Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Koalitionsverhandlungen

Opposition kritisiert Kopf- Pauschale "durch Hintertür"

23.10.2009 | 16:27 Uhr
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale "durch Hintertür"

Berlin. Die Opposition im Bundestag hat scharfe Kritik an den Vereinbarungen der künftigen Koalition zur Gesundheitspolitik geübt. So würde die Kopfpauschale "durch die Hintertür" eingeführt. SPD-Gesundheitsexperte bemängelt besonders, dass es keine einzige Verbesserung für Versicherte gebe.

Die Opposition im Bundestag hat scharfe Kritik an den Vereinbarungen der künftigen Koalition zur Gesundheitspolitik geübt. «Mit der FDP kann sich die Union nun endlich auf den Weg zur Kopfpauschale im Gesundheitswesen machen», erklärte Grünen-Chefin Claudia Roth am Freitag in Berlin. Die Versicherten seien die Verlierer. «Arbeitgeber und Pharmalobby können sich dagegen die Hände reiben.» Durch das Einfrieren des Arbeitgeberbeitrags müssten sich die Arbeitgeber künftig nicht mehr an der Finanzierung der steigenden Gesundheitskosten beteiligen.

"Statt mehr Netto vom Brutto gibt es eine FDP-Politik für einzelne Lobbygruppen», kritisierte Roth. Die Gesundheitsexpertin der Grünen-Fraktion, Biggi Bender, kündigte an: «Wir werden uns gegen diese Pläne zur Wehr setzen.»

Die Linke nannte die Beschlüsse «Wahlbetrug an den Arbeitnehmern». Das Einfrieren des Arbeitgeberbeitrags und die gleichzeitige Einführung eines einkommensunabhängigen Beitrags für die Arbeitnehmer bedeute «nichts anderes, als dass die Kopfpauschale durch die Hintertür eingeführt wird», erklärte Parteivize Klaus Ernst. Der angekündigte Sozialausgleich sei «nur Augenwischerei».

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Foto: ddp

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach sagte dem Sender N24: «Es gibt überhaupt keine einzige Verbesserung für den Versicherten.» Er bemängelte die «relativ unsolide Finanzierung». So sei völlig unklar, wer den Steuerzuschuss finanziere.

Neues Gesundheitskonzept

Die künftige Koalition hatte am Morgen ihr Gesundheitskonzept vorgestellt: In dem neuen System sollen die gesetzlichen Krankenkassen wieder mehr Freiheit bei der Festlegung ihrer Beiträge bekommen. Der Arbeitgeberanteil werde eingefroren und der Arbeitnehmeranteil einkommensunabhängig berechnet. Die neuen Strukturen sollen aber erst 2011 stehen. Bis dahin bleibt alles beim Alten. Die Kassen warfen Schwarz-Gelb Mutlosigkeit vor.

Koalitions-Chefunterhändlerin Ursula von der Leyen sagte, die Beitragsautonomie bringe mehr Transparenz in das System. Die Kassen könnten über ihre Beiträge zeigen, wie sie wirtschaften. Mit dem Einfrieren des Arbeitgeberanteils wollen Union und FDP verhindern, dass die Lohnzusatzkosten nicht weiter belastet werden. Hinzu kämen «regionale Differenzierungsmöglichkeiten» in dem neuen System. Einen «Solidarausgleich» solle es über Steuerzuschüsse geben. Nähere Details nannten die Verhandlungsführer von Union und FDP zunächst nicht. Eine Regierungskommission werde sich mit der Überführung des jetzigen Systems zu den neuen Strukturen befassen.

Leyen sagte, der einheitliche Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung bleibe vorerst bestehen, ebenso die Deckelung der Zusatzbeiträge. «Wir brauchen im Augenblick den Gesundheitsfonds», sagte Leyen.

Die Volkssolidarität und der Sozialverband VdK bezeichneten das Vorhaben als «unsozial» und «unausgegoren». Auch der Verband der Ersatzkassen rügte die zusätzliche Belastung der Versicherten. Die Barmer hielt Schwarz-Gelb «Mut- und Ideenlosigkeit» vor.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen begrüßte dagegen die höheren Steuerzuschüsse für den Bund und größere Finanzautonomie für Versicherer. Der Verband der privaten Krankenversicherung sprach von einem «überfälligen Richtungswechsel» hin zu mehr Wettbewerb. Die Bundesärztekammer sagte, der Entwurf biete die «Chance, eine neue Gesundheitskultur in Deutschland aufzubauen» - mit mehr Freiheiten für Patienten wie auch für Mediziner. (afp/ddp)

Die Volkssolidarität und der Sozialverband VdK bezeichneten das Vorhaben als «unsozial» und «unausgegoren». Auch der Verband der Ersatzkassen rügte die zusätzliche Belastung der Versicherten. Die Barmer hielt Schwarz-Gelb «Mut- und Ideenlosigkeit» vor.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Kassen begrüßte dagegen die höheren Steuerzuschüsse für den Bund und größere Finanzautonomie für Versicherer. Der Verband der privaten Krankenversicherung sprach von einem «überfälligen Richtungswechsel» hin zu mehr Wettbewerb. Die Bundesärztekammer sagte, der Entwurf biete die «Chance, eine neue Gesundheitskultur in Deutschland aufzubauen» - mit mehr Freiheiten für Patienten wie auch für Mediziner.

