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Atomkraft

Opposition will gegen Atomlaufzeiten klagen

08.09.2010 | 18:22 Uhr
Opposition will gegen Atomlaufzeiten klagen

Berlin.Neben der SPD wollen auch die Grünen gegen den Atomkompromiss der Koalition klagen. Kern der Klage sei das Vorhaben, den Bundesrat auszuschließen, so Fraktionschef Trittin.

Neben der SPD wollen auch die Grünen gegen den Atomkompromiss der Koalition klagen. Grünen-Bundestagsfraktionschef Jürgen Trittin sagte der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ laut Vorabbericht, er gehe davon aus, dass neben den Landesregierungen von Bremen und Nordrhein-Westfalen auch die Bundestagsfraktionen der Grünen und der SPD klagen werden. „Der Kern jeder Klage wird sein: Ist es zulässig, ohne Beteiligung der Länder die Länder zu nötigen, mindestens bis zum Jahr 2040 eine Atomaufsicht vorzuhalten? Und darf eine solche Aufgabe den Ländern übertragen werden, die zum Teil auch die Neuerrichtung und Neugenehmigung von Zwischenlagern bedeuten kann?“, sagte der frühere Bundesumweltminister. Klagen können nach Ansicht Trittins auch die Stadtwerke, weil deren Investitionen entwertet würden.

Nach dem am Sonntag verabredeten Kompromiss sollen ältere Atomkraftwerke 8 Jahre länger laufen als bislang vereinbart, neuere 14 Jahre mehr.

Trittin sagte, er gehe davon aus, dass in Folge des Atomkompromisses die Strompreise für die Verbraucher steigen werden. Das sei die logische Konsequenz einer gefestigten Monopolstellung von vier großen Energiekonzernen. Zudem warnte er vor Sicherheitsrisiken bei längeren Laufzeiten. „Sieben Kernkraftwerke sind baulich so konstruiert, dass bei einem Flugzeugabsturz Radioaktivität nach außen gelangen würde. Dieses Risiko ist umso größer, je länger die Atomkraftwerke laufen“, sagte Trittin.

SPD will Verfassungsklage einreichen

Die SPD will eine Verfassungsklage gegen die geplante Verlängerung der Atomlaufzeiten einreichen. Die Bundesregierung hält weiterhin an ihren Plänen fest, das Gesetz zu ändern. Damit könnte eine Laufzeitverlängerung erreicht werden. Der Bundesrat soll dabei ausgeschlossen werden.

„Die Länder tragen die Hauptlast der Verlängerung“, sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. „Der Bundesrat muss einer so substanziellen Änderung des Atomrechts zustimmen.“ Dies bestätigten auch fast alle juristischen Gutachten. Die schwarz-gelbe Koalition stehe mit ihrer Deutung des Grundgesetzes allein da, meinte der SPD-Politiker.

Das Bundeskabinett will am 28. September ihr Energiekonzept beschließen. Dabei soll es sowohl um ein Gesetz zur Sicherheit als auch um zu die Laufzeiten gehen. „Beides ist nicht zustimmungspflichtig.“, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums Christiane Schwarte. Allerdings müsse das Sicherheitsgesetz bei der Europäischen Union bekanntgemacht, also in Brüssel notifiziert werden. Welches der beiden Gesetze zuerst in Kraft trete, sei deshalb noch nicht abzusehen.

50.000 wollen in Berlin demonstrieren

Vor dem Reichstag protestierten Kernkraftgegner der „Klimaallianz“gegen die Pläne der Regierung. Die „Klima-Allianz“ ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 Organisationen und Vereinen. Sie forderten in Sprechchören vor dem Reichstag: „Schluss mit den Tricks“. Die Demonstranten verlangten eine energiepolitische Wende statt Laufzeitverlängerungen.

„Die bundesweite Anti-Atom-Großdemonstration am 18. September in Berlin wird deutlich größer werden, als ursprünglich geplant“, sagte Jochen Stay. Er ist Sprecher der Anti-Atom-Organisation „ausgestrahlt“ und warnt die Bundesregierung vor massivem Gegenwind.

