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Arbeitsmarkt

OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht

19.02.2010 | 09:37 Uhr

Brüssel.Neuer Zündstoff für eine ohnehin aufgeheizte Debatte: Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) kommt zum Ergebnis, dass die Bundesbürger, falls sie ihren Job verlieren, finanziell weniger gut geschützt sind als die Arbeitnehmer in vielen anderen Industriestaaten.

Arbeit lohnt sich also nicht. Das besagt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Bundesbürger sind, wenn sie ihren Job verlieren, weniger gut geschützt als Arbeitnehmer in anderen Industriestaaten. Die Absicherung sei „im europäischen Vergleich eher gering“, erklärt die OECD.

Unmittelbar nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes erhält ein Single den Berechnungen zufolge in Deutschland 60 Prozent seines Nettolohns aus staatlichen Leistungen ersetzt. Das ist weniger als in Spanien, Frankreich und der Slowakei und sogar viel weniger als in Luxemburg, Portugal oder den Niederlanden – aber immerhin noch leicht über dem Durchschnitt aller untersuchten Länder rund um den Erdball.

Einen echten Grund zur Unzufriedenheit haben derweil Geringverdiener in Deutschland, die plötzlich auf der Straße sitzen. Denn bei der Höhe des Lohnersatzes für kinderlose Alleinstehende oder Ehepaare (mit zuvor einem Verdiener) liegt die Bundesrepublik am unteren Ende der Tabelle – auf den Plätzen 22 und 24 von insgesamt 29.

Keine kleinere Gesamtrechnung

Wer daraus ableiten wollte, die soziale Sicherung müsse demnach für den deutschen Steuerzahler günstiger sein als für die meisten anderen EU-Staaten, wäre allerdings voreilig. Denn in Deutschland fließt – nach Kalkulationen des europäischen Statistikamts – ein höherer Teil der Staatsausgaben und der Wirtschaftsleistung in den leistungsverwaltenden Sozialstaat als im europäischen Durchschnitt. Die Gesamtrechnung fällt also keineswegs kleiner aus als bei den Nachbarn.

Und auch eine andere Schlussfolgerung wäre vorschnell: Die Vermutung, gerade in Deutschland müssten die Anreize für die Jobsuche besonders hoch sein, weil ja der Lohnersatz nicht so üppig ausfällt, trifft nach Einschätzung der OECD nicht zu. Ganz im Gegenteil: Die Ökonomen kommen zum Ergebnis, dass es in Deutschland an Anreizen mangelt, sich eine existenzsichernde Beschäftigung zu suchen.

Hohe Steuerlast

Ein Alleinerziehender oder verheirateter Alleinverdiener mit zwei Kindern müsse mehr als 60 Prozent des nationalen Durchschnittslohns verdienen, ehe das Nettoeinkommen über dem liege, was ihm an Sozialleistungen zustehe. Und dabei sind nicht einmal die Kosten für Kinderbetreuung eingerechnet, die auf Menschen zukommen, wenn sie wieder einem Ganztags-Job nachgehen.

In anderen Worten: Trotz der Hartz-Reformen lohne es sich für viele Arbeitslose überhaupt nicht, einen vollwertigen Job anzunehmen. Aber nicht etwa, weil sie auch ohne Arbeit genug Geld zu Verfügung haben. Sondern weil „regulär beschäftigte Personen schon bei einem geringen Verdienst einer relativ hohen Steuer- und Abgabenbelastung“ unterliegen, wie Herwig Immervoll erklärt. Der OECD-Volkswirt empfiehlt der Bundesregierung, sich einmal in Irland oder anderen EU-Ländern umzuschauen, denn dieses Problem lasse sich lösen.

Dänemark ist in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Trotz Finanzkrise läuft das Haushaltsdefizit nicht aus dem Ruder, wachsen die Schuldenberge nicht in den Himmel. Zudem bestätigen regelmäßige Umfragen, dass kein anderes Volk so zufrieden ist mit seinen Lebensbedingungen wie die nördlichen Nachbarn.

