Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Kriegsverbrechen

Organhandel im Kosovo-Krieg?

02.04.2009 | 13:35 Uhr
Organhandel im Kosovo-Krieg?

Rribe. Während des Kosovo-Krieges sollen serbischen Gefangenen in Nordalbanien zwangsweise Organe entnommen worden sein. In Kosovo und Albanien wird das bestritten. Doch Ermittler des Haager Gerichtshofs und der Uno-Mission im Kosovo haben belastende Indizien zusammengetragen.

Info
Forum

Das Problem Organhandel - die EU schaut nur zu?

Diskutieren Sie mit anderen DerWesten-Lesern

Das Haus der Familie Katuci soll auffällig gelb gewesen sein; heute ist es weiß getüncht. Es liegt am Ende der Siedlung von Rribe, in Nordalbanien, in der Nähe der Stadt Burrel. Immer wieder kommen Reporter vorbei, Ermittler des Uno-Kriegsverbrechertribunals waren schon lange da, auch ein albanischer Staatsanwalt hat das Haus untersucht. Rund zehn Jahre ist es her, dass sich hier unvorstellbare Greueltaten abgespielt haben sollen: Nach dem Kosovo-Krieg,1999, verschleppten Rebellen der kosovarischen Albaner-Miliz UCK angeblich 300 Gefangene, überwiegend Serben, in die Städte Kukes und Tropoja. Sie wurden in Lagerhäuser und Baracken gesperrt, die jüngsten und kräftigsten unter ihnen nach Burrel gebracht, in das gelbe Haus, heißt es. Dort wurden ihnen Organe entnommen, diese hätte die UCK-Führung auf dem Schwarzmarkt verkauft.

Bislang gibt es keine Beweise

Die ehemalige Chefanklägerin des Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien, Carla del Ponte, beschäftigt sich in ihrem Buch „Die Jagd“ mit diesem schrecklichen Verdacht. Beweise, die für eine Anklage gereicht hätten, konnte Del Ponte allerdings nicht auftreiben. Bislang gibt es nur Gerüchte - und jede Menge Indizien.

Hat ein Buch über den schrecklichen Verdacht geschrieben: Carla del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin des Haager Kriegsverbrechertribunals für das ehemalige Jugoslawien. (Foto: afp)

So beschrieben acht angebliche Augenzeugen unabhängig voneinander ein gelbes Haus, in dem ein provisorischer Operationssaal eingerichtet war, wo Ärzte Organe entnommen haben sollen. Diese seien über den Flughafen in Tirana ins Ausland gebracht worden.

Gelbe Farbreste am verdächtigen Haus

Ermittler des Haager Gerichtshofs und der Uno-Mission im Kosovo (UNMIK) fanden 2004 tatsächlich Blutspuren, am Flussbett in der Nähe des Hauses wurden Spritzen, Verbände und leere Infusionsflaschen gefunden. Auch Aussagen der Familie Katuci machten die Experten stutzig. Sie behauptete, das Haus sei schon immer weiß angestrichen gewesen. Doch das Uno-Team fand schnell gelbe Farbreste unter dem Anstrich.

In Kosovo und Albanien werden die Vorwürfe abgestritten. Stichhaltige Beweise seien bislang nicht vorgelegt worden, heißt es. Die serbische Staatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen besteht aber nach wie vor auf einer ernsthaften Untersuchung des Falles. Im vorigen Jahr leitete sie Ermittlungen zum mutmaßlichen Organhandel ein. Anhand von Fotografien identifizierte sie bisher acht Verdächtige und zehn Opfer der Kriegsverbrechen in Albanien. Es besteht der Verdacht, dass neben dem gelben Haus noch drei andere Orte in Nordalbanien existieren, wo Opfern Organe entnommen worden waren.

Organe offenbar in die Türkei verkauft

Inzwischen wurden den serbischen Ermittlern auch die Untersuchungsergebnisse der UNMIK zugestellt. Die Belgrader Tageszeitung „Politika“ berichtete gestern, dass in den streng geheimen Dokumenten die Namen von sechs Verdächtigen ebenso wie von Opfern genannt werden. Die mutmaßlich in Albanien entnommenen Organe sollen in der Türkei verkauft worden sein. Die Unterlagen dürften auch die Grundlage für Ermittlungen der EU-Rechtsstaatsmission im Kosovo (EULEX) darstellen, die mittlerweile für die Untersuchungen zuständig ist.