Weit über 50.000 Menschen hätten innerhalb von 48 Stunden einen Appell von „Campact“ an Kanzlerin Angela Merkel unterzeichnet, teilte das Kampagnen-Netzwerk mit. Die Unterzeichner hätten angekündigt, sich an Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik zu beteiligen.

Kurzfristig Mindereinahmen im Haushalt

Die Bundesregierung will die Laufzeiten der 17 deutschen Atomreaktoren um durchschnittlich zwölf Jahre verlängern. Dafür sollen die Betreiber von 2011 bis 2016 jeweils 2,3 Milliarden Euro Brennelementesteuer entrichten. Hinzu kommen die Mittel zur Förderung erneuerbarer Energien. Jeweils 300 Millionen für die ersten beiden Jahre und danach 200 Millionen pro Jahr für die folgenden vier Jahre. In der Summe sind es 15,2 Milliarden Euro.

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, bestätigte, dass die Energieversorgungsunternehmen die Kernbrennstoffsteuer steuerlich geltend machen könne. So könne es zu Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer kommen. „Schon mittelfristig“ erwarte die Bundesregierung in der Summe aber Mehreinnahmen. Und dieser Effekt werde auf der Zeitachse größer, sagte Seibert.

Der kommunalpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Götz, nannte die heftige Kritik an der Brennelementesteuer und den damit einhergehenden Mindereinnahmen bei der Gewerbesteuer schwer nachvollziehbar. „Schließlich stehen diesen kurzfristigen Mindereinnahmen unverhältnismäßig größere Mehreinnahmen durch die Laufzeitverlängerung der Kraftwerke entgegen.“ (dapd)

DerWesten

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Kommentare
09.09.2010
20:34
Opposition will gegen Atomlaufzeiten klagen
von feder24 | #6

Zitat aus Bericht von Trittin:..Trittin sagte, er gehe davon aus, dass in Folge des Atomkompromisses die Strompreise für die Verbraucher steigen werden..

Dann können doch die Stadtwerke ihre Anlagen, die teuren Strom produzieren, auch bauen!

08.09.2010
21:43
SPD will gegen Atomlaufzeiten klagen
von feder24 | #5

Zu Beginn der Industrialisierung haben z.B. die Weber die neu erfundene mechanischen Webstühle zerschlagen aus Angst,dasss ihnen zukünftig die Arbeit weggenommen wurde.
So ähnlich handeln die AKW-Gegner, die diese Geldruckmaschinen (Wortwahl des Grünen Trittin) stilllegen wollen, ohne zu Bedenken, dass durch die niedriegen Produktionskosten dieser Anlagen volkswirtschaftliche Vorteile entstehen.

08.09.2010
19:25
SPD will gegen Atomlaufzeiten klagen
von wintersintz | #4

Die Klage ist die logische Konsequenz. Die schwarz-gelbe Politik muss in die Schranken verwiesen werden. Und 2013 wird alles rückgängig gemacht. Die Atomlobby soll sich nicht zu früh freuen.

08.09.2010
19:19
SPD will gegen Atomlaufzeiten klagen
von kuba4711 | #3

@ 1 so isses.
Schön wäre aber auch ,wenn ein wenig Strom -zumindest Schwachstrom - in den Gehirnganglien fließen würde , und nicht nur im Geldbeutel! .-)))))

08.09.2010
19:00
SPD will gegen Atomlaufzeiten klagen
von Herold Schincke | #2

Weite Teile der Wirtschaft und Politik eine Abzocker- Bande !!!
.
.

08.09.2010
18:40
SPD will gegen Atomlaufzeiten klagen
von so isses | #1

Wäre schon interessant, was dann dabei rauskommt.

Haben die Superkläger auch in Rechnung gestellt, dass evtl. der Atomaustieg dann kassiert werden könnte? Der ist doch auch am Bundesrat vorbei beschlossen worden.

Es wird doch bestimmt dann Länder geben, die gegen dieses Gesetz klagen.

Werden beide Gesetze kassiert, gibt es keine Laufzeitbegrenzung.
Und dann ?
Geht das ganze Theater wieder von vorn los.

Aber mich berührt das nicht.
Wozu brauche ich Atom- Kohlekraftwerke oder Windmühlen?

Bei mir kommt der Strom aus der Steckdose.

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