Beispiel: Dänemark

Das mag womöglich auch daran liegen, dass die Dänen mit einer umfassenden sozialen Absicherung rechnen können, falls sie ihren Job verlieren. In der aktuellen OECD-Studie rangiert Dänemark beim Lohnersatz in der Spitzengruppe. Zudem können die Skandinavier damit kalkulieren, dass sie der Staat vergleichsweise lange unterstützt, wenn sie ohne Job sind, berichtet Arbeitsmarkt-Expertin Claudia Wogedan von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Diese relativ generöse soziale Unterstützung führe allerdings nicht dazu, dass die Dänen bei der Suche nach Arbeit halbherzig vorgingen. „Die Betreuung und Aktivierung ist früher und besser als in den meisten anderen EU-Ländern“, erläutert Wogedan. Das Ergebnis spricht für sich: Die dänische Arbeitslosenrate lag im vergangenen Jahr mit 4,5 Prozent gerade einmal halb so hoch wie in der EU.

Der Blick lohne noch weiter nördlich, meint die Expertin. So garantierten die Finnen bedürftigen Arbeitssuchenden eine Grundsicherung, unbeschadet von deren privaten Vermögen. Auf diese Weise müssten Menschen, die ihren Job verlieren, keinen jähen sozialen Abstieg fürchten und nicht vorschnell einen Posten suchen, der nichts mit ihrer eigentlichen Qualifikation zu tun habe.

Die OECD lenkt derweil die Aufmerksamkeit nach Irland, wo Arbeitssuchende vom Staat nicht durch hohe Abgaben davon abgehalten, sondern sogar dafür belohnt würden, wenn sie einen sozialversicherungspflichtigen Job annehmen. „In Irland liegt für Alleinerziehende ab einer bestimmten Wochenarbeitszeit das Nettoeinkommen sogar über dem Bruttolohn“, erläutern die OECD-Fachleute.

Detlef Fechtner

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Kommentare
23.02.2010
22:00
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von D.Koschinsky | #70

Die Zuverdienstmöglichkeiten sind meiner Meinung nach ausreichend. Die Löhne sind lediglich zu niedrig!

Die ersten 100 Euro Verdienst sind immer frei!
bis 800 Euro nochmals 20 %
darüber bis 1500 Euro nochmals 10 %
Beispiel
400 Euro Job = 160 Euro (40 % anrechnungsfrei)
800 Euro = 240,00 Euro (30 %anrechnungsfrei)
1500 Euro = 310 Euro (20,6% anrechnungsfrei)

Damit ist eigentlich bereits jetzt das von Westerwelle Lohnabstandgebot gegeben!!!
WAS WILL DER BEZWECKEN!!!

Wir brauchen einen Mindestlohn, um die Sozialkassen zu entlasten!!! Damit auch höhere Beiträge und Steuern eingezahlt werden!!!
Wo ist das Problem?

Dumpinglöhne helfen da nicht weiter, sondern verschärfen die Sache nur!

20.02.2010
00:56
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #69

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

20.02.2010
00:08
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von sparer | #68

#55 von krüwalda
#56 von Jochen Kröhnert DO Süd
Die vorgenannten Beiträgen und auch einige andere lassen es sehr wichtig erscheinen Volkswirtschaftslehre in den Hauptschulen als Hauptfach zu lehren!

19.02.2010
22:02
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von Jochen Kröhnert DO Süd | #67

Man sollte erst einmal den ganzen scheiß mit den 400 € Jobs abschaffen.
Es kann doch nicht sein, dass ein Arbeitgeber statt 5 neuer sozialversicheurngspflichtiger Vollzeitjobs 20 Jobs auf 400 € Basis anbietet.
Man muß sich doch nur einmal die Ausamße ansehen, die in den verschíedensten Stellenangeboten auftauchen. Da ist doch keine einzige Vollzeitstelle mehr bei. Nur noch maximal Teilzeit; und diese sind schon extrem rar gestreut.
Diese Unmenge an 400 € Stellen vernichten immer mehr Vollzeitstellen.
Außerdem müssen diese Menschenhändler in den Zeitarbeitsbuden verscheucht werden. Die sollen einer Arbeit des 21. Jahrhunderts nachgehen und sich nicht weiter am Sklaventum bereichern dürfen.

