Öko-Offensive für NRW-Flüsse

An Rhein und Ruhr..  Ultrafeine Technik für Kläranlagen, umfangreiche Renaturierungen, der Abbau von Stauwehren, Kampf gegen Arzneimittelreste und andere Spurenstoffe, Düngeeinschränkungen für die Bauern: Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) macht Druck, damit NRWs Flüsse wieder in einen „guten ökologischen Zustand“ versetzt werden – so wie es die EU verlangt. Seine Fachleute haben nach NRZ-Informationen einen Katalog von mehr als 12 000 Maßnahmen erarbeitet, die in den nächsten sechs Jahren umgesetzt werden sollen. Kommunen, Kläranlagenbetreiber, Firmen und alle Bürger können bis Sommer 2015 dazu Stellung beziehen.

Konflikte sind absehbar. An der Lippe etwa geht es darum, den Salzeintrag durch Grubenwasser aus dem Bergbau zu reduzieren. An Ruhr und Emscher sollen die chemische Belastung weiter sinken und Altlastenstandorte aufgearbeitet werden. Bei Kläranlagen drängt das Ministerium auf die sogenannte „Vierte Reinigungsstufe“ – (z.B. Membranfilter). Für Betreiber bedeutet das Millioneninvestitionen und höhere Betriebskosten. Lippeverbandschef Jochen Stemplewski hatte erst kürzlich gezweifelt, ob solche Anlagen in der Breite „wasserwirtschaftlich Sinn machen“.

Ein Sprecher des Ministers bestätigte auf Nachfrage, dass das Maßnahmenpaket erarbeitet wurde und nach Jahresbeginn vorgestellt werden soll. Hintergrund ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die deutliche Qualitätsverbesserungen an Gewässern eigentlich schon bis zum Jahr 2015 verlangt, aber Fristverlängerungen bis 2021 und 2027 einräumt. „80% der Fließgewässer in NRW sind noch nicht in einem guten ökologischen Zustand“, sagte der Sprecher.

Unterstützung kommt von Umweltschützern. Begradigte und belastete Flüsse wieder zu renaturieren, sei eine Generationenaufgabe: „Aber irgendwann muss man anfangen“, meint Holger Sticht, Landeschef des BUND. In NRW gebe es bisher allenfalls punktuelle Erfolge. „Das ganze Potenzial, das in dieser EU-Richtlinie steckt, ist noch gar nicht überall realisiert“, glaubt Sticht. Brüssel habe enorme Fördertöpfe für Renaturierungen bereitgestellt, die man sonst alleine nicht stemmen könne.