Oskar Lafontaine bellt und beißt nicht mehr
22.09.2009 | 16:58 Uhr 2009-09-22T16:58:00+0200
Berlin. Oskar Lafontaine schaltet im Wahlkampf drei Gänge herunter. Der Chef der Linkspartei bellt und beißt nicht mehr. Insgeheim ahnt er wohl, dass seine beste Zeit bereits hinter ihm liegt.
Auf einem Platz, der nach seinem politischen „Großvater” Willy Brandt benannt ist, durfte man von Oskar Lafontaine einiges erwarten. Aber nicht unbedingt, dass er seine Zuhörer bittet, ihn und damit die Linkspartei aus „Barmherzigkeit und Mitleid” zu wählen. Ironisch hinterher geschobene Begründung: weil man schließlich nicht wie die anderen Parteien mit Großspenden bedacht werde. Die kleine Passage in einer ansonsten an Überraschungen armen Rede, die der ehemalige SPD-Parteivorsitzende jetzt vor dem Essener Hauptbahnhof unter sonnigem Altweibersommerhimmel hielt, hat Symbolwert. Oskar Lafontaine bellt und beißt nicht mehr.
Mit einer sanften Beiläufigkeit
Die gewohnte Röte im Gesicht, die anschwellende Zornesader, wenn er sich auf den Podien der Republik in Rage redete - nichts mehr davon zu sehen. In der Schlussphase des Wahlkampfs bringt er seine Oberlehrer-Botschaften inzwischen mit einer fast sanften Beiläufigkeit an den Mann. Die Rentenformel - zerstört. Der Sozialstaat - abgewrackt. Die soziale Marktwirtschaft - auch abgewrackt. Die Bundeswehr - im völkerrechtswidrigen Abnutzungskrieg. Die Demokratie - durch Ackermann und andere Pleitebankiers unterspült.
Man kennt diese Bausteine fast auswendig. Nur ab und zu würzt er seine Litanei mit Anekdoten wie jener, dass neoliberal verortete Wirtschaftswissenschaftler künftig wie Formel-1-Fahrer die Namen ihrer „Sponsoren” am Revers tragen sollten. Aber selbst diese Schnurre, laut beklatscht vom Publikum, trägt der 66-Jährige nicht mehr mit dem ihm lange eigenen Furor vor. Ist der Frontmann, den sie bei der SPD Verräter und bei der Linkspartei, wenn auch mit geballter Faust in der Tasche, Heilsbringer nennen, müde geworden oder gar leidenschaftslos?
Gelangweilte Tonlage
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Am deutlichsten wird der Wechsel im Auftritt, als der intern mehr als umstrittene Partei- und Fraktionschef wieder einmal seinen indirekten Aufruf zum gemäßigten Volksaufstand formuliert, indem er sich - wie in Frankreich hin und wieder Realität - Generalstreiks der Massen wünscht, wenn die Regierung dem Volk nicht genug aufs Maul schaut. Nur, die moderate, fast gelangweilte Tonlage, sie will überhaupt nicht zum Inhalt passen.
Parteiintern vermuten manche, dass sich Lafontaine nach dem guten Abschneiden bei der Landtagswahl im Saarland (immerhin plus 19 Prozent) eine Verschnaufpause gönnt. Auch wenn die Linke am nächsten Sonntag mit mehr Stimmen als 2005 (8,7 Prozent) rechnen darf - eine Machtbeteiligung im Bund ist derzeit ausgeschlossen. Darum spiele Lafontaine auf Zeit, heißt es. Zielmarke: die nächste Bundestagswahl 2013.
Lafontaine blockiert Rot-Rot-Grün
Sein Mantra fürs Wahlvolk bis dahin lautet: Macht uns, die Linke, stärker. Denn nur wenn wir, die Linke, stärker werden, machen die anderen weniger „Ferkeleien”, wird Deutschland „friedlicher und sozialer”. Wer den ehemaligen „Enkel” Brandts in diesen Tagen erlebt, trifft auf einen Mann, der wohl insgeheim ahnt, dass seine besten Tage hinter ihm liegen könnten. Mit ihm an der Spitze, wird es auf Seiten der SPD vorläufig keine Öffnung hin zur Linken geben und mithin keine reale Option auf ein rot-rot-grünes Bündnis. Den Weg freimachen für eine Erneuerung an der Spitze der Linkspartei will Lafontaine gleichwohl noch lange nicht.
