Nur jeder zweite Krankenhausarzt erhält Ausgleich für Überstunden
08.06.2009 | 17:27 Uhr 2009-06-08T17:27:00+0200Münster. 50 Prozent der Krankenhausärzte im Bereich der Ärztekammer Westfalen-Lippe gehen bei Mehrarbeit leer aus. Trotz einer Gesetzesänderung gibt es laut einer Umfrage unter 1100 Klinikärzten weder Geld- noch Freizeitausgleich. Ärztemangel wird deutlich spürbar.
Fast jeder zweite Krankenhausarzt in Westfalen-Lippe bekommt weder Geld noch Freizeitausgleich für geleistete Überstunden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, die am Montag in Münster vorgestellt wurde. An der Umfrage beteiligten sich über 1100 Klinikärzte.
«Es ist erschreckend, dass sich seit Inkrafttreten des Arbeitszeitgesetzes im Jahre 2004 in vielen Krankenhäusern nichts an der Überstunden- und Arbeitsbelastung geändert hat», sagte der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst. Viele Krankenhäuser kämen als Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nicht nach und riskierten «bewusst Gesetzesverstöße». Darunter litten ihre Angestellten und die Patienten.
Ärztekammer fordert Einhaltung der Vorschriften
Nur mit persönlichem Engagement der Ärzte lasse sich so manche Krankenhausabteilung überhaupt weiter betreiben, hieß es. Nur 15 Prozent der Befragten bekämen für Mehrarbeit Vergütung und Freizeitausgleich. 44 Prozent könnten weder das eine noch das andere erwarten. «Diese Kolleginnen und Kollegen leisten durchschnittlich elf Überstunden pro Woche. Das entspricht bei einem Assistenzarzt einem monatlichen Geschenk von 800 bis 1500 Euro an den Arbeitgeber», erklärte Windhorst. Die Ärztekammer fordert deshalb neben der Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeitvorschriften die Krankenhaus-Arbeitgeber auf, Mehrarbeit vollständig zu erfassen und gerecht auszugleichen.
Zur Arbeitsbelastung kommt in den meisten Kliniken bereits deutlich spürbarer Ärztemangel. Vier von fünf Befragten gaben an, dass in ihren Abteilungen durchschnittlich zwei Arztstellen unbesetzt seien. «Offenbar gibt es in den Kliniken einen direkten Zusammenhang zwischen guten Arbeitsbedingungen und der Chance, Nachwuchsärzte zu rekrutieren», sagte der Kammerpräsident. (ddp)

23:25
Mit der Überstundenregelung,
hier nicht zu bezahlen,
tun sich fast alle Krankenhäuser, egal ob Privat, Städtisch, oder in Trägerschaft der Wohlfahrtsverbände nichts.
Es gibt wenige Häuser in Westfalen oder Nordrhein, die den Assis oder OA ihre Überstunden richtig vergüten.
Sollte eigendlich den Funktionären klar sein.
Zu den Überstunden, wer möchte von einem Arzt nach 36 Std. oder sogenannten Todesschichten von 48 Std. am Ende der Schicht behandelt werden?
Ich darf hier nur soviel andeuten, das nach 12 Std./Freizeitausgleich man eben Pech hat, wenn man ans Telefon geht.
Allso geht es nach 36Std./Schicht mit anschliessender 12 Std. Freizeit wieder zur 12, 24, 36 oder wenn man Pech hat, 48 Std./Schicht.
Man hat ja seine Bereitschaftszeit im Haus zu verbringen. Manche Schwestern bekommen selbst ein schlechtes Gewissen uns nach 1-2 Std. Bereitschaftszeit zu rufen.
Dann gibt es noch für Ungeweihte die Ruhezeit,
diese wird auch im Haus verbracht und nennt sich
nicht Schlafenszeit, sondern Ruhezeit, die in 3 Minuten nach den Eintreten von Arbeit,
in Arbeitszeit übergeht.
Trotz 48 Stundenregelung hat sich in Deutschland nicht viel getan.
Es gibt immer noch Häuser, an denen die 72-80 Std. Woche die Regel ist.
Nebenbei ist man in den Dienstplanauswertungen, nur für Eingeweihte, in
vielen Häuser sehr kreativ.
12:53
Als Assistenzärzte können wir über die Initiative der Ärztekammer sehr froh sein, aber letztendlich wird sich erst etwas tun, wenn Ross und Reiter genannt werden. Eine Alternative stellen Bewertungsportale (s. www.facharztweb.de) dar. So können sich positive Beispiele eindeutig abheben und die schlechten stehen hoffentlich bald ohne Ärzte da...
12:20
und dazu kenne ich X firmen die keiner Tarifgemeinschaft angehören.....ist doch der Trend.... leben sie in einer Kneipe oder Wirtschaft?
12:17
@ #4 von nobel_price
bin ich doch in guter Gesellschaft......
09:01
supply, sie sollten Tarifangestellte und AT Beschäftigte auseinanderhalten können, sonst entsteht leicht der Eindruck, sie verwechseln Wirtschaft mit Kneipe.
08:02
Gibt es da nicht Verträge die eine Bezahlung der Überstunden im Gehalt eingepreist sieht???
Kenne ich so aus der Wirtschaft!
16:46
Das Zahlen von Überstunden ist im Zuge des sich gnadenlos durchsetzenden Neoliberalismus in der deutschen Lebenswirklichkeit ziemlich aus der Mode gekommen.
Dies fördert die Massenkaufkraft ungemein.
16:28
das fördert die abwanderungswilligkeit ...
und womit ??? ---> mit recht !!!