DerWesten

Facebook
 
Kommentare
24.10.2009
17:04
Blockierter Kommentar.
von DietmarKalaschnikow | #26

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.10.2009
12:01
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von strubbel | #25

ps. was heisst einkommensunabhängig?dann zahlt der bürger mit dem mindestlohn genau soviel in die kasse ein wie ein direktor.der rentner mit der grundsicherung ebenfalls.aber; trocken brot macht wangen rot,so heisst doch ein deutsches
spric hwort.

24.10.2009
11:58
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von strubbel | #24

hat denn allen ernstes jemand geglaubt die neuen schenken uns bürgern etwas?wenn die € 10 praxisgebühr abgeschafft werden und es kommt die jeweilige eintrittsgebühr beim arzt wenn dieser aufgesucht iwrd,ist es letztendlich für den chronisch kranken bürger teurer als vorher.was heisst eigentlich grundversorgung?sozialverträgliches ableben,oder hilfe??????

24.10.2009
08:58
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von thiesbuerger | #23

Leute, ich kann euch nur eines empfehlen: geht auf die Straße!
Und wählt dieses Pack bald ab!

24.10.2009
08:57
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von thiesbuerger | #22

und wer weiß, wie hoch die Schmiergelder sind, die die FDP-Politiker von ihren Geldgebern für diese Leistung erhalten.

24.10.2009
08:54
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von thiesbuerger | #21

Wenn die profitorientierten privaten Krankenversicherer etwas gut finden, dann sollte man misstrauisch werden.

Viele werden bald Krankenversicherungsbeiträge zahlen müssen, die sie sich nicht leisten können.
Wer als Alleinstehener 1000 Euro netto verdient, wird beispielsweise 200 bis 250 Euro von seinem Nettogehalt zahlen müssen. heute zahlt er 94 Euro.
Steuerlicdh entlasten kann man ihn heute nur um etwa 50 Euro, denn soviel zahlt er heute an Lohnsteuer..
Die FDP hat ihr Wahlversprechen gehalten: die Armen werden immer ärmer.

23.10.2009
22:00
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von Kommentator | #20

Es gibt nur eine Verbesseurng im Gesundheitswesen und die lautet Kostensenkung.

Pillen für 100 Euro und Computertomographen für 1.000.000 Euro gehören abgeschafft und ebenso die gesamte Gesundheitsmafia.

Das BSP schrumpft und die Gesundheitskosten steigen. Und das nennt die neue Regierung dann Wachstum.

23.10.2009
21:33
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von Erklärbar | #19

zu #8, predocx
Vollkommen richtig erkannt. Die neue Regierung ist noch nicht im Amt, und schon werden wir nach allen Regeln der politischen Betrugskunst wieder nonstop verseckelt.
Das wir die nächsten vier Jahre noch lustig, bis wir, rein theoretisch zumindest, wieder die Chance haben, denen einen Tritt in den Hintern zu geben.

23.10.2009
21:25
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von Erklärbar | #18

Tja, zu dieser Meldung sage ich jetzt mal bewusst flapsig :
Hätte die Ulla Schmidt in den letzten Jahren, als sie, und damit direkt die SPD, für eine vernünftige Reform des Gesundheitssystemes zuständig war, nicht solchen grandiosen Murks, sondern anständige Arbeit abgeliefert, die auch länger als nur wenige Monate Bestand hat, dann hätte man der neuen Regierung nicht auf dem silbernen Tablett einen driftigen Grund geliefert, jetzt ihre ungerechten und damit völlig unsozialen Pläne umgehend umzusetzen.
Im übrigen war der Herr Lauterbach ja auch sehr in die Reformarbeit mit eingebunden.
Aber jetzt, da die SPD aus der Opposition heraus agieren kann, wird sie sicher auf Anhieb sämtliche Patentrezepte für ein pefektes Gesundheitssystem kennen.
Allerdings haben sie das alle gleich, unsere saubern Parteien. In der Opposition haben sie eine große Schnauze und wenns drum geht, ernsthaft Verantwortung zu übernehmen, dann gibt es mit einem Mal gähnende Ideenlosigkeit und oft genug s
Wie man derzeit fast täglich am Beispiel der Finnlose Stümperei. Wie man derzeit fast täglich am Beispiel der FDP verfolgen kann. Da will uns der Westerwelle doch plötzlich oberfaule Finanztricksereien, die er vor einigen Wochen noch zu Recht verteufelt hat, nun plötzlich als Ei des Kolumbus verkaufen.

23.10.2009
20:19
Opposition kritisiert Kopf- Pauschale durch Hintertür
von karlosdallos | #17

Familie mit 2 Kindern, 4 mal Pauschale ?!

Da lohnt Arbeiten wieder.

Bis 4 000 Netto unterhalb Hartz4.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/36412/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.