Beispielhaft seine barsche Reaktion auf die NRZ-Nachfrage, wie denn wohl das Signal des Thüringer Linksparteispitzenkandidaten Bodo Ramelow zu bewerten sei, das Amt des Ministerpräsidenten in Erfurt unter Umständen auszuschlagen. „Dazu ist alles gesagt”, blaffte Lafontaine, „fragen Sie die Thüringer.”
Bodo Ramelow gilt als eine der kommenden Führungsfiguren der Linken in einer Nach-Lafontaine-und-Gysi-Ära im Bund. Seine Verzichtserklärung ist zwischen den Zeilen auch eine Kampfansage an das alternde Alpha-Tier Oskar Lafontaine.

17:27
Nur (G)genossen
Jeder glaubt in diesen Tagen, nur an sich - stellt keine Fragen
Macht so weiter wie bisher, ein zurück dann nur noch schwer
In Gesetzen fest beschlossen, Euer Leben nichts mehr Wert
Und die haben´s nur (G)genossen, Ihr habt´s Ihnen nicht erschwert.
01:36
aha, der Lafontaine, der hat nicht brav der NRZ geantwortet, also wird er publizistisch niedergemacht ....klar doch.... schließlich ist er ja auch der Böse aus guter NRZ-sozialdemokratischer Sicht ... und ein NRZ-Redakteur Hautkapp hat wie immer die Weisheit mit Löffeln gefressen ..... puh.... hier mieft es ....
10:15
@r.kant:Was hat Lafontaine denn für Deuschland getan.
War es eine große Leistung, dass er sich nach ein paar Monaten aus dem Amt geschlichen hat?
Wenn jemand mit der Politik nicht einverstanden ist, die seine Genossen machen (und nachweislich schlecht gemacht haben, wie man später feststellen konnte) und dann zurücktritt, nenne ich das nicht Davonschleichen, sondern mit seinem Mandat verantwortungsvoll umgehen.
Ihnen wäre zu wünschen, sich mal eine eigene Meinung zu bilden, statt den Mainstream nachzuplappern.
Guckste hier: nachdenkseiten.de
09:14
@ mausefritzchen
Wusste ich doch, dass ihnen nichts Positives zu Oskar Lafontaine einfallen würde.
00:55
##133 von r.kant,
Ihnen fällt grundsätzlich nichts Positives ein, vielmehr sind Sie jemand, der mit seinen einfältigen, endlos wiedergekäuten Plattitüden und Verleumdungen ausschließlich die Dümmsten unter uns beglücken kann. Ihre ätzende Kommentarflut gleicht einem lästigen Obstfliegenschwarm: die Hinterlassenschaften sind klebrig, keimtragend und zersetzend.
Auch dieser tierische Vergleich drängt sich auf: Bei aufdringlichen Hunden spricht man von Kläffern und Hackenbeißern, und am liebsten würde man denen den Regenschirm um die Schlappohren hauen, um sie sich vom Halse zu halten. #120 von frankzewski kommt der Sache sehr nahe. Da jeder Hasser unglücklich ist, können Sie einem eigentlich nur leidtun.
23:10
@ Mausefritzchen
Was hat Lafontaine denn für Deuschland getan.
War es eine große Leistung, dass er sich nach ein paar Monaten aus dem Amt geschlichen hat?
Ansonsten fällt mir nicht Positives zu Lafontaine ein. Ihnen etwa?
20:33
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
20:02
@ rosalie
Hier bekommen sie Antworten auf ihre Fragen.
Seien sie aber nicht allzu enttäuscht!
http://www.rp-online.de/public/article/politik/deutschland/752725/So-viel-kosten-die-Plaene-der-Linken.html
15:30
http://www.youtube.com/watch?v=hcmhVWg3PCk
15:28
Ich weiß nicht was die liebe WAZ am Samstag in Essen erlebt oder gesehen hat. Ich kann von mir behaupten das Herr Lafontaine noch nicht am ende ist!
Die linke kann sehr wohl ihre versprechen einhalten, wurde man sich sachlich mit dem Wahlprogramm befassen könnte es die Lösung sein für Deutschland.
Was spricht gegen eine extra steuer für Millionäre,
Was spricht gegen eine Börsenumsatzsteuer
was spricht gegen eine steuer für Konzerngewinne
und was spricht gegen die steuerliche entlastung von all denen die weniger als 70245€ im Jahr haben.
Es wird Zeit das großkonzerne und all die kapitalisten die an den kleinen man verdient haben und unsere Wirtschaft geschadet haben dafür bezahlen.