zwischen beiden Seiten zu vermitteln. Der Versuch des palästinensischen Fußballverbands, einen Ausschluss Israels aus der Fifa zu erwirken, bedeutet für den jüdischen Staat eine weitere Front im Nahost-Konflikt. Die Palästinenser werfen Israel unter anderem vor, mit seiner Besatzungspolitik ein gemeinsames Training von Spielern aus dem Gazastreifen und Westjordanland zu behindern.

Kriegsverbrechen Angesichts der Hoffnungslosigkeit im Friedensprozess mit den Palästinensern wächst allgemein der internationale Druck auf Israel, mehr Beweglichkeit zu zeigen. Weniger als eine Woche nach Amtsantritt der neuen rechts-religiösen Regierung Benjamin Netanjahus kommt die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Mittwoch zu einem Nahost-Besuch. Sie wünscht sich eine aktivere Rolle der Europäischen Union in dem jahrzehntelangen Konflikt. Der Status quo zwischen Israel und den Palästinensern sei keine Option, betont sie.

Palästinenser setzen auf eine "Internationalisierung" des Konflikts

Seit dem Zusammenbruch der Friedensgespräche unter US-Vermittlung vor einem Jahr setzt die Palästinenserführung stärker auf eine "Internationalisierung" des Konflikts. Und hat damit durchaus Erfolg. Die jüngste Errungenschaft ist die Anerkennung Palästinas durch den Vatikan - auch ein Beobachterstaat bei den Vereinten Nationen.

Antisemitismus Frankreich bereitet zudem eine Resolution vor, die unter anderem eine Friedensregelung auf der Basis der Grenzen vor dem Sechstagekrieg von 1967 sowie einen Zeitplan für neue Verhandlungen vorsieht. Zur Jahreswende waren die Palästinenser mit einem ähnlichen Vorstoß im UN-Sicherheitsrat gescheitert. Aus Enttäuschung über die diplomatische Niederlage traten sie dem internationalen Strafgerichtshof bei, um Israel juristisch unter Druck zu setzen.

Die USA hatten in der Vergangenheit mit ihrer Veto-Macht verschiedene Resolutionen im Sicherheitsrat abgeschmettert. Nach dem erneuten Wahlsieg des Hardliners Netanjahu, der im Wahlkampf der Idee eines unabhängigen Palästinenserstaates eine Absage erteilt hatte, wollten sie diese Politik allerdings neu überdenken.

Erfolgsaussichten gelten als eher gering

Mit ihrem Fifa-Vorstoß bringen die Palästinenser Israel nun weiter in Bedrängnis. Sie haben für den Kongress am 29. Mai den Ausschluss des jüdischen Staates beantragt. Als Begründung nennen sie massive Behinderungen des Fußballs im Westjordanland und Gazastreifen. Zudem soll der israelische Verband (IFA) nicht entschieden genug gegen rassistische und diskriminierende Äußerungen von Vereinsvertretern des Top-Clubs Beitar Jerusalem vorgegangen sein.

Die Erfolgsaussichten - sollte es überhaupt zu einer Abstimmung kommen - gelten zwar als eher gering. Der Konflikt könnte jedoch den Kongress überschatten und Präsident Blatter wird alles versuchen, ihn noch vorher zu entschärfen. Bei Gesprächen mit Netanjahu und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas will sich der Schweizer, der kurz vor der erwarteten Wiederwahl steht, um eine gütliche Lösung bemühen.

Fehlentscheidung Der Geschäftsführer des israelischen Fußballverbands, Rotem Kemer, wirft der Palästinenserbehörde vor, sie wolle im Konflikt mit Israel den Ballsport als "Geisel" nehmen. Der Verband habe keinen Einfluss auf Reisegenehmigungen für Palästinenser, betont er. Rassistische Vorfälle gebe es auf Fußballfeldern auf der ganzen Welt. "Wie andere Fußballverbände versuchen wir, dies zu bekämpfen", sagte Kemer am Dienstag. Innerhalb des Verbands bemühe man sich um eine Koexistenz zwischen Juden und Arabern. Der Fußball dürfe nicht in internationale Konflikte hereingezogen werden, fordert er. "Ich glaube nicht, dass Fifa involviert werden will", sagte Kemer. "Ich denke, sie werden alles unternehmen, um eine Abstimmung zu verhindern." (dpa)