Olympiastützpunkt Dortmund ist beim Land in Ungnade gefallen

Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal: Der Deutschlandachter hat seine sportliche Heimat beim Olympiastützpunkt Westfalen.
Training auf dem Dortmund-Ems-Kanal: Der Deutschlandachter hat seine sportliche Heimat beim Olympiastützpunkt Westfalen.
Foto: imago/Sven Simon
Was wir bereits wissen
Dortmund sei nicht mehr verlässlich, Fördermittel sollen wegfallen, heißt es. Doch die Betroffenen wehren sich dagegen und haben gute Argumente.

Dortmund.. Thomas Friedhoff fühlt sich im Stich gelassen. Von der Landesregierung und von Funktionären des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Friedhoff leitet eine Institution des Spitzensports: den Olympiastützpunkt (OSP) Westfalen mit einer Zentrale in Dortmund und Ablegern in Bochum und Winterberg. Der Stützpunkt schmückt sich mit Top-Athleten. Der Deutschlandachter ist hier heimisch, der OSP betreut auch Weltklassereiter wie Isabell Werth und Wintersportler wie Jacqueline Lölling, WM-Zweite im Skeleton. Noch eine Besonderheit: Der Olympiastützpunkt ist der einzige von 19 in Deutschland, der von einer Stadt betrieben wird, in diesem Fall Dortmund. Die OSP in Essen und Köln sind Vereine.

Den Westfalen weht allerdings ein kalter Wind entgegen. „Wir sollen kaputt gemacht werden. Man will uns die Fördermittel wegnehmen“, wettert Thomas Friedhoff. Seine 30 Kollegen – Mediziner, Trainingswissenschaftler, Psychologen – fürchten um ihre Jobs.

Das Ziel von Landesregierung und DOSB: Verschmelzung

Ein Bericht des Sportministeriums über die „Zukunft der Olympiastützpunkte in NRW“ rückt die Westfalen in ein schlechtes Licht. Sie seien „kein verlässlicher Partner“, heißt es dort. Nach dem Willen der Landesregierung und des Deutschen Olympischen Sportbundes sollen die OSP im Land miteinander „verschmelzen“. Nur noch eine Trägergesellschaft würde es dann geben, nicht drei. Die Stützpunkte selbst mit ihren Einrichtungen gäbe es weiterhin.

Die Landesregierung sieht in einer Verschmelzung eine Möglichkeit, auf die „rasante, weltweite Leistungsentwicklung im Spitzensport“ zu reagieren. Von der zentralen Steuerung aller Olympiastützpunkte in NRW verspricht sich das Land weniger „Mehrfachbetreuung“, „mehr Effizienz“, „mehr Service“ für die Athleten und am Ende – so die Hoffnung – mehr Medaillen bei Olympia.

Das Problem: Die Westfalen wollen partout nicht mitmachen. „An unserem Service ist nichts auszusetzen. Wir orientieren uns am Weltmaßstab“, beteuert Friedhoff.

"Doppelarbeit ist nicht der Rede wert"

Tatsächlich finden sich in dem Bericht über die Olympiastützpunkte, den die Landesregierung an den Sportausschuss geschickt hat, Ungereimtheiten. So heißt es dort, die Trägervereine der OSP in Köln und Essen hätten sich dafür entschieden, die Reform der Stützpunkte zu unterstützen. Das aber trifft auf den OSP Rheinland in Köln nicht zu. „Wir prüfen das, aber es liegt noch kein Ergebnis vor“, erklärte Stützpunktleiter Michael Scharf. Überschneidungen bei der Betreuung der Athleten gebe es so gut wie keine, sind sich die OSP-Chefs in Dortmund und Köln einig. Die Doppelarbeit sei „nicht der Rede wert“, so Scharf und Friedhoff.

Aus dem Olympiastützpunkt Rhein-Ruhr in Essen ist indes keine Kritik an den Plänen zu hören. Wichtig sei aber, dass die heutigen Standorte erhalten bleiben.

Laut dem Bericht sollen die Mitarbeiter des OSP Westfalen in die neue Träger-Gesellschaft übernommen. Dieser Zeitung liegen aber Pläne des DOSB vor, wonach den Angestellten nur „im Bedarfsfall“ die Weiterbeschäftigung angeboten werden soll. Geplant ist offenbar auch, den Westfalen ab 2016 den Geldhahn zuzudrehen. Alle Fördermittel von Bund, Land und Kommunen gingen dann nur noch an die neue Gesellschaft. Dortmund müsste sich beugen und zähneknirschend beitreten.

Unterstützung von OB Ullrich Sierau

„Die meisten Athleten wissen nicht, dass dieser Stützpunkt abgewickelt werden soll. Und die, die es wissen, sind sehr irritiert“, versichert Thomas Friedhoff.

„Wir sind nicht Partei in diesem Streit, aber wir machen uns natürlich Sorgen. Dortmund ist für uns ein extrem wichtiger Standort“, sagte Mario Woldt, Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes, dieser Zeitung. Der Präsident des Westfälischen Schützenbundes, Klaus Stallmann, schreibt unter Verweis auf die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Rio 2018: „Die lang geplante optimale Betreuung der Athleten durch den OSP ist massiv gefährdet.“

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau stellt sich vor „seinen“ Olympiastützpunkt. Der DOSB habe viele offene Fragen zur Reform der OSP noch nicht beantwortet. Es sei „abwegig“ zu behaupten, die Dortmunder seien kein verlässlicher Partner mehr.