Der Schweizer Sonderermittler Dick Marty beschäftigt sich nun mit dem Fall. (Foto: afp)

Hoffnungen richten sich darüber hinaus auf den Schweizer Sonderermittler Dick Marty. Der Europarat schickte den ehemalige Tessiner Staatsanwalt auf den Balkan, um die Vorwürfe innerhalb von zwei Jahren aufzuklären. Marty leitete bereits die Ermittlungen über geheime CIA-Flüge in Europa und wird sich wohl auch mit einem jüngeren Fall von Organhandel beschäftigen müssen. Denn sicher ist, dass auch heute illegale Geschäfte mit Körperteilen gemacht werden. So wurden erst Ende vorigen Jahres drei Ärzte in Pristina verhaftet, weil sie einem israelischen Patienten die Niere eines Türken implantiert hatten. Eine Niere bringt dem Spender auf dem internationalen Markt 1000 bis 3000 Euro ein. Den Empfänger in Not kostet sie bis zu 200.000 Euro – für kriminelle Banden ein lohnendes Geschäft.

Mehr zum Thema:

Augustin Palokaj, Zeljko Pantelic und Katrin Teschner

Empfehlen
Rund ums Thema
Kommentare
Facebook
 
Kommentare
14.11.2010
14:08
Blockierter Kommentar.
von Sergo | #18

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

09.04.2009
18:50
Blockierter Kommentar.
von miriam.lessmann | #17

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.04.2009
14:55
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von AlienNation | #16

Na wunderbar, wir leben eben in einer Welt in der es keine Ungerechtigkeit und kein Verbrechen gibt. Kriege sind nur Ammenmärchen und Gewalt ist ein reines Phantasieprodukt. Organhandel gibt es nicht und wir sind alle Englein, ausser die Serben. (und vieleicht noch die Russen, und die Chinesen und und und).

In diesem Sinne ich geh jetzt auf Wolke 7 ein wenig Friede Freude Eierkuchen singen.

03.04.2009
11:23
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von KosovAlbaner | #15

Wenn ich hier Lese was manche Deutsche schreiben dann kommt mir das Kotzen. Was für ein Organ-Handel soll es den im Kosovo gegeben haben? das ist der Reinste schwachsinn den ich überhaupt jemals gehört habe. Die Kosovo-Albaner wurden getötet mißbraucht vertrieben wo hatten die den Zeit organe zu Organisieren.
Diese Carla Del Ponto wird richtig ärger bekommen wegen ihrer Behauptungen nicht nur bezüglich dem Kosovo sondern vom Ganzen buch das nur mit Behauptungen und Propagandas geschrieben ist.
Über Serben will ich garnicht Reden sie können nur die Kommentare Lesen das Reicht alles Verbrecher.
Im Kosovo Leben wir in Harmonie und Frieden und wir zeigen Wenigstens Dankbarkeit und Respekt zu den USA und EU-Ländern.

03.04.2009
09:39
Blockierter Kommentar.
von carolin.voss | #14

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.04.2009
22:02
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von chatnik222 | #13

Albana sehen aus wie affen und Bosnier gibt es nicht ihr wurdet umgetauft und vertürkt muslimano(vic) alle die mit (vic) enden waren mal serben ist halt so Geschichte kann man nicht löschen...........
Milose(vic)

02.04.2009
18:14
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von Ilir | #12

serbien nicht heulen bitte
ihr habt wohl vergessen wie viel albaer gestorben sind..wie viele noch immer verschwunden sind
und died eutschen haben kein plan was in kosovo pasiert ist, also nich so viel reden

serbien: NATO könnt ihr vergessen--albanien lässt euch nicht rein heheeh

ahhaah
ihr kommt hier nicht rein

also kein stress bitte hahah

02.04.2009
17:45
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von cizme | #11

Uuui, die können also nicht nur halbe sondern auch ganze Geschichten erzählen. Aber nichts anderes als Geschichten sind es auch. Hierbei geht es um Indizien und wenn Du den Artikel gelesen hättest hat sich die intern. Gemeinschaft mit der Aufklärung befasst. Also kann man das wohl kaum SERBISCHE PROPAGANDA nennen.

02.04.2009
16:37
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von Fatmir | #10

Das ist alles Propaganda, komisch das gerade die SERBISCHE STAATSANWALTSCHAFT sich mit den Fall beschäftigt.

Als die Albaner massakriert wurden, da hat die serbische Anwaltschaft nichts gemacht, obwohl ja in der Zeit die Albaner Bürger von Serbien WAREN.
Es gibt viel mehr Verbrechen von serbischer Seite als von albanischer Seite.

Fragt die Bosnier die können ganze Geschichten über die Serben erzählen.

02.04.2009
16:30
Organhandel im Kosovo-Krieg?
von K.Zimmer | #9

Nicht nur zu Kriegszeiten.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/337851/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.