Oberhausen droht Mangel an Hausärzten

Oberhausen..  Die Menschen werden immer älter, die Wartezeiten in Arztpraxen sind schon heute lang: Derzeit praktizieren in Oberhausen 113 Hausärzte, doch bis 2030 könnten es 40 weniger sein. Dieses Szenario geht aus dem Versorgungsreport der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein hervor.

Die medizinische Versorgungslücke entsteht nach Angaben der Fachleute allerdings nur dann, wenn zu wenige Ärzte nachrücken. Dass dies nicht unrealistisch ist, glauben nicht nur die Kassenärzte, sondern auch die Krankenkassen. Sogar der Landtag beschäftigte sich jetzt mit dem negativen Trend, dass sich in sozial schwierigen Stadtvierteln weniger Ärzte niederlassen wollen – mangels guter Verdienstchancen durch zu wenige Privatpatienten.

Dr. Peter Kaup, Vorsitzender der Oberhausener Ärztekammer, spricht von einem „doppelten Flaschenhals“: Bei den Allgemeinmedizinern rückten zu wenig junge Leute nach, die älteren Mediziner gingen in absehbarer Zeit in Rente.

Dietmar Zehentner, Leiter der örtlichen Barmer-Krankenkasse, sorgt sich um die Hausarzt-Betreuung: „In den Städten ist die Lage heute noch gut, da wir aber immer mehr Probleme auf dem Land bekommen und dort die Ansiedlung von Hausärzten fördern müssen, könnten selbst Großstädte wie Oberhausen leiden.“ Schon jetzt sei über ein Drittel der Hausärzte in Oberhausen älter als 60 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt bei stattlichen 54 Jahren.

Dass die künftigen Ruheständler nur schwer ersetzt werden können, liegt auch am Verhalten der Jungmediziner. Kaup stellt seit längerem fest, dass sich immer weniger junge Ärzte für eine Laufbahn als Hausarzt entscheiden. Das liege daran, dass der Beruf immer unattraktiver werde: Zu viel Bürokratie, zu lange familienunfreundliche Arbeitszeiten. Krankenkassen-Chef Zehentner meint, dass die jungen Mediziner viel stärker als frühere Ärzte-Generationen auf Arbeitszeit und Einkommen schauen. „Als Hausarzt muss man rund um die Uhr da sein, sogar Haus- und Altenheimbesuche machen. Der Facharzt muss das nicht und hat auch noch einen besseren Honorarschlüssel.“

Derzeit beträgt der offizielle, von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein ermittelte Versorgungsgrad in Oberhausen über 110 Prozent, so dass sich heute kein zusätzlicher Hausarzt in der Stadt niederlassen könnte. Auf jeden der 113 Hausärzte kommen jetzt 1882 Patienten.