Ölpreis-Tief bremst Investitionen im Ausland

An Rhein und Ruhr..  Der gesunkene Ölpreis bremst die Auslandsinvestitionen der Unternehmen an Rhein und Ruhr. Die Frühjahrsumfrage der Industrie- und Handelskammern ergab, dass der Trend zu Produktionsverlagerungen ins Ausland vorerst gestoppt ist.

„Die Unternehmen können wieder durchatmen“, sagte gestern der Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve, Stefan Dietzfelbinger, bei der Vorlage des Ruhrlageberichts in Essen. Der Umfrage unter 1000 Ruhrgebiets-Unternehmen mit mehr als 160 000 Beschäftigten zufolge sinkt die Bereitschaft, mehr als bisher im Ausland zu investieren, auf den niedrigsten Stand seit 2008. Zu Beginn des vergangenen Jahres, als der Rohölpreis über 100 Dollar pro Barrel lag, hatten die Kammern noch davor gewarnt, dass energieintensive Betriebe aus der Chemie- und Stahlbranche Investitionen vor allem in die USA verlagern, weil dort die Energiepreise wegen des Fracking-Booms deutlich niedriger waren als in Deutschland.

Ein Viertel des Stromverbrauchs

Entwarnung mögen die Kammern aber dennoch nicht geben. „Wegen der hohen Strompreise bleibt das Ruhrgebiet ein teurer Industriestandort“, sagt Dietzfelbinger. Ein Viertel des deutschen Stromverbrauchs entfällt auf das Revier. „Die Ungewissheit, wo die Energiewende einmal hinführt, trifft uns gerade im Ruhrgebiet hart“, betont Jutta Kruft-Lohrengel, Präsidentin der IHK Essen-Oberhausen-Mülheim. Die fehlende Planungssicherheit führe dazu, dass auch die Investitionen in der Region ausblieben.

Das spiegelt sich in der jüngsten Konjunkturumfrage wider. Zwar beurteilt nur jeder achte Betrieb an Rhein und Ruhr seine Lage als unbefriedigend. Die Aussichten sind aber getrübt. „Die Unternehmen halten sich derzeit bei Investitionen im Ruhrgebiet zurück“, meint Kruft-Lohrengel. Ein Trost: Die Mehrheit der Unternehmen will ihre Ausgaben zumindest stabil halten. Sorgen bereitet der Ruhrwirtschaft insbesondere die Binnennachfrage. 55 Prozent der Firmen an Rhein und Ruhr sehen darin das größte Risiko für ihr eigenes Geschäft.

Handel entwickelt sich positiv

Die Kammern appellieren nicht nur an die Bundesregierung, die Ungewissheit bei der Energiewende zu beenden, sondern auch an die Kommunen, „ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Ruhrgebiet“ abzugeben. Es fehle insbesondere an Gewerbe- und Industrieflächen, die bestehenden Unternehmen die Möglichkeit zum Wachsen bieten und neue Investoren anlocken.

Während sich das Geschäftsklima für die Industrie an Rhein und Ruhr im Vergleich zum Herbst leicht abgekühlt hat, entwickelt sich der Handel positiv. Der Frühjahrsumfrage zufolge stieg die Zahl der Händler, die ihre Lage als „gut“ bezeichnen, um sieben Prozent auf 33 Prozent. Insgesamt zeigte sich nur jeder achte Befragte als unzufrieden. Jeder vierte Händler erwartet 2015 eine Verbesserung seiner Geschäfte. Als „bemerkenswert“ empfindet es IHK-Präsidentin Kruft-Lohrengel, dass 61 Prozent der Händler an Rhein und Ruhr ihre Waren auch im immer wichtiger werdenden Internet anbieten.