19.02.2010
19:41
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von krüwalda | #66

Für einige hier postende Schreiberlinge scheinen die dollen Tage noch nicht vorbei zu sein. Arbeit muss sich wieder lohnen heißt, höhere Stundenlöhne, Niedrigstlohnsektor drastisch einschränken, Mindestlohn einführen und die Gelbenklientel für die von Ihnen verursachten Schäden geradestehen lassen. D.h Steuerfahndung ausbauen, Vermögenssteuer einführen und Steuerschlupflöcher schließen und last but not least die FDP/CDU in NRW abwählen.

19.02.2010
18:13
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von Diethelm Koschinsky | #65

Das Deutschland so eine hohe Sozialbelastung liegt doch an den vielen Sozialleistungen welche beantragt werden können. Würde man diese zusammenfassen in ein bedingungsloses Grundeinkommen, welches über den jetzigen HARTZIV-Niveau liegt, könnten enorme Bürokratiekosten abgebaut werden. Hier mal ein fiktives Gespräch einer Sozialberatung heute:

„Versuchen sie bevor sie ALGII beantragen, doch erstmal einen Wohngeldantrag zu stellen, ergänzend können sie ja auch mal einen Antrag auf Kinderzuschlag stellen. Ach ja, haben sie evtl. noch Anspruch auf Elterngeld (bei Kleinkindern). Ihre Tochter studiert doch? wie wäre es mit Bafög? Ach ein Elternteil ist verstorben, dann können sie doch Halbwaisenrente beantragen. Ach sie sind auch noch körperlich eingeschränkt, wie wäre es denn mit Berufsunfähigkeitsrente.“

Weitere mögliche Sozialleistungen möchte ich garnicht aufzählen...

Aber dann hätten wir ein neues Problem:
Jede Menge arbeitslose Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst!

Hinzu kommt das ein Alleinerziehender mit zwei Kindern bei einem Einkommen von etwa 2400 Brutto mit 265 Euro Lohnsteuer und nochmal knapp 280 Euro SV-Beiträge belastet wird. Dann kommen noch die enormen Kosten der Unterkunft hinzu und man ist im ALGII-Bereich gelandet und bekommt nur durch die steuerliche Belastung ergänzend ALGII in etwa der Höhe der Steuerzahlung! Irrsinn pur in Deutschland.

Einige, die sich jetzt noch auf der sicheren Seite fühlen, könnten beim jetzigen System ganz schnell zum Hartzer werden! Firma macht zu und was nu???? Vorher evtl. noch über 3000 Euro verdient und bei einer evtl. Neueinstellung (sofern er Arbeit findet) auf einmal locker mal einen 1000 weniger brutto monatlich. Oder nach einen Jahr Arbeitslosigkeit automatisch ins HARTZIV rutscht.

Knapp 1,4 Mio. gehen einer Arbeit nach!
1,6 Mio. sind Alleinerziehende
und noch mal 800000 Kinder.

19.02.2010
16:41
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von Bobberle | #64

Es gibt leider viel zu wenig Westerwelle im Land. Nur so kann der Sozialbeschiss weitergehen.

19.02.2010
16:22
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von Herold Schincke | #63

Westerwelle will LEISTUNGGERECHTIGKEIT ?

Er dürfte danach max. 3.800 € erhalten.

Bekommt aber ----------38.000,00 €.........!!!!!!!!!! TRANSFERLEISTUNGEN

EinFamilienvater in SGB II -------------311 €---------

19.02.2010
14:57
OECD-Studie zeigt: Arbeit lohnt sich nicht
von Humankapital | #62

Also ich finde Westerwelle hat ja so recht!
Arbeit lohnt sich wirklich nicht.
Leute wie Westerwelle haben noch nie gearbeitet, aber trotzdem geht es ihnen doch prima!

19.02.2010
14:47
Blockierter Kommentar.
von udo.michel